"Wir wollen keine Bürger zweiter Klasse sein!"

1500 Menschen demonstrieren für Erhalt des Mosbacher Krankenhauses

Mehr Menschen als erwartet sind am Freitag in Mosbach zur Demo für den Erhalt der Neckar-Odenwald-Klinik gekommen. Dazu aufgerufen hatten vier Fraktionen des Gemeinderats.

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Von Autor/in Friederike Kroitzsch

Auf dem historischen Marktplatz haben am Freitagnachmittag rund 1500 Mosbacher Bürgerinnen und Bürger lautstark den Erhalt der Mosbacher Neckar-Odenwald-Klinik gefordert - deutlich mehr als von den Organisatoren erwartet. Diese Zahl hat die Polizei genannt. Hintergrund ist ein aktuelles Gutachten, das die Kreisverwaltung als Betreiberin der Neckar-Odenwald-Kliniken in Auftrag gegeben hat. Die Gutachter empfehlen darin aus finanziellen Gründen eine deutliche Verkleinerung des Krankenhauses am Standort Mosbach.

Mosbacher Oberbürgermeister kritisiert Gutachten

Der Mosbacher Oberbürgermeister Julian Stipp (SPD) äußerte als Redner bei der Demonstration sein Unverständnis über die Empfehlung des Gutachtens. Die große Kreisstadt Mosbach werde für das Krankenhaus kämpfen, so Stipp unter dem Beifall der Demonstranten. Stipp bemängelt außerdem, dass das Gutachten zu den beiden Krankenhäusern in Mosbach und Buchen bislang nicht vollständig veröffentlicht sei. Auch sei noch völlig offen, was eine Reform der Neckar-Odenwald-Kliniken an Kosten verursachen würde.

Wir werden nicht in ein Flugzeug steigen, im Blindflug und ohne zu wissen, wo die Landebahn ist!

Während die Gutachter eine Verkleinerung des Krankenhauses Mosbach empfehlen, sprechen sie sich gleichzeitig für den deutlichen Ausbau am Standort Buchen aus. Laut Gutachten könnte das ein Weg sein, um die extrem schwierige Finanzlage der Neckar-Odenwald-Kliniken zu verbessern. Beide Häuser verzeichnen aktuell zusammen rund eine Million Euro Verlust pro Monat. Für die Kreisverwaltung bestehe deswegen "akuter Handlungsbedarf", betont die Kreisverwaltung immer wieder. Eine Entscheidung gibt es dazu noch nicht, sie muss letzten Endes vom Kreistag beschlossen werden.

Transparent bei Demonstration Mosbach
Demonstrierende fordern Erhalt des Mosbacher Krankenhause

Standorte sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden

Die Redner bei der Demonstration auf dem Mosbacher Marktplatz betonten immer wieder, dass es ihnen nicht darum gehe, die beiden Standorte gegeneinander auszuspielen. "Beide Häuser sollen erhalten bleiben", so die Forderung. Für viele Patienten drohe in Notfällen eine "Katastrophe", wenn das Mosbacher Krankenhaus sein Angebot deutlich einschränken müsste.

Die wohnortnahe Versorgung muss an beiden Standorten erhalten bleiben. Wir sind keine Bürger zweiter Klasse!

Dennoch: "Wir sehen hier eine deutliche Bevorzugung des Standortes Buchen", sagt Gemeinderat Hartmut Landhäußer von der SPD-Fraktion. CDU, SPD, Freie Wähler und Grüne im Gemeinderat hatten zu der Demo aufgerufen. Auch, "um die Bevölkerung wachzurütteln", wie Landhäußer formuliert. Vielen Menschen besonders im südlichen Kreisgebiet sei noch nicht klar, welche Folgen eine Verkleinerung des Mosbacher Krankenhauses für Folgen hätte.

Die Neckar-Odenwald-Klinik in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).
Die Neckar-Odenwald-Klinik in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).

Kreisverwaltung bietet Bürgerdialog an

Über die Empfehlungen des Krankenhaus-Gutachtens - und über mögliche andere Lösungsansätze - wollen Kreisverwaltung und Klinik-Leitung mit den Menschen vor Ort diskutieren - bei Bürgerdialog-Abenden in allen sieben Kreistagswahlbezirken. Das hat der Neckar-Odenwälder Landrat Achim Brötel Ende des vergangenen Jahres angekündigt. Der erste dieser Bürgerdialoge soll demnach am 2. März in Mosbach stattfinden.

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