Bei der insolventen Mannheimer Eichbaum-Brauerei sind die Beschäftigten am Mittwoch über die Zukunftspläne informiert worden. Am Dienstag hatte die Gläubigerversammlung dem Vorschlag zugestimmt, das Unternehmen mit Hilfe von Investoren zu retten. Doch es wird wohl einen massiven Stellenabbau geben. Nach Angaben des Betriebsrates könnten zwei Drittel der fast 300 Jobs wegfallen.
Bedrückte Stimmung nach Betriebsversammlung
Wie der Betriebsratssprecher Umut As dem SWR mitteilte, wurden bei der Betriebsversammlung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Ergebnisse der Gläubigerversammlung hinter verschlossenen Türen informiert. Viele Mitarbeiter verließen mit gesenktem Kopf die Brauerei. Niemand wollte mit dem SWR darüber sprechen. Der Betriebsratssprecher sagte dem SWR: "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um zumindest eine Transfergesellschaft auszuhandeln."
Pfälzer Brauerei soll Eichbaum vor dem Aus bewahren
Nach aktuellem Stand sollen zwei Investoren helfen, den Betrieb der Brauerei fortzuführen. Das hat der zuständige Sachwalter, Thomas Oberle, dem SWR mitgeteilt. Nähere Angaben zu den beiden Investoren machte er nicht. Zuletzt war die Rede von nur einem Investor gewesen. Wie die "Rheinpfalz" berichtet, handelt es sich bei einem der Investoren um die Brauerei Park & Bellheimer mit Sitz in Pirmasens. Das bestätigte Uwe Aichele, Geschäftsführer bei Eichbaum, auf SWR-Anfrage. Die Brauerei Park & Bellheimer soll künftig das Inlandsgeschäft von Eichbaum übernehmen.
Größerer Finanzinvestor soll zum 1. Mai einsteigen
Bei dem zweiten potentiellen Investor handele es sich um einen größeren Finanzinvestor. Dieser soll zum 1. Mai bei Eichbaum einsteigen, so Aichele, ohne dabei näher ins Detail zu gehen. Einen entsprechenden Bericht des "Mannheimer Morgen" mit dem Verweis auf das Unternehmen Lafayette Mittelstand Capital bestätigte die Geschäftsführung dem SWR nicht.
Mit dem Finanzinvestor soll im Laufe dieser Woche eine Zielstruktur besprochen werden, teilte Uwe Aichele dem SWR mit. Dabei gehe es auch um die künftige Anzahl an Mitarbeitern. Man wolle so schnell wie möglich Klarheit schaffen.
Fest stehe schon jetzt, dass sich Eichbaum unter anderem mit sogenannten "Ready-To-Drink"-Produkten, also zum Beispiel alkoholhaltigen Mischgetränken, breiter aufstellen will. "Nur mit Bier wird es nicht funktionieren", betonte Uwe Aichele.
Gewerkschaft NGG befürchtet massiven Stellenabbau
Die Fortführung des Geschäftsbetriebs bei Eichbaum ist laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auch mit dem Abbau von rund 200 Jobs verbunden. Damit blieben noch etwa 100 Mitarbeitende übrig. In den kommenden Wochen wollen die Beteiligten einen Insolvenzplan erstellen. Auch eine sogenannte Transfergesellschaft sei grundsätzlich möglich, sagte der Sachwalter, Thomas Oberle. In diesem Fall könnten betriebsbedingte Kündigungen in befristete Arbeitsverhältnisse umgewandelt werden.
Mannheims OB Specht: "Gute Nachricht für die Stadt"
Für die Belegschaft sei der drohende Job-Abbau sehr bitter, so ein NGG-Sprecher. Jetzt gehe es darum, "dass es für die verbleibenden Beschäftigten weitergeht." Dafür brauche es ein tragfähiges Zukunftskonzept. Auch setze man sich für die Einrichtung einer Transfergesellschaft ein. Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) spricht trotz des drohenden Stellenabbaus von einer "guten Nachricht (...) für die Stadt".
Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Mannheimer Eichbaum-Brauerei einen Insolvenzantrag gestellt, im Januar wurde das Verfahren offiziell eröffnet.