Hitzewelle trifft Kinder besonders

Schwitzen im Klassenzimmer: So können Schulen und Kitas in BW Kinder vor Hitze schützen

Für Kleinkinder und Schulkinder ist die Hitze besonders gefährlich. Dennoch sind sie in BW häufig nicht genug geschützt. Dabei können schon einfache Maßnahmen helfen.

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Stand

Von Autor/in Susanne Veil

Kinder, ältere Menschen und Obdachlose leiden besonders unter Hitze. Hohe Temperaturen, wenig Flüssigkeit und eine hohe UV-Belastung sind für sie gefährlich und führen schlimmstenfalls zu Sonnenbrand, Sonnenstich oder Hitzschlag. Aus Sicht der Bundesärztekammer werden die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen unterschätzt. Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte deshalb im "Redaktionsnetzwerk Deutschland" in dieser Woche verbindliche Pläne, um vulnerablen Gruppen bei Hitze zu helfen.

Philologenverband: Lehrer und Kinder vor Hitze schützen

Auch der Philologenverband Baden-Württemberg fordert nach der Hitzewelle der vergangenen Woche sofortige Maßnahmen zum Schutz von Lehrkräften und Schulkindern. Der Verband vertritt die Interessen von Lehrerinnen und Lehrern und hat daher besonders den Schutz am Arbeitsplatz im Blick. Doch auch Schulkinder müssten sich in Baden-Württemberg häufig in überhitzten Klassenzimmern aufhalten. Bei einer Raumtemperatur über 26 Grad müssten Maßnahmen geprüft werden, so der Philologenverband. Über 30 Grad sähen Arbeitsschutzrichtlinien eine effektive Beschattung, nächtliches Lüften oder Ventilatoren zwingend vor.

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Was sorgt bei Hitze sofort für Abkühlung?

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Unterricht in überhitzten Räumen stattfindet, in denen laut Arbeitsschutzrichtlinien faktisch nicht mehr gearbeitet werden darf," heißt es in einer Mitteilung des Verbandes vom Freitag. Es sei daher notwendig, dass es in den Klassenräumen mehr Ventilatoren gebe. Wichtig sei auch, dass die Schulen Investitionen mit langfristiger Wirksamkeit tätigen - dazu gehöre Sonnenschutz, aber auch eine moderne Lüftung, heißt es weiter.

Das Kultusministerium schlägt auf SWR-Nachfrage folgende Maßnahmen gegen die Hitze vor:

  • effektive Steuerung des Sonnenschutzes (etwa Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)
  • Nachtauskühlung
  • Bereitstellen von Trinkwasser
  • Bereitstellung von Tischventilatoren
  • elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben
  • Lüften in den frühen Morgenstunden
  • Lockerung der Bekleidungsregeln
  • Festlegung von Abkühlungsphasen

Wir setzen auf einen verantwortungsbewussten Pragmatismus unserer Lehrkräfte - im Sinne der Schülerinnen und Schüler und auch im eigenen Interesse.

Für Gebäude, Ausstattung und Bereitstellung von etwa Ventilatoren oder Getränken sei aber der Schulträger zuständig. Das sind die Kommunen. Das Land Baden-Württemberg habe darum Landkreise, Städte und Gemeinden im Jahr 2024 mit 142 Millionen Euro unterstützt. Mit 76,5 Millionen Euro bezuschusse das Land dabei Neubauprojekte, 60,5 Millionen Euro fließen laut Kultusministerium in die Sanierung von Schulgebäuden unter anderem auch für einen modernen Hitzeschutz und 5 Millionen Euro ständen für Ganztagsprojekte zur Verfügung.

Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg weist für die Kommunen darauf hin, dass es eine organisatorische Herausforderung sei, rund 4.500 Schulen im Land nachzurüsten. Außerdem sei derzeit der kommende Anspruch von Grundschulkindern auf eine Ganztagesbetreuung die größte Herausforderung, auf die sich die Kommunen konzentrierten.

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Romano Sposito ist beim Deutschen Kitaverband für Baden-Württemberg zuständig. Ihn erreichen Anfragen von Trägern, die sich selbst informieren, welche Maßnahmen bei Hitze Abhilfe schaffen könnten. Es gebe für Kitas keine einheitlichen Regelungen, ab wann man zum Beispiel schließen müsste. "Das würde den Familien auch gar nichts bringen, weil zu Hause ist es häufig genauso warm", so Sposito. Er wisse aber, dass die Träger nicht das Geld haben, Räume nachzurüsten. Da fehlten die Mittel, um etwa Klimaanlagen einzubauen.

Blick auf das Freigelände einer Kindertagesstätte mit Sonnensegel.
Blick auf das Freigelände einer Kindertagesstätte mit Sonnensegel.

Stadt Stuttgart als positives Beispiel

Realistischer sind da vielleicht die Maßnahmen der Stadt Stuttgart, sie hat diese Woche einen Musterhitzeschutzplan verschickt. Dort heißt es: "Hitzewellen erhöhen das Risiko von Dehydratation, Hitzeschlag sowie Kreislaufproblemen. Tropennächte (Minimaltemperaturen über 20 Grad) können zudem die Schlafqualität der Kinder beeinträchtigen und so zu Erschöpfung und einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme führen." Außerdem seien draußen spielende Kinder der Sonne besonders ausgesetzt. Hinzu käme, dass Kinder von alleine oft nicht genug trinken.

Vorgeschlagen wird hier, sich auf den Sommer vorzubereiten, indem das Personal geschult und Eltern informiert werden. Im Sommer gelte es dann, Spielen im Freien auf die frühen Morgenstunden zu verlegen. Ventilatoren, kühlende Textilien, Trinkstationen, schattenspendende Maßnahmen, Nebelduschen, Kühlkompressen und kühlende Hand-, Arm- und Fußbäder sind praktische Empfehlungen.

Die Handreichung der Stadt Stuttgart geht bis zum an die Hitze angepassten Speiseplan (leicht verdauliche Gerichte angeraten). Sposito vom Kitaverband bezeichnet den Plan der Stadt Stuttgart als hilfreich.

Kinder kühlen sich an einem Wassersprenger ab.
Kinder kühlen sich an einem Wassersprenger ab.

BW-Regierung: Anpassung an Klimawandel im Programm

Die Anpassung an den Klimawandel sei ein Programm dieser Regierung, so der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Landespressekonferenz am Dienstag: "Das machen wir beständig, dafür stehen auch Mittel bereit." So bedauerlich es auch sei, es ständen aber keine besonderen Gelder für Sofortmaßnahmen in Hitzewellen wie der vergangenen zur Verfügung. "Es ist eine kontinuierliche Aufgabe von Gemeinden und dem Staat dafür zu sorgen." Doch: "Land, Bund und Kommunen sind in einer extrem angespannten Haushaltslage."

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) verweist unter anderem auf das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit 2023, eine Kampagne zur Hitzesensibilisierung vom vergangenen Jahr und einen digitalen Hitzeaktionstag, mit dem auch Kitas und Schulen informiert worden seien. "Und natürlich unterstützen wir - und das ist das Entscheidende - die Kommunen vor Ort." Auch dort würden Hitzeaktionspläne erstellt. Der Gesundheitsminister habe in dieser Woche erneut dazu aufgerufen, Schatten zu suchen, viel zu trinken, sich nicht über die Maßen anzustrengen und nicht in die Sonne zu gehen. Das gilt dann für Kita- und Schulkinder in Baden-Württemberg ganz besonders.

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