Offizielle Vorstellung in der Stadthalle

OB-Wahlkampf in Weinheim: Was die acht Kandidierenden mit der Stadt vorhaben

Eine Bewerberin und sieben Bewerber wollen neues Stadtoberhaupt von Weinheim werden. Am Montag haben sie in der vollbesetzten Stadthalle erklärt, welche Pläne und Ziele sie haben.

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Von Autor/in Wolfgang Kessel

Die offizielle Kandidaten-Vorstellung für die anstehende Oberbürgermeisterwahl (am 3. Mai) ist am Montagabend in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) auf großes Interesse gestoßen. Sämtliche 650 Plätze in der Stadthalle waren besetzt, die Menschen hörten rund drei Stunden lang aufmerksam zu, wie die Kandidierenden die Zukunft der großen Kreisstadt sehen und was sie planen, wenn sie gewählt werden. In der ersten Reihe direkt vor der Bühne beobachtete der scheidende Oberbürgermeister Manuel Just (parteilos) das Geschehen. Moderator des Abends war der ehemalige Radio-Journalist Gerhard Mandel.

Vollbesetzte Weinheimer Stadthalle bei der Vorstellung der Kandidierenden für die OB-Wahl.
Vollbesetzte Weinheimer Stadthalle am Montag bei der Vorstellung der Kandidierenden für die OB-Wahl am 3. Mai

Leerstand, Innenstadt-Belebung, Stärkung der Stadtteile

Die Liste der Themen, die bei der Veranstaltung zur Sprache kamen, war bei fast allen Kandidierenden sehr ähnlich, manchmal auch deckungsgleich: Was tun gegen Gebäude-Leerstand? Wie können wir für bezahlbaren Wohnraum sorgen? Wie kann die Innenstadt lebendiger und die Verwaltung digitaler werden? Wie stärken wir die Stadtteile, die Vereine und das Ehrenamt? Doch bei der Art und Weise, wie sich die Kandidaten bei diesen Themen präsentierten und Position bezogen, wurden dann ein paar Unterschiede erkennbar.

Zwei amtierende Bürgermeister im Bewerberfeld

So warben die Kandidaten Michael Möslang (CDU) und Wolfram Bernhardt (Grüne) vor allem mit ihrer Erfahrung als amtierende Bürgermeister kleinerer Gemeinden. Möslang ist Rathauschef in Linkenheim-Hochstetten (Kreis Karlsruhe, rund 13.000 Einwohner), Bernhardt ist Bürgermeister in Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis, etwa 5.000 Einwohner).

Möslang, der im Wahlkampf von der CDU, den Freien Wählern und der FDP unterstützt wird, bekannte: "Ich kann Verwaltung, arbeite seit 16 Jahren in der Stadtverwaltung". Bernhardt, unterstützt von den Grünen, beschrieb sich als "Bürgermeister mit sozialer Verantwortung und unternehmerischem Denken". Beide erklärten, mit ihren Familien nach Weinheim ziehen zu wollen, wenn sie die OB-Wahl am 3. Mai gewinnen.

Möslang präsentierte sich unter anderem als kommunalpolitischer Macher, der für solide Stadtfinanzen sorgen ("Linkenheim-Hochstetten ist schuldenfrei") und die Stadtverwaltung digitaler und serviceorientierter machen könne. Bernhardt plädierte beim Thema Wohnen für Mehrgenerationenhäuser, eine bessere Nutzung leerstehender Wohnhäuser und für eine engere Vernetzung mit den Jugendlichen in der Stadt ("die müssen sich auch gesehen fühlen").

SPD-Kandidatin leitet Mannheimer Stadtraumservice

Auch Alexandra Kriegel (SPD, wird auch von den Sozialdemokraten unterstützt) lenkte den Blick auf ihre berufliche Erfahrung in einer Stadtverwaltung. Sie leitet in Mannheim den städtischen Eigenbetrieb "Stadtraumservice" mit etwa 1.000 Beschäftigten. Kriegel lebt mit ihrer Familie seit 22 Jahren in Weinheim. Mit Blick auf das Thema bezahlbares Wohnen kündigte sie an: "Mein Ziel ist die Schaffung 800 neuer Wohnungen in acht Jahren".

