"Jeden Tag werden Menschen hingerichtet"

So blicken Iranerinnen und Iraner aus der Rhein-Neckar-Region auf den Konflikt in Nahost

Seit März herrscht Krieg im Iran. Auch in der Rhein-Neckar-Region blickt man besorgt auf die Situation. Das sagen Iranerinnen und Iraner zum Konflikt.

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Stand

Von Autor/in Danilo Quarta

Der Iran befindet sich im Krieg. Seit März dieses Jahres fliegen die USA zusammen mit Israel immer wieder Angriffe auf das Land am Persischen Golf. Der Iran kontert mit Gegenangriffen auf Nachbarländer und blockiert seit Wochen die Straße von Hormus. Die Auswirkungen des Krieges sind auch in Europa spürbar, unter anderem durch gestiegene Spritpreise. Andere Menschen, wie der Mannheimer Reza Shari, berichten von Angriffen.

Reza Shari: "Terror, Angst, Folter, Blutvergießen, Hinrichtung"

Reza Shari ist als Teenager mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Heute lebt er in Mannheim und betreibt einen Schönheitssalon. Bereits 2023 bei einem Besuch in seiner Heimat wurde er als Regimekritiker verhaftet. Ihm gelang die Flucht. Shari betont die Brutalität des aktuellen Regimes. Täglich würden Kritiker inhaftiert und hingerichtet werden.

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Der gebürtige Iraner Reza Shari lebt mit einem deutschen Pass in Mannheim. Der Unternehmer setzt sich von dort aus für den Wandel in seinem Herkunftsland ein.

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Den Angriff der USA im März nennt er einen Befreiungsschlag. Shari ist zuversichtlich, dass das Regime bald der Vergangenheit angehört. Er würde sich wünschen, dass es im Anschluss wieder zu einer säkularen Monarchie kommt - wie in Norwegen oder Belgien. Er sagt, ein Monarch könnte seinem Land und dessen Volk als Identitätsfigur dienen.

Der Monarch greift nicht in die Parlamente und die Regierung ein. Das sorgt dafür, dass man als Perser, als Iraner seine Identität mit seinen Monarchien hat, aber dennoch Demokratie liebt.

Für seine Meinung wurde Shari schon mehrfach angefeindet. Die Scheiben seines Geschäfts wurden seit November schon drei Mal eingeschlagen. Einschüchtern lasse sich Shari davon aber nicht, sagt er. Laut Polizei Mannheim ist das kein Einzelfall. Auch ein deutsch-iranisches Restaurant in der Innenstadt wurde schon Opfer von politisch motiviertem Vandalismus.

Sasan Rad: "Glaube nicht, dass Trump Frieden und Wohlstand bringt"

Sasan ist Mitte 20 und lebt im Rhein-Neckar-Kreis. Als Kind hat er ein paar Jahre im Iran verbracht, wo er noch Bekannte und Familie hat. Er erzählt, wie einige jubelten, als die Angriffe im März losgingen.

Meine ersten Gedanken waren eher negativ.

Er sei hingegen skeptisch, sagt er im Interview mit dem SWR. Von Anfang an glaubte er nicht daran, dass Trumps Interessen Frieden und Wohlstand in den Iran bringen werden. Laut Sasan stehen geopolitische Interessen zu sehr im Fokus der USA, weniger das Wohlergehen der Bevölkerung. Sasan würde sich wünschen, dass die Zivilbevölkerung eine eigene Befreiungsbewegung startet.

Bahare Beverungen: "Es geht nur um Öl"

Bahare Beverungen ist 47 Jahre alt und lebt in Mannheim. Sie ist Mitbegründerin der Initiative "Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar", die die Freiheitsbewegung im Iran seit 2022 unterstützt. Im Interview mit dem SWR sagt sie, sie wolle die Hoffnung nicht aufgeben, denkt jedoch, dass sich das aktuelle Regime durchsetzen wird.  

Porträt von Bahare Beverungen
Bahare Beverungen, Mitbegründerin der Initiative "Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar" privat

Beverungen sagt, dass viele Leute, die eine Veränderung herbeiführen könnten, aktuell in iranischer Haft seien. Sie geht davon aus, dass sich der Iran und die USA einigen werden und dieser Krieg mit einem Friedensvertrag endet.

Es ist einfach kein Interesse am Menschen da. Es geht um Öl.

Sie würde sich wünschen, dass eine Einigung auch die Entlassung politischer Häftlinge und das Durchsetzen von Menschenrechten beinhalten würde. Besonders zuversichtlich ist sie jedoch nicht.

Mariam S.: "Ein Gefühl von Hoffnung"

Mariam ist Mitte 30 und lebt in der Rhein-Neckar-Region und ist im Iran geboren und aufgewachsen. Aus Angst, dass dieses Interview für ihre Familie im Iran Konsequenzen hat, möchte sie ihren Namen nicht nennen.

Sie sieht den Angriff der USA durchaus positiv. Im Interview erzählt sie, die Menschen vor Ort hätten mehr Angst vor dem Regime als vor Bomben aus den USA. Denn unter dem bestehenden Regime ginge es der Bevölkerung sehr schlecht. Sie berichtet, wie jeden Tag Kritiker inhaftiert und hingerichtet würden. Außerdem sei die Inflation in den letzten Jahren drastisch gestiegen.

Die Freiheit in Deutschland ist ein Luxus.

Sie glaube daran, dass sich das Volk befreien kann. Betont jedoch, dass es Hilfe aus dem Ausland bräuchte. Von Deutschland und Europa wünsche sie sich eine klare Haltung. Die Schließung von iranischen Botschaften zum Beispiel würde ihrer Ansicht nach ein starkes Signal senden.

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Danilo Quarta
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