Der durchschnittliche Abgeordnete des neu gewählten Landtags ist 48,5 Jahre alt. Das ist immerhin jünger als im bisherigen Landesparlament. Und doch werden sich viele junge Menschen von einem Parlament im Alter ihrer Eltern kaum repräsentiert fühlen. Einige junge Abgeordnete wollen das ändern.
Grünen-Abgeordnete will mehr Klimaschutz
Denn dass sich auch junge Menschen für Politik interessieren, ist spätestens seit der Klimabewegung "Fridays for Future" klar. Aus dieser Bewegung geht auch die politische Karriere von Clara Schweizer hervor, die jetzt für die Grünen in den Landtag einzieht. Schweizer wurde schon vor der Landtagswahl prominent im Grünen-Kosmos platziert. Sie ging als Spitzenkandidatin der Grünen Jugend ins Rennen. Die Jugendorganisation drängte die Mutterpartei in den vergangenen Jahren und auch in den Monaten des Wahlkampfs zu mehr Klimaschutz.
Aber auch an höchster Stelle im Land wurde Werbung für Clara Schweizer gemacht: Winfried Kretschmann nannte sie seine Nachfolgerin - immerhin als Grüne Direktkandidatin im Wahlkreis Nürtingen. Anders als zuletzt der Ministerpräsident, konnte Schweizer aber nicht das Direktmandat gewinnen. Sie zieht über die Landesliste in den Landtag ein.
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Kommunen stärker bei Klimaschutz unterstützen
Die heute 23-Jährige gründete 2018 einen Ableger der Fridays for Future-Bewegung in Nürtingen, organisierte Demonstrationen und baute später sogar eine Klima-Taskforce auf - ein Verein, der kommunale Klimaschutzmaßnahmen initiieren und umsetzen will. Schweizer war bisher Geschäftsführerin des Vereins. Mit 13 Jahren habe sie sich zum ersten Mal mit der Klimakrise beschäftigt, sagt Schweizer im SWR-Interview. Und direkt habe sie den Drang gehabt, sich politisch zu engagieren: "Das hat mich nicht mehr losgelassen, weil mir auch klar war, dass gerade die Generation die Entscheidungen trifft, die eben nicht mehr so lange mit den Folgen der Klimakrise leben muss."
Auch im Landtag will Schweizer künftig den Klimaschutz vorantreiben. In ihrer Tätigkeit als Stadträtin in Nürtingen habe sie gesehen, dass häufig die Rahmenbedingungen für kommunalen Klimaschutz nicht passen. Das will Schweizer in den kommenden fünf Jahren ändern. Konkret geht es ihr um die Wärmewende (mehr Wärmepumpen und besser gedämmte Häuser), die Verkehrswende (mehr ÖPNV und Radwege) und die Energiewende (mehr Balkonkraftwerke, Solaranlagen und Windkraft).
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CDU-Abgeordneter will modernste Verwaltung Europas
Nico Gunzelmann - nur wenige Monate jünger als Schweizer - ist mit 23 Jahren das Küken des neuen Landtags. Der 23-Jährige wurde im Enzkreis direkt gewählt. Bei den beiden Wahlen zuvor holte eine Grüne das Direktmandat. Gunzelmann hat es für die CDU zurückerobert. Seinen bisherigen Beruf als Abteilungsleiter der Geschäftsstelle Gemeinderat der Stadt Sindelfingen lässt Gunzelmann jetzt hinter sich.
Das Thema will er aber mitnehmen in den Landtag: "Ich habe die Vision, dass wir die modernste Verwaltung in Europa bekommen", sagt Gunzelmann. Als Gemeinderat habe er gemerkt, wie wichtig die Kommunen sind - und wie fatal es wäre, wenn der Staat an seinen ineffizienten Verwaltungsstrukturen scheitert.
Erstarken der AfD führte zu politischem Engagement
Gunzelmanns politische Karriere begann 2017 mit gerade mal 14 Jahren. Kurz nach der damaligen Bundestagswahl trat er in die CDU ein. Der Grund? Das Erstarken der AfD: "Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Okay, jetzt nehme ich es selber in die Hand." Die Mitte müsse politische Antworten finden, die Wählerinnen und Wähler von der AfD zurückholen, meint Gunzelmann. Er halte nichts davon, die AfD oder ihre Wähler zu verteufeln. Es müsse allen Demokraten zu denken geben, wenn fast ein Fünftel der Wählerinnen und Wähler sich für die AfD entscheiden.
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Auf seiner Homepage und Instagram-Seite präsentiert sich Gunzelmann auch als überzeugter Christ - er will das C in CDU herausstellen. Aber auch das Konservative an der Partei hat ihn überzeugt: Er will nicht gegen den Wandel sein, sondern Wandel "behutsam gestalten". Die CDU als Partei der Mitte, die keine Klientelpolitik mache, sondern alle Menschen in der Gesellschaft mitdenke, könne die Interessen verschiedener Gruppen ausgleichen. So skizziert Gunzelmann seine Idee von Politik.
AfD-Abgeordneter will extremer sein als die Gesamtpartei
Auch Maximilian Gerner ist 2017 in eine Partei eingetreten: in die AfD. Der heute 27-Jährige nennt als Grund dafür besonders die Migrationspolitik der Merkel-Regierung. Er sagt, das Land habe eine Alternative zum "ewigen Altparteiensumpf" benötigt. Gerner provoziert gern - schon im Landtagswahlkampf, als er den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aus Thüringen zu sich nach Reutlingen eingeladen hat. Die Landesvorsitzenden Emil Sänze und Markus Frohnmaier fehlten bei dem Auftritt demonstrativ.
Gerner sagt, er habe einfach einen prominenten Vertreter einladen wollen. Berührungsängste mit Höcke hat er keine, obwohl dieser wiederholt damit aufgefallen war, öffentlich verbotene Nazi-Parolen zu rufen. Gerner nimmt für sich selbst in Anspruch, ein typischer Jung-Vertreter einer Partei zu sein: ein bisschen extremer als die Gesamtpartei. Der 27-Jährige befürwortet das Konzept der "millionenfachen Remigration" des österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner.
Eine Ausbildung hat Gerner nicht. Nachdem es zum Fußballprofi weder im echten Leben noch im E-Sport gereicht habe, habe er beschlossen, Berufspolitiker zu werden, so Gerner zum SWR.
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Im Landtag will sich Gerner besonders für die Belange junger Menschen einsetzen. Im Kopf hat er da vor allem Digitalisierungsthemen und Gaming. Seit 2022 ist Gerner bereits im Landtag unterwegs, als parlamentarischer Berater für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der AfD-Fraktion. Dieses Thema will er weiter beackern.
"Windkraftanlangen haben ihren Platz, aber nicht im windschwachen Baden-Württemberg", sagt Gerner. Langfristig stellt sich Gerner vor, dass kleine Atomkraftwerke gemeinsam mit Gaskraftwerken und auch erneuerbare Energie den Bedarf decken.