Forderung nach Einhaltung des Zeitplans

Wegen A8-Albaufstieg: Göppinger Landrat warnt vor Vertrauensverlust in die Politik

Jahrzehntelang war über den Autobahnausbau diskutiert worden. Jetzt, wo die Bauvorbereitungsphase läuft, droht wegen Geldmangel der Rückschlag. Der Göppinger Landrat warnt.

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Vergangene Woche kam die Nachricht, dass der Ausbau des Albaufstiegs und -abstiegs der A8 zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt (beides Kreis Göppingen) möglicherweise verschoben wird. Dem Bund fehlt das notwendige Geld. Der Göppinger Landrat Markus Möller (CDU) ist enttäuscht und hat einen offenen Brief an das Bundesverkehrsministerium geschrieben.

Offener Brief an Bundesverkehrsminister Schnieder

In dem Brief schließt sich der Landrat der Kritik von Einwohnerinnen und Einwohnern des Landkreises an. Er forderte seinen Parteikollegen und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder auf, den Zeitplan einzuhalten. Nicht nur die leidgeplagte Bevölkerung rund um den Engpass der A8, sondern der komplette Landkreis könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, schreibt Landrat Möller. Man sei zutiefst enttäuscht. Er sieht die Gefahr, dass die Menschen das Vertrauen in die Politik verlieren könnten.

Möller: Politisches Handeln verliert an Glaubwürdigkeit

Der Albaufstieg sei nicht nur für den Landkreis Göppingen, sondern für ganz Baden-Württemberg von zentraler Bedeutung, so Möller. "Wenn jetzt aber vermittelt werden soll, dass für eine derart zentrale Baumaßnahme, für die bereits umfangreich vorgearbeitet wird, trotz des angekündigten Investitionshochlaufs die Mittel erneut nicht ausreichen sollen und es zunächst zu keinem Spatenstich kommen wird, gibt es ein herbes Defizit in Bezug auf die Glaubwürdigkeit politischen Handelns. Eine solche Prioritätensetzung führt zu einem Abwenden von der Politik", betont der Landrat.

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Auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte den Bund heftig kritisiert und hält es für nicht vermittelbar, das Projekt nun wieder auf Eis zu legen. "Der Bund muss hier korrigieren", betonte der Grünenpolitiker. Zudem brauche es eine klare Priorisierung der Verkehrsprojekte mit Blick auf die Verteilung der Mittel.

Der Kritik schließt sich auch Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, an. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für unsere Mitgliedsunternehmen und alle Autofahrenden", sagte er in einer Mitteilung. "Für unsere Unternehmen sind diese ständigen Finanzierungsdefizite besonders problematisch." Weder die Straßenbauverwaltungen noch die Unternehmen hätten Planungssicherheit.

Bauvorbereitungsphase für Albaufstieg läuft bereits

Der Albaufstieg und -abstieg an der A8 ist bereits planfestgestellt. Aktuell läuft die sogenannte Bauvorbereitungsphase. Der Spatenstich ist derzeit für Herbst 2027 anvisiert. Derzeit teilt sich die A8 am Albtrauf in einen jeweils relativ steilen zweispurigen Auf- und Abstieg. Es kommt oft zu Staus und Ausweichverkehr. Künftig sollen Brücken sowie zwei Tunnel für eine Trasse mit weniger Gefälle sorgen - mit drei Fahrspuren in beiden Fahrtrichtungen. In einem langen Verfahren waren dafür die Interessen der Verkehrsplaner und der Anrainer dafür in Einklang gebracht worden.

Auch A81-Ausbau ab Sindelfingen-Ost in Gefahr?

Doch nicht nur dem Albaufstieg droht wegen Geldmangel ein Rückschlag, auch der Ausbau der A81 ab Sindelfingen-Ost bis zum Kreuz Stuttgart könnte sich verschieben. "Wir sind entsetzt über die Ankündigung, dass dem Bund auf halbem Wege die Puste ausgeht, die A81 lückenlos sechsspurig bis einschließlich dem Autobahnkreuz auszubauen", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes Böblingen, der Städte Böblingen und Sindelfingen sowie der IHK-Bezirkskammer. Schließlich gehe es um eine Autobahn, auf der Autofahrer unter Extremwerten bei Verkehrsbelastung und Stau leiden würden.

Der A81-Ausbau ab Sindelfingen-Ost bis Kreuz Stuttgart war als nahtlose Fortsetzung zum derzeitigen Ausbau der A81 zwischen Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost geplant. "Zwar handelt es sich um zwei unabhängige Verfahren, durch die unmittelbare räumliche Nähe sind sie aber faktisch als erster und zweiter Bauabschnitt eines Großprojekts zu bewerten. Daher müssen sie auch in einem Zuge umgesetzt werden“, heißt es in dem Schreiben weiter.

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Torsten Hansel-Engelhart
SWR-Redakteur Torsten Hansel-Engelhart

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