Der Zugriff auf eine große Zahl von Patientenproben hilft Wissenschaftlern bei der Erforschung von Krankheiten und der Entwicklung passender Therapien. Im Nationalen Centrum für Tumorforschung (NCT) in Heidelberg ist dafür seit Dienstag eine der bundesweit größten Datenbanken mit Flüssig- und Zellproben beheimatet. In der "Heidelberg Cell and Liquid Biobank" werden künftig zum Beispiel Blut, Immunzellen, Urin oder Rückenmarksflüssigkeit aufbewahrt. Bis zu 2,6 Millionen Proben können bei -80 Grad eingelagert werden, 240.000 zusätzliche Proben bei -196 Grad. Betrieben wird die Biobank von der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.
Proben aus Klinika Heidelberg und Mannheim
Die Proben werden laut Nadine Volk, Leiterin der Biobank, hauptsächlich von Patientinnen und Patienten der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim stammen. Bei der freiwilligen Entnahme würden die Krankheit der Patienten und für die Forschung relevante Daten erfasst und anonymisiert eingespeichert: "Wenn der Patient dem Ganzen zugestimmt hat, nimmt man ein bisschen mehr Blut ab. Name und Geburtsdatum werden von der Probe entfernt und durch einen Buchstaben und Zahlencode ersetzt, sodass keine Rückschlüsse gemacht werden können", so Volk.
Forschende können dann auf die eingelagerten Proben zurückgreifen, die für ihre Arbeit passende Merkmale aufweisen. Hauptsächlich hätten Wissenschaftler der Uni Heidelberg Zugriff, man sei aber auch darüber hinaus vernetzt. Laut der Leiterin werden aber nur Proben in Absprache mit einer Ethikkommission freigegeben werden.
Krebsforschung im Fokus
In der Biobank werden zukünftig verschiedenste Proben lagern, von Patienten mit hochinfektiösen Krankheiten wird allerdings nichts aufbewahrt. Ein besonderes Augenmerk liegt laut den Machern der Biobank auf Krebserkrankungen. Etwa 70 Prozent der Kapazität würde dafür verwendet.
Carsten Müller-Tidow hat die Biobank mitentwickelt und ist ärztlicher Direktor der Onkologie am Universitätsklinikum Heidelberg. "Biobanken sind das Gold der Forschung im 21. Jahrhundert", so Müller-Tidow. Laut dem Arzt hängt der Schwerpunkt auf Krebsforschung mit dem Standort zusammen. Neben der Größenordnung sei besonders die Automatisierung des Lagers ein Segen für die Forschung. Früher habe man in der Forschung monatelang nach passenden Proben gesucht, jetzt habe man sofort Zugriff.
Es konnte früher monatelang dauern, bis man die Proben, die man analysieren wollte, zusammen hatte. Heute ist es so, dass man die Liste der Proben eingibt und am nächsten Tag in Empfang nehmen kann.
Finanziert wurde die "Cell and Liquid Biobank" von der Universität, der Dietmar-Hopp-Stiftung und dem Land Baden-Württemberg. Die Kapazität ist laut dem Betreiber in Zukunft auf über fünf Millionen Patientenproben erweiterbar.