Oberstleutnant Dirk Michael Jordan muss derzeit an gleich mehreren Fronten kämpfen. Aber das zum Glück nicht militärisch, sondern organisatorisch. Nicht mit Waffen, sondern mit Tabellen und Berechnungen, mit Gebäudeplänen und Grundrissen, mit Computer und Taschenrechner. Denn auch in der Walldürner Kaserne (Neckar-Odenwald-Kreis) soll es mehr Soldaten und mehr Geräte für das dortige Logistikbataillon 461 geben. Der Platz dafür muss jetzt auf dem Kasernengelände geschaffen werden.
Wir werden jeden Quadratmeter auf dem Kasernengelände nutzen.
Da ist zum einen die geplante Vergrößerung der Bundeswehr insgesamt. Die Truppe soll von 200.000 auf 260.000 Personen anwachsen, davon ist auch die Walldürner Bundeswehrkaserne betroffen. Hier ist laut Jordan in etwa klar, wie viel zusätzliches Personal nach Walldürn kommen wird, welche neuen Fahrzeuge oder Großgeräte angeschafft werden.
Die Freiwilligen sind eine unbekannte Größe
Dann ist da aber auch das neue "Wehrdienstmodernisierungsgesetz", das seit Anfang 2026 gilt. Die Bundeswehr will Zehntausende von jungen Menschen gewinnen, die freiwillig ihren Dienst leisten. Für diesen neuen Wehrdienst - so schätzen die Verantwortlichen im Verteidigungsministerium - könnten sich im laufenden Jahr 2026 rund 20.000 Männer und Frauen melden. In den Folgejahren sollen das immer mehr werden, für das Jahr 2031 rechnet die Bundeswehr mit 40.000 Freiwilligen.
Auch in der Walldürner Kaserne sollen Freiwillige unterkommen. Aber wie viele genau das werden, in diesem oder den kommenden Jahren, das weiß niemand genau, sagt Jordan. "Deswegen müssen wir hier in den Planungen sehr flexibel sein", so Jordan, der als Standortältester in der Walldürner Kaserne für die Umsetzung der Pläne vor Ort zuständig ist.
Bei den Freiwilligen müssen wir sehr kurzfristig reagieren können.
Flexibel planen heißt im Zusammenhang mit den erwarteten Freiwilligen: Die Bundeswehr wird in Kasernen wie der in Walldürn auch auf flexible Gebäude setzen. Genutzt werden sollen sogenannte Modulbauten, die schnell auf- und wieder abgebaut werden können, je nach aktuellem Bedarf.
Walldürn profitiert vom Ausbau der Kaserne
Auch den Walldürner Bürgermeister Meikel Dörr (parteilos) beschäftigt die Vergrößerung der Bundeswehr, besonders der erwartete Zuwachs an Soldaten in seiner Gemeinde. Für ihn ist die wichtigste Botschaft zunächst gewesen, dass der Bundeswehrstandort bleibt.
Walldürn als Garnisonsstadt wird gestärkt.
Dörr und seine Belegschaft im Rathaus hoffen, dass langfristig aus Soldatinnen und Soldaten auch Walldürner Bürgerinnen und Bürger werden. "Dann müssen wir auch über zusätzliche Bauplätze nachdenken, über Kindergärten und Schulen", sagt Dörr. Nicht nur die Gemeinde selbst, sondern auch viele Betriebe in der Region werden weiterhin von der Präsenz der Bundeswehr profitieren, ist Dörr überzeugt.
Ausbau eines Munitionsdepots und Materiallagers geplant
Insgesamt will die Bundeswehr nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren im Neckar-Odenwald-Kreis fast 250 Millionen Euro investieren. Das Geld soll zu einem Teil in die Walldürner Kaserne fließen, außerdem rund 220 Millionen Euro in den massiven Ausbau des Munitionsdepots im Walldürner Ortsteil Altheim. In Erdbunkern lagert hier Munition für die Bundeswehr. Vor gut zehn Jahren war das Depot im Zuge der damaligen Bundeswehrreform zunächst aufgegeben, dann 2022 reaktiviert worden. Ähnliches Bild beim Bundeswehr-Materiallager am Hardheimer Wurmberg (Neckar-Odenwald-Kreis): Auch dieses Depot war erst geschlossen, wurde dann reaktiviert und soll nun ebenfalls ausgebaut werden, für rund 25 Millionen Euro.