Aktuelle Forschungsergebnisse auf dem Mittelaltertag der Universität Heidelberg

Drachen, Einhörner und Bestien: Uni Heidelberg blickt ins Mittelalter

Drachen töten, Einhörner heilen - der Mittelaltertag der Universität Heidelberg räumt mit solchen Klischees auf und zeigt, wie Fabelwesen im Mittelalter wirklich verstanden wurden.

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Von Autor/in Sarah Keller

Am Samstagnachmittag wurde der Innenhof der Neuen Universität in Heidelberg zum Schauplatz einer Reise ins Mittelalter. Doch der Mittelaltertag in Heidelberg war kein kommerzieller Mittelaltermarkt: Er sollte eine Brücke zwischen aktueller mittelalterlicher Forschung und Erlebnis schlagen. Organisiert wurde der zehnte Mittelaltertag von Studierenden und Dozierenden. Sie wollten darüber aufklären, wie Fabelwesen im Mittelalter dargestellt und gesehen wurden.

Mittelalterliche Flagge vor einem Mittelalterzelt am Innenhof der Universität
Im Innenhof der Universität wurde ein mittelalterliches Zelt aufgeschlagen.

Fechten, Falknerei und Forschen: Der Mittelaltertag ist kein klassischer Mittelaltermarkt

Vorträge aus Kunstgeschichte, Germanistik, Geschichte und Philosophie boten Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Perspektiven und das auf "verständliche Weise", wie ein Geschichtsstudent betont. Ergänzt wurde das Programm durch zahlreiche Mitmachaktionen, mittelalterliches Essen nach historischem Rezept - eine Suppe aus Erbsen und Karotten -, sowie Vorführungen in Falknerei und Fechterei.

Ich finde es ist eine super Veranstaltung. Die Vorträge sind sehr verständlich und geben einem wirklich etwas mit - auch wenn man vielleicht nicht viel Bezug zu geschichtlichen Themen hat.

Vorlesung über Tierwesen des Mittelalters
Lena Marschall und Annika Zschoch, Dozentinnen der europäischen Kunstgeschichte, halten einen Vortrag über Tierwesen in Büchern des Mittelalters.

Faszination Fabelwesen: Heidelberger Wissenschaftler klären auf

Eine der Mitmachaktionen war die "Einhornwerkstatt". Dort wurden Einhörner gezeigt, so wie die Menschen im Mittelalter sie sahen. "Einhörner waren nicht immer Pferde mit Horn", erklärte Aaron Vanides, Dozent der Geschichte. "Im Mittelalter wurden sie auch manchmal wie Wale oder Fische dargestellt." Die Forschung in Heidelberg zeigt: Die Wahrnehmung von Fabelwesen im Mittelalter war deutlich vielfältiger als heute. Anders als das bekannte Bild vom Einhorn unter dem Regenbogen galt es damals oft als gefährliches Tier. Auch Drachen seien, so die Forschung, nicht nur tödlich gewesen. In manchen mittelalterlichen Geschichten gehen sie sogar eine Verbindung mit dem Menschen ein.

Mittelalterliche Irrtümer: Ein Krokodil als Felltier dargestellt

Kunsthistorikerinnen Lena Marschall und Annika Zschoch haben in ihrem Vortrag eine alte mittelalterliche Handschrift vorgestellt. Das erstaunliche in den Handschriften: Ein Biber sieht aus wie ein Wolf, ein Krokodil wie ein Hase. Lena Marschall erklärte, dass Buchmaler Tiere anhand von Erzählungen gemalt haben. Die echten Tiere kannten sie nicht.

Alte Handschrift aus dem Mittelalter
In einer alten Handschrift zeigen die Kunsthistorikerinnen, wie eine Hyäne (rechts) und Biber (links) im Mittelalter dargestellt wurden.

Apotheken-Museum: Einhornmythen ganzjährig kennenlernen

Und wer die Faszination Mittelalter auch abseits vom Mittelaltertag in Heidelberg vertiefen will, der kann das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg besuchen. Dort wird ebenfalls über Einhornmythen aufgeklärt. So waren zum Beispiel Narwale für die Menschen im Mittelalter das tatsächlich existierende Pendant zu Einhörnern. Aus dem Horn der Wale wurde Medizin hergestellt, die eine besonders heilende Wirkung haben sollte. Bis heute stehen Originalflaschen im Apotheken-Museum im Schloss Heidelberg.

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