Montagmorgen, 7 Uhr am Stuttgarter Hauptbahnhof: Die Sonne bricht sich Bahn durch zahlreiche Schäfchenwolken und wirft ein herrliches Licht auf Kräne und Bagger auf der bekannten Baustelle. Eigentlich ein imposantes Bild, doch den meisten Pendlerinnen und Pendlern ist nicht nach Verweilen und Genießen zumute. Manche sind orientierungslos, andere eilen den "Fernwanderweg" von den Gleisen zum Schienenersatzverkehr. Es ist Tag eins der Stammstreckensperrung der S-Bahn. Für viele Menschen bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand an Zeit und Strecke. 350.000 Fahrgäste nutzen jeden Tag die S-Bahn in der Region Stuttgart.
Gemischte Reaktionen auf Stammstreckensperrung
Während die S-Bahnen normalerweise "unten" nur kurz halten und etwa in Richtung Stuttgart-Vaihingen weiterfahren, ist nun "oben" an den Gleisen des alten Kopfbahnhofs erst einmal Schluss. Jede einzelne S-Bahn spuckt hunderte Menschen dort aus. Diese bahnen sich ihren Weg in Richtung Schienenersatzverkehr-Haltestelle, die rund sieben Minuten zu Fuß entfernt vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof wartet. Eine Pendlerin zeigt sich dem SWR gegenüber direkt entrüstet: "Es ist die Hölle! Das bringt mein Leben total durcheinander."
Viele erzählen, sie müssten jetzt täglich morgens wie abends mindestens 20 oder gar 30 Minuten mehr Zeit einplanen. Ein junger Vater sagt, er müsse nun acht Wochen lang mit dem Bus zur Uni. Jeden Tag eine Stunde länger pendeln, stellt er entsetzt fest: "Ich sehe meine Kinder nicht. Danke!" Eine Frau ärgert sich über die Kommunikation, in der VVS-App stünden nicht genügend Informationen zur Verfügung.
20. Juli bis 12. September 2026 S-Bahn Stuttgart: Die wichtigsten Infos zur Sperrung der Stammstrecke im Überblick
Der zentrale Streckenabschnitt für S-Bahnen in Stuttgart wird zum sechsten Mal gesperrt - dieses Mal besonders lang. Was bedeutet das für Fahrgäste?
Andere nehmen die mittlerweile sechste Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke mit Galgenhumor und Optimismus hin. "Ich bin jetzt hier mal ausgestiegen und jetzt: mal gucken!", freut sich ein Mann, der auf einem faltbaren, dreirädrigen Elektroroller unterwegs ist, auf das Abenteuer. Eine Frau fasst zusammen: "Jährlich grüßt das Murmeltier und anderswo ist Krieg, es ist relativ. Hilft ja nichts."
Deutsche Bahn zufrieden mit Start
Bei der Deutschen Bahn, die die Stuttgarter S-Bahn betreibt, hieß es am Montag, man sei mit dem Start der Stammstreckensperrung und dem Ersatzverkehr sehr zufrieden. Dennoch wolle man an noch an einigen Stellen nachjustieren, so habe etwa in einigen Bussen die automatische Information rund um die Sperrung noch gehakt. Hier würden nun Geräte oder ganze Busse ausgetauscht. Am Morgen hätten zudem zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) Personen im Gleis für Verspätungen und Abweichungen gesorgt.
Grundsätzlich bittet die Deutsche Bahn in den kommenden acht Wochen, in denen erneut am sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart gearbeitet wird, besonders darum, die Verbindung vor Fahrtantritt in den Apps zu checken. Es könnten sich immer wieder alternative Fahrtmöglichkeiten etwa mit städtischen Bussen ergeben, heißt es. Außerdem sind sowohl an den Gleisen als auch vor dem Hauptbahnhof viele Servicekräfte unterwegs, die über den Schienenersatzverkehr informieren und grundsätzlich die vielen Fragen rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof beantworten sollen. Zum Start der Stammstreckensperrung hatten sie schon einmal gut zu tun.