Eine Polizistin aus Göppingen hat zwölf Monate lang Polizeischüler in Somalia ausgebildet. Das Innenministerium hat sie und Rückkehrer ähnlicher Missionen nun für diesen Einsatz ausgezeichnet. Training bei mehr als 35 Grad und staubigem Wind gehörten zum Alltag von Linda Schulz. Doch das nahm sie gerne in Kauf. Die EU-Friedensmission, an der sie beteiligt war, soll Stabilität in Krisenregionen schaffen.
Vor Ort ist es heiß und staubig. Kommandos auf Englisch kommen aus trockenen Kehlen. Männer in beigen Uniformen gehen hinter Autos in Deckung. Ihre Maschinengewehre: blutrot. Doch sie sind nur Attrappen. Der vermeintliche Einsatz ist eine Trainingseinheit für angehende Polizisten. So schildert Linda Schulz ihren Arbeitsplatz in Somalia, wo sie ein Jahr lang als Polizeitrainerin in einer EU-Friedensmission im Einsatz war.
Schulz kommt aus Göppingen und ist Polizeihauptkommissarin bei der Bereitschaftspolizei. Zwölf Monate lang war sie in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Dort kämpfen Regierungstruppen gegen Terroristen der islamistischen Miliz Al-Shabaab. Die befreiten Gebiete werden von Polizisten geschützt, die unter anderem von europäischen Trainern ausgebildet werden.
Regelmäßige Anschläge auf Polizeicamps in Somalia
Eine Arbeit mit Risiko. Immer wieder sind Mörserraketen der Terroristen im und rund um das Camp eingeschlagen, in dem Linda Schulz untergebracht war. "Man weiß vorher, auf was man sich einlässt. Wenn man Polizist wird, gibt man vielleicht immer etwas mehr von seinem Leben als ein anderer Mensch", sagt Schulz. Während ihrer Einsatzzeit wurde bei den Angriffen zum Glück niemand verletzt.
Schulz arbeitete in einem Team aus acht europäischen Polizeitrainern der Mission EUCAP Somalia. "Mir hat es gezeigt, dass die Polizei auch über die Grenzen Deutschlands hinaus eine Gemeinschaft ist", sagt sie. Dass sie die einzige Frau im Team war, empfand sie nicht als Problem. Auch wenn sie anfangs skeptisch war, ob ihr von den Schülern genug Respekt entgegengebracht wird. Doch ganz im Gegenteil, sagt sie: "Der Respekt und die Dankbarkeit waren riesig."
All die Befürchtungen, die ich vorher hatte, sind gar nicht eingetroffen, weil ich durch Professionalität eben geschafft habe, dass die Polizeibeamten unsere Arbeit anerkennen.
Von der Flugbegleiterin zur Polizistin im Krisengebiet
Angst vor der Mission hatte Linda Schulz nicht. Schon immer hatte sie Interesse am Ausland. Vor ihrer Laufbahn bei der Polizei war Schulz Stewardess. "Da kam ich schon mit vielen fremden Kulturen in Kontakt", erzählt sie. Dabei hat sie auch gelernt, auf kulturelle Eigenheiten zu achten und sie zu akzeptieren. Zusätzlich wurde sie vor ihrem Somalia-Einsatz geschult und auf die Auslandsmission vorbereitet.
Die Polizeischüler lernten, Verwundete zu versorgen, im Streifendienst taktisch vorzugehen, Checkpoints einzurichten und Sprengstofffallen zu erkennen. Tätigkeiten, die Leben retten können. Besonders beeindruckt hat Schulz, mit welchem Einsatz die Polizeischüler trainiert haben.
Wenn ich nur einem von den Polizeischülern beibringen konnte, wie er sich oder seinem Kollegen das Leben retten kann, dann habe ich alles erreicht, was ich mit der Mission eigentlich erreichen wollte.
Gleichzeitig arbeitete Schulz daran, in Somalia Polizeistrukturen aufzubauen. Die Zentralregierung kämpft in großen Teilen des Landes um Anerkennung. Dieses Jahr soll erstmals nach einem neuen Wahlrecht gewählt werden. Ob diese Wahlen fair stattfinden können, hängt auch maßgeblich von der Sicherheit ab, die die Polizei gewährleisten soll.
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BW-Innenministerium zeichnet Rückkehrer aus
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Heute steht Linda Schulz nicht mehr auf Sand, sondern in Göppingen im Schnee. Aus einer warmen Mütze lugt ihr blonder Zopf. "Auf geht’s, zehn Liegestütze!", ruft sie einer Gruppe von Polizeischülern zu. So unterschiedlich ihre Einsatzorte auf den ersten Blick sind, Schulz sieht auch viele Gemeinsamkeiten: "Am Ende bilde ich junge Polizeibeamte aus. Und das ist auch, was ich am liebsten mache."