Mieter und Hausbesitzer ringen um richtige Lösung

Heizung mit Zukunft: Wer kann sich die Wärmewende in den eigenen vier Wänden leisten?

Die Politik will, dass fossile Heizungen bald verschwinden. Aber energetische Sanierungen sind teuer. Können sich Immobilienbesitzer und Mieter das Heizen bald nicht mehr leisten? 

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Stand

Von Autor/in Simon Götz

In Baden-Württemberg verursacht der Gebäudesektor fast ein Viertel aller CO2-Emissionen. Der CO2-Ausstoß von Gebäuden ist im vergangenen Jahr zwar etwas zurückgegangen, aber zu wenig, um wie vom Land geplant, bis 2040 klimaneutral zu werden. Noch immer dominieren in privaten Haushalten in Baden-Württemberg Öl- und Gasheizungen mit zusammen 72,9 Prozent. Das hat der Zensus 2022 ergeben - und die Zahlen dürften sich laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft seitdem nicht entscheidend verändert haben.

Viele Menschen fürchten hohe Investitionskosten durch energetische Sanierungen. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2025 erstmals mehr Wärmepumpen in Deutschland verkauft als Gasheizungen. Doch der Absatz von Wärmepumpen bleibt weit hinter den politischen Zielen der Regierung zurück.

Heizungsinstallateur: "Die Leute sind verunsichert"

Klaus Staudt in Ubstadt-Weiher bei Bruchsal hat einen großen Heizungs- und Sanitärbetrieb. Seit mehr als vier Jahrzehnten baut er bereits Wärmepumpen ein. Seit diese politisch gefördert werden, boomt sein Geschäft. Je nach persönlicher Situation fördert der Staat bis zu Zweidrittel der Ausgaben. Vier bis fünf Wärmepumpen bauen seine Mitarbeitenden ein - pro Woche. Doch ob die Förderungen in Zukunft dauerhaft in dieser Form Bestand haben, ist offen.

Der Heizungsinstallateur Klaus Staudt (rechts) wünscht sich von der Politik ein klares Bekenntnis zur Wärmewende.
Der Heizungsinstallateur Klaus Staudt (rechts) wünscht sich von der Politik ein klares Bekenntnis zur Wärmewende.

Staudt fehlt ein klares Bekenntnis der Politik zur Energiewende. "Die Leute sind verunsichert", sagt er und bezieht sich damit auf das bestehende Gebäudegesetz (GEG), besser bekannt als Heizungsgesetz. Dieses soll laut der aktuellen Bundesregierung gekippt oder zumindest geändert werden. 

Zukunft von Heizungsgesetz unklar 

Bereits im Jahr 2020 wurde das Gebäudeenergiegesetz unter der damaligen Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen. Das Ziel: Bis 2045 soll ganz Deutschland klimaneutral sein und damit die entsprechende EU-Richtlinie umzusetzen. 2023 verschärfte die Ampel-Koalition das Gesetz nochmals erheblich. So müssen in der Regel ab 2024 Heizungen in neuen Gebäuden, wenn diese in Neubaugebieten liegen, mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden können.

Ab 2045 ist der Betrieb von fossilen Öl- und Gasheizungen dann gänzlich verboten. Rund um die Gesetzesnovellierung gab es jede Menge Kritik. Kaum eine Heizungstechnik wurde in der Vergangenheit jemals so emotional diskutiert, wie die Förderung der Wärmepumpe.  

Schwarz-rote Bundesregierung will Heizungsgesetz abschaffen

Nun die Kehrtwende: Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung heißt es: "Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen. Das neue GEG machen wir technologieoffener, flexibler und einfacher."

Steffen Bilger, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, bezeichnete das bisherige Gesetz am Donnerstagabend in der Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" als "großen Fehler". Doch zur kompletten Abschaffung des Gesetzes wird es wohl nicht kommen, räumt Bilger ein: "Auch in Zukunft wird es ein Gebäudeenergiegesetz geben." Wie das konkret aussieht, dazu solle es in diese Jahr erste Vorschläge geben. 

