Im Plenum des neuen Landtags von Baden-Württemberg wird es neue Gesichter geben: Von den 157 Abgeordneten haben 71 erstmals ein Mandat erhalten. Darunter ist Benjamin Bauer, Gymnasiallehrer aus Karlsruhe. Er hat dort für die Grünen das Direktmandat geholt und wird seinen Arbeitsplatz in der Schule mit einem im Landtag tauschen. Aus Ulm ist Clubbesitzer Mario Schneider für die CDU zum ersten Mal in den Stuttgarter Landtag eingezogen, ebenfalls per Direktmandat.
Neuer beruflicher Alltag und Arbeitsplatz in Stuttgart
"Eigentlich wechsle ich nur die Bühne, vom Klassenzimmer in den Plenarsaal. Die Zuhörer sind dann freiwillig da, im Gegensatz zu meinen Schülerinnen und Schülern", meint Benjamin Bauer mit einem Lächeln im Gesicht. Noch ist er Lehrer am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein.
Doch nachdem er in seinem Wahlkreis laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 39,3 Prozent der Erststimmen geholt hat, zieht er in den Landtag von Baden-Württemberg ein.
Als Landtagsabgeordneter wird er viel zu tun haben. Seit 2011 ist der Landtag ein Vollzeitparlament. Das bedeutet, dass die Abgeordneten ihr Mandat als Hauptberuf ausüben. Nebenbeschäftigungen sind aber weiterhin möglich - außer im öffentlichen Dienst.
Plenum statt Party: Zusätzliche Wirkungsstätte für den Clubbesitzer
Party und Nachtleben - das ist bisher der berufliche Alltag für den Unternehmer und Clubbetreiber Mario Schneider aus Ulm - und im Gegensatz zu Bauer will Schneider seine bisherige Tätigkeit nicht ganz aufgeben. Der Austausch mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ihm wichtig. Bei der Landtagswahl am 8. März bekam er 33,3 Prozent der Erststimmen.
Ich will den Club auf gar keinen Fall hergeben, weil ich auch am Puls der Zeit bleiben möchte.
Schneider hat Grafikdesign studiert, erzählt er. Seine Wahlkampfflyer habe er selbst gestaltet. Das typische CDU-Design? Wollte er nicht haben. "Ich fühl mich da unwohl", sagt Schneider und schaut dabei zufrieden auf seinen Bildschirm, auf dem ein Flyer mit seinem Konterfei zu sehen ist. "Deswegen habe ich gesagt, ich mache das anders als andere."
Party und Nachtleben sind für Schneider die Brücke zu jungen Leuten - und darin sieht er einen Vorteil für sein Mandat. "Ich will den Club auf gar keinen Fall hergeben, weil ich auch am Puls der Zeit bleiben möchte", meint er. Seine wichtigste Eigenschaft als Clubbetreiber und Gastronom? Dass "ich meine Mitmenschen wirklich mag und ich es liebe, mich mit Menschen zu umgeben".
Inzwischen freut sich Schneider auch auf die Fraktionssitzungen. Die erste hat er bereits miterlebt und nach eigenen Worten als "surreal" empfunden. Er sei vorher noch nie bei so etwas dabeigewesen. Und er habe "richtig Bock mitzumachen, mitzugestalten".
Landtag statt Lehrerzimmer: Per Direktmandat nach Stuttgart
Etwas Wehmut erfasst dagegen Lehrer Benjamin Bauer bei dem Gedanken, dass er bald seine Schule für das neue Amt im Landtag verlassen wird. Im Stillen habe er die ein oder andere Träne verdrückt, gesteht er. Bauer hat am Lise-Meitner-Gymnasium Abitur gemacht, das war 2008. Dorthin ist er als Lehrer zurückgekehrt.
Nun geht es für ihn nach Stuttgart, als Politiker. Seinen Fokus im Landtag will er auf die Bildungspolitik legen. Er sagt, der Umgang mit schwierigen Situationen und Konflikten, wie er in der Schule vorkomme, sei bei einer Koalition vielleicht ebenfalls wichtig.
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