Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Tankrabatts sind die Preise für Benzin und Diesel am Mittwoch an den Zapfsäulen kräftig gestiegen. Laut Auswertungen des Automobilclubs ADAC verteuerte sich ein Liter Super E10 zur Mittagszeit zwischen 11:45 Uhr und 12:15 Uhr im bundesweiten Mittel um 18,2 Cent auf 2,15 Euro. Bei Diesel betrug der Aufschlag im selben Zeitraum 20,4 Cent auf 2,11 Euro pro Liter.
Dabei hatten viele Tankstellen bereits am Dienstag, dem letzten Tag des Tankrabatts, ihre Preise deutlich angehoben. Nach Einschätzung des ADAC hatten sie da schon das Ende des Rabatts vorweggenommen. Viele Menschen in Baden-Württemberg hatten aus diesem Grund am Dienstag vor 12 Uhr noch einmal vollgetankt - teilweise bildeten sich lange Schlangen an den Zapfsäulen.
ADAC: Ölpreis ist gesunken - Spritpreis müsste auch sinken
"Aus unserer Sicht gibt es keinerlei Rechtfertigung für diese Preissteigerungen", sagt Julian Häußler, Sprecher vom ADAC Württemberg auf Nachfrage des SWR. Die Rahmenbedingungen gäben das auch nicht her: "Von der politischen Lage kann man sagen, dass es sich stabilisiert hat. Es fahren auch schon wieder Tanker durch die Straße von Hormus", so Häußler. Zudem würden solche Risiken normalerweise im Ölpreis abgebildet, der nach Ausbruch des Krieges auf mehr als 100 US-Dollar gestiegen sei. Aktuell liegt er aber nur noch bei rund 72 US-Dollar.
"Es liegt der Verdacht nahe, dass die Mineralölkonzerne die Gelegenheit genutzt haben, nochmal zu profitieren", sagt Häußler. Denn normalerweise sei es so, dass der Spritpreis steigt, wenn der Ölpreis steigt - und umgekehrt, wenn der Ölpreis sinkt auch der Spritpreis sinkt. Hinzu komme, dass die Mineralölkonzerne zu Beginn des Tankrabatts die Preissenkungen teilweise nicht direkt weitergegeben hätten - mit Verweis darauf, dass in den Lagern noch der Sprit zum alten Preis sei. Daher müsse aktuell noch günstiger Sprit in den Lagern sein, so Häußler. Ein Grund weniger, die Preise so massiv zu erhöhen.
Wir sehen es äußerst kritisch, wie schnell an der Preisschraube gedreht wird.
Diesel- und Benzinpreise So tanken Sie heute günstig
Spritpreise am 29. Juli 2026: Superbenzin kostet im Mittel 2,17€, E10 2,11€ und Diesel 2,17€ in Deutschland. So teuer ist es in Ihrer Nähe.
Preissteigerungen bei Benzin und Diesel am Dienstag teils noch höher
Die Preissteigerungen hatten sich laut dem ADAC-Sprecher schon in der Woche davor angebahnt. Am Dienstag waren die Aufschläge sogar mit 20,3 Cent bei Super E10 und 24,0 Cent bei Diesel noch höher als am Mittwoch ausgefallen. Trotz des etwas geringeren Anstiegs am Mittwoch lag das Preisniveau laut ADAC am Vormittag bereits deutlich über dem des Vortages: Super E10 kostete um 11:45 Uhr 13,8 Cent mehr als am Dienstag, bei Diesel betrug der Unterschied 15,6 Cent.
Nicht überall steigen die Preise nach dem Ende des Tankrabatts
Nicht an allen Tankstellen sind die Preise sofort gestiegen: Eine SB-Tankstelle in Esslingen bietet aktuell Diesel für 1,70 Euro, Super E10 für 1,76 Euro und Super E5 für 1,82 Euro an. Die Tankstelle ist für günstigere Spritpreise bekannt.
Die Preissprünge am Mittwoch und Dienstag liegen nur knapp unter den Rekordwerten seit Einführung der neuen Preisregel. Der bisher höchste Sprung bei Super E10 lag am 11. Juni bei 21,8 Cent, bei Diesel am 22. Juni bei 25,6 Cent. Seit Anfang April dürfen die Anbieter ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, auch nach Ende des Tankrabatts gilt diese Regel weiter. Preissenkungen sind jederzeit möglich. Mit der 12-Uhr-Regel sei der ADAC auch nicht glücklich, so Julian Häußler. Laut ihren Daten sei dadurch der Preis im Durchschnitt höher. Ein vollständiges Bild der Preissteigerungen gibt es erst am Donnerstag, wenn der Tagesdurchschnittspreis für Mittwoch ermittelt werden kann.