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CDU will Investitionsanreize erhalten 

Die Spitzenkandidatin der Linken in Baden-Württemberg, Kim Sophie Bohnen, forderte eine dauerhaft klimafreundliche und soziale Wärmewende, die nicht auf dem Rücken der Mieterinnen und Mieter ausgetragen wird: "Es kann nicht sein, dass die Kosten im Zuge der Wärmewende auf Mieter:innen umgelegt werden", sagte Bohnen bei "Zur Sache! Baden-Württemberg". Viele Menschen wüssten schon heute nicht mehr, wie sie ihre nächste Heizrechnung zahlen sollten.

Nach Vorstellung der Union darf das Gebäudeenergiegesetz jedoch künftig nicht so gestaltet werden, dass es zu Lasten der Immobilienbesitzer und Vermieter geht: "Das Gesetz darf nicht zu viel auf den Mieter umlegen, aber es soll auch so sein, dass der Vermieter weiter den Anreiz hat zu investieren", sagte Steffen Bilger. "Wir brauchen einen da einen Ausgleich. Sonst wird kein Vermieter mehr in eine energetische Sanierung investieren." 

Die ganze Sendung vom vergangenen Donnerstag jetzt streamen:

Mieter klagen über steigende Kosten 

Steigende Heizkosten beklagt auch Gerhard Jung. Er wohnt in einer Mietwohnung in einem Hochhaus in Karlsruhe, das im letzten Jahr von Öl auf Fernwärme umgestellt wurde. 581 Euro Nachzahlung musste der 85-Jährige erstmal leisten, direkt nach der Umstellung. Er sieht darin einen Angriff auf seine Rente: "Wenn man die ganzen Jahre gewohnt war und die Nachzahlungen im Bereich zwischen 20 und 100 Euro lagen. Und jetzt plötzlich kommt eine Nachzahlung über knapp fünf-, sechshundert Euro. Da regt man sich darüber auf." 

Eigentlich ist Gerhard Jung für eine Wärmewende und für Umweltschutz, aber alles muss bezahlbar bleiben. Ihn ärgert vor allem die Hilflosigkeit. Seine monatlichen Abschläge für die Heizung haben sich mehr als verdoppelt, rechnet er vor, und er kann als Mieter nichts machen. Anders als bei Strom- oder Gasbezug, können Kundinnen und Kunden von Fernwärme sich die Anbieter oftmals nicht aussuchen. "Was mich ärgert, ist, dass ich weit über das Doppelte bezahlen muss und ich keine Auswahl habe, von wem ich Wärme beziehe", sagt Jung. 

Gerhard Jung klagt über steigende Heizkosten für seine Mietswohnung.
Gerhard Jung klagt über steigende Heizkosten für seine Mietwohnung.

Auch anderswo nehmen Fälle zu, in denen Mieterinnen und Mieter mit den steigenden Heizungskosten nicht mehr klarkommen. Beim Mieterverein Stuttgart mit 29.000 Mitgliedern wird die Wärmewende - bei aller Notwendigkeit - mit großer Sorge gesehen. Der Geschäftsführer des Mietervereins, Ralf Brodda, sagt: "Unsere Befürchtung ist eindeutig so, dass die Mieter überfordert werden. Unser Eindruck ist so, dass die Wärmewende ganz stark auf die Schultern der Mieter abgewälzt werden soll. Und, dass die Mieter einen Großteil der Belastungen tragen werden." 

Heizkosten: Wer bezahlt die Wärmewende? 

Viele Immobilienbesitzer stellen sich ebenfalls die Frage, wie teuer eine energetische Sanierung für sie wird und ob sich diese rentiert. So auch Klaus Lindner. Einige seiner Nachbarn in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) haben ihr Heizsystem in den letzten Jahren umgestellt. Lindner wohnt in einem Haus aus dem Jahr 1968.

