Die Stimmung unter US-Amerikanern in Freiburg ist bedrückt. Das war bei einer Podiumsdiskussion im Carl-Schurz-Haus deutlich zu spüren. Sie war trotz kurzfristiger Einladung gut besucht. Alle sollten an diesem Abend die Möglichkeit haben, aus persönlicher Sicht über die Lage in den USA zu diskutieren. Das Podium und die Zuhörerschaft bestand zu großen Teilen aus US-Bürgern, die in Freiburg leben.
Stimmung im "roten" Süden der USA - Einblicke einer Studentin
Die 19-jährige Studentin Makaila Tucker ist erst seit einem Monat in Freiburg. Sie freut sich über die Möglichkeit, während ihres Auslandssemesters mit anderen Gleichgesinnten zu diskutieren - im Studium aber auch hier im Carl-Schurz-Haus. In Amerika sei der Raum für politische Diskussionen aktuell nicht immer gegeben, sagt sie.
Die Diskussion mit ihren Eltern scheut sie trotzdem nicht, auch wenn es dann mal hitzig wird. Ihr Vater ist beim Militär, beide Eltern sind Wähler der Republikaner. Makaila hofft, dass etwas hängenbleibt, von dem, was sie ihnen sagt, auch wenn man sich nicht einigen kann.
Amerika zu lieben, bedeutet für es zu leiden.
Tucker ist stolze Amerikanerin und will ihr Land nicht aufgeben, auch wenn sie die aktuelle Regierung nicht unterstützt. Ihre Wählerstimme in South Carolina hat wenig Gewicht. Durch das Wahlsystem gehen die Stimmen der Wahlleute an die Republikaner. Es sei trotzdem wichtig, andere wissen zu lassen, dass ihre Stimme existiere, sagt sie.
Blick auf die Heimat: Viele Stimmen, viele Sorgen
Die Diskussion mit dem Publikum zeigt, wie angespannt die Lage ist. Mit der Ankündigung, dass Fotos der Veranstaltung gemacht werden, fühlen sich nicht alle wohl. Einige haben Angst vor Problemen bei der Einreise, wenn sie sich öffentlich als Gegner der aktuellen Regierung zeigen.
Die Gründe, warum diese Menschen in Freiburg leben sind unterschiedlich: für den Master, einen Job, wegen der politischen Lage oder der Familie. Manche wollen nie wieder zurück in ihre Heimat. Besorgt sind sie alle.
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Für die USA-Reise von Bigband und Chor war schon alles geplant. Doch wegen der drohenden Verschärfung der Einreisebestimmungen hat die Müllheimer Schule sie jetzt abgesagt.
US-Bürger in Freiburg: Ein Gefühl der Heimatlosigkeit
So geht es auch Jorrell Rush-Kittle. Er lebt seit 16 Jahren in Deutschland. Schon immer hatte er aufgrund seiner Identität einen kritischen Blick auf die Probleme des Landes. Als Afro-Amerikaner und Puerto Ricaner war die Angst vor Polizeigewalt schon vor der Trump-Regierung für ihn präsent. So wie es aktuell ist, wird er nicht zurückkehren.
Mir geht´s nicht gut damit. Ich habe mich geistig von meinem Heimatland distanziert, was äußerst schwierig ist.
Aber auch in Deutschland fühlt er sich nicht ganz angekommen. Obwohl er Deutsch spricht und sogar Bier brauen kann, wie er erzählt, fühlt er sich nicht integriert. Wenn sich die politische Lage hier auch weiter verschlechtere, würde er Deutschland wieder verlassen, sagt er. In der Entwicklung der AfD sieht er Parallelen zur amerikanischen MAGA-Bewegung ("Make America Great Again").
Ich habe Angst, dass es in ein paar Jahren hier genauso sein wird. Was mache ich, wenn es hier auch schlimm ist?
Die USA: Ein Auswandererland?
Eine Rednerin im Carl-Schurz-Haus berichtet von Facebook-Gruppen für Auswanderer. Sie hat sich nach einem Besuch 2024 entschieden, nach Freiburg zu ziehen. Die Facebook-Gruppen seien voll von Menschen, die die USA verlassen haben oder eine Ausreise planen. Diese Beobachtung bestätigt auch eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Erstmals seit 2021 sind demnach im letzten Jahr mehr Menschen aus den USA nach Deutschland gekommen, als umgekehrt.
Für Steven Randall war schon die erste Wahl Donald Trumps im Jahr 2016 ausschlaggebend für die Entscheidung, die USA zu verlassen. Seiner Familie und seinen Kindern gehe es in Deutschland besser, hier fühlten sie sich sicher, sagt er. Zurückkehren möchte er nicht.
Selbst wenn ich einen besseren Job finden würde oder die Situation sicherer wäre, ich würde es nicht tauschen gegen das, was ich hier habe.
Amerikaner in Freiburg: Carl-Schurz-Haus als ein Stück Heimat
Friederike Schulte, die Direktorin des Carl-Schurz-Hauses, war am Ende zufrieden mit der Veranstaltung. Trotz der bedrückenden Lebensgeschichten bleibe für die Amerikanerinnen und Amerikaner an diesem Abend in Freiburg ein Gefühl von Gemeinschaft zurück, glaubt sie: "Dass die Leute sich hier unterhalten und offen sprechen können, darum geht es."