Labudda (Linke) war schon 2018 OB-Bewerber

Was kommunalpolitische Erfahrung angeht, muss sich auch OB-Kandidat Carsten Labudda (Die Linke, sie unterstützt ihn auch) nicht verstecken. Als einer der wenigen stellte er sich und seine Ziele in einer frei gehaltenen Rede vor. Er ist langjähriger Stadtrat in Weinheim und Rhein-Neckar-Kreisrat. Bereits 2018 hatte er sich als OB-Kandidat in Weinheim beworben, landete am Ende mit fast zwölf Prozent der Stimmen auf Platz zwei. Seine Schwerpunktthemen: Das soziale Miteinander und "die Stadt in schwierigen Zeiten funktionsfähig zu halten". Mit Blick auf Bauplatz-Leerstände brachte er die "Grundsteuer C" ins Spiel. Sie soll Labudda zufolge Eigentümer dazu verpflichten, ihr Baugelände nicht brachliegen zu lassen.

Hördt, Stilgenbauer, Fieger "waschechte Weinheimer"

Die Kandidaten Matthias Hördt (Wählervereinigung Mehr Demokratie), Heiko Stilgenbauer und Marcel Fieger (beide parteilos) punkteten bei ihrer Vorstellungsrunde jeweils vor allem damit, dass sie als "waschechte Weinheimer" die Geschicke der Stadt leiten wollen. Hördt ("bin in der Weinheimer Altstadt geboren") ist eigenen Angaben zufolge "seit 50 Jahren kommunalpolitisch aktiv". Er sagte, er sei gegen das in Weinheim umstrittene Gewerbegebiet "Hintere Mult", plädierte stattdessen dort für ein Naherholungsgebiet.

Stilgenbauer, von Beruf Gebietsmanager der Supermarktkette Rewe, erklärte, es brauche jemanden (wie ihn), der die Geschicke der Stadt "zusammen mit den Bürgern gestaltet und Dinge schnell und verlässlich umsetzt". Marcel Fieger, 29-jähriger gelernter Heizungsbauer, warb für eine bessere Integration von Geflüchteten mit mehr Sprachkursen und einem einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt. Zudem sei seiner Ansicht nach "das Thema Klimaschutz im Wahlkampf zu kurz gekommen".

Die acht Kandidierenden der OB-Wahl in Weinheim auf der Bühne in der Stadthalle
Sie wollen neues Weinheimer Stadtoberhaupt werden: (v.l.) Awais Buttar (parteilos), Matthias Hördt (Wählervereinigung Mehr Demokratie), Marcel Fieger (parteilos), Heiko Stilgenbauer (parteilos), Alexandra Kriegel (SPD), Wolfram Bernhardt (Grüne), Carsten Labudda (Die Linke), Michael Möslang (CDU). Stadt Weinheim Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Michael Möslang (CDU)
OB-Kandidat Michael Möslang (CDU) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Wolfram Bernhardt (Grüne)
OB-Kandidat Wolfram Bernhardt (Grüne) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Carsten Labudda (Die Linke)
OB-Kandidat Carsten Labudda (Die Linke) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidatin Alexandra Kriegel (SPD)
OB-Kandidatin Alexandra Kriegel (SPD) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Heiko Stilgenbauer (parteilos)
OB-Kandidat Heiko Stilgenbauer (parteilos) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Matthias Hördt (Wählervereinigung Mehr Demokratie)
OB-Kandidat Matthias Hördt (Wählervereinigung Mehr Demokratie) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Awais Buttar (parteilos)
OB-Kandidat Awais Buttar (parteilos) Bild in Detailansicht öffnen
OB-Kandidat Marcel Fieger (parteilos)
OB-Kandidat Marcel Fieger (parteilos) Bild in Detailansicht öffnen

Dauerkandidat Buttar sorgt für Lacher

Schließlich sorgte OB-Kandidat Awais Buttar mit seinen teils comedyhaften, teils schrägen Ideen für die meisten Lacher bei den 650 Menschen in der Weinheimer Stadthalle. Buttar, der sich selbst am Montag mehrfach als "Ladykracher" bezeichnete, tingelt seit Jahren als Dauerkandidat bei Bürgermeisterwahlen durch die Rhein-Neckar-Region. Er bewarb sich zuletzt erfolglos in Eppelheim, Nußloch, Bammental und Altlußheim (alle Rhein-Neckar-Kreis). Unter lautem Gelächter erklärte Buttar: "Dies ist meine fünfte und letzte Wahl - aber immerhin habe ich mich hochgearbeitet: Vom Bürgermeisterkandidaten jetzt zum Oberbürgermeisterkandidaten".

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Hinweis: Vier der acht OB-Kandidierenden gelten als die aussichtsreichsten Bewerber bei der OB-Wahl in Weinheim. Sie haben sich hier in Kurz-Videos vorgestellt und sich jeweils zu dem Projekt geäußert, das sie angehen würden, wenn Sie gewählt werden.

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Autor/in
Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim

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