Hier und da hat er das Gebäude modernisiert. Auch die Heizung musste erneuert werden. Im vergangenen Jahr hat sich der Physiotherapeut aber gegen eine Wärmepumpe und für eine neue Ölheizung entschieden. Und das, obwohl die Gas- und Ölpreise in den kommenden Jahren voraussichtlich steigern werden, auch, weil diese ab 2027 dem europäischen Emissionshandel unterworfen sind.  

Hauseigentümer Klaus Lindner hat sich gegen die Anschaffung einer neuen Heizung und Wärmepumpe entschieden.
Hauseigentümer Klaus Lindner hat sich gegen die Anschaffung einer Wärmepumpe entschieden.

Vor der Entscheidung hat Lindner viel recherchiert - eine Wärmepumpe hätte ihn bis zu 60.000 Euro gekostet. Zusätzlich hätte er sein Haus aufwändig energetisch sanieren müssen. "Die Wärmepumpe produziert 10 Grad weniger als unsere Ölheizung an heißem Wasser und das funktioniert einfach in so einem alten Haus nicht." Er findet, dass die Bundesregierung die Menschen mit dem Heizungsgesetz zur Wärmepumpe zwingen will. "Es kann nicht sein, dass man versucht, die Bevölkerung oder die Hausbesitzer in eine Richtung zu schieben."

Hauseigentümer: Wärmepumpe leistet Beitrag zum Klimaschutz  

Andreas Meyer aus Philippsburg (Kreis Karlsruhe) hat sich vor knapp drei Jahren entschieden, seine Gasheizung aus- und eine Wärmepumpe einzubauen. Und das, obwohl er weder eine Fußbodenheizung noch eine Photovoltaikanlage hat. Sein Haus wurde 2004 gebaut. "Früher da hat’s immer geheißen: Wärmepumpe gleich Fußbodenheizung", sagt Meyer. "Aber inzwischen hat es ja die ganzen technischen Entwicklungen gegeben. Und das war dann auch der Punkt, wo ich gesagt habe: es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das mit der Wärmepumpe in Kombination mit Heizkörpern nicht funktionieren würde." 

Er kennt die Vorurteile rund um die Wärmepumpe und kann sie nicht bestätigen: "Die Gesamtkosten für den Betrieb des Ganzen sind für uns nicht durch die Decke gegangen. Sie sind gleichgeblieben, eher gesunken." Für ihn spielte beim Kauf der Umweltaspekt eine große Rolle: "Es geht auch einfach um unseren Beitrag zum Klimaschutz."

Nicht jeder kann sich ein neues Heizsystem leisten 

Auch Joel Assmies aus Sasbach am Kaiserstuhl (Kreis Emmendingen) setzt sich für den Klimaschutz ein. Dafür wurde er mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem, weil er jeden Tag mit dem Fahrrad über 30 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz nach Freiburg fährt. Der Familie Assmies gehört ein Einfamilienhaus in Sasbach (Ortenaukreis). Schon vor Jahren haben sie sich eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen lassen - nicht selbst bezahlt, sondern gemietet: "Wir können uns einfach keine zusätzliche PV-Anlage leisten", sagt Assmies. 

Eine energetische Sanierung kann sich Klimaschützer Joel Assmies nicht leisten.
Eine energetische Sanierung kann sich Klimaschützer Joel Assmies nicht leisten.

Klimaschutz geht richtig ins Geld. Eigentlich will Joel Assmies klimaneutral heizen, lieber heute als morgen. Eine neue Wärmepumpe ist für ihn aber nicht finanzierbar. "Ich zahl über einen Hauskredit schon maximal das ab, was wir leisten können - zusammen mit meiner Frau - und da ist eine zusätzliche Finanzierung nicht mehr möglich", sagt er. Familie Assmies würde gerne bis 2040 klimaneutral sein. So wie es sich die Landesregierung für das ganze Land zum Ziel gesetzt hat. Aber mit vier Kindern ist das für ihn nicht zu finanzieren. 

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Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Nicolas Friese
SWR-Redakteur Nicolas Friese.
Autor/in
Simon Götz
Simon Götz ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".

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