In der Ortenau hat die Erdbeersaison begonnen – zumindest unter den gut drei Meter hohen Folientunneln. Während die Pflanzen auf den Feldern gerade erst zu blühen beginnen, sind die Erdbeeren im geschützten Anbau schon deutlich weiter.
Ostbauer Karl-Wendelin Spinner in Oberkirch-Nußbach (Ortenaukreis) zeigt uns seine Erdbeeren: "Hier blüht es schon richtig, die ersten kleinen Früchte hängen dran!"
Schneller reife Früchte durch Folientunnel
Freistehend auf dem Acker bräuchten die Pflanzen etwa drei Wochen länger, verrät der gelernte Obstbauer. Noch vor 20 Jahren hat er alle Erdbeeren im Freiland angebaut. Mittlerweile wächst bei ihm das meiste unter Tunneln.
Im Freiland sind die Pflanzen praktisch noch drei Wochen hinterher.
Die Investitionen sind allerdings hoch: Rund 100.000 Euro kostet ein Hektar Tunnelanlage. Für viele Landwirte lohnt sich das dennoch. Die Folien schützen vor Regen und Hagel, machen die Erträge planbarer und verbessern die Arbeitsbedingungen.
Im Freiland hingegen bleibt der Ertrag stark vom Wetter abhängig. Fällt viel Regen, drohen Ernteausfälle.
Folienanbau hat sich verdoppelt
In Baden-Württemberg hat sich der geschützte Erdbeeranbau in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Nach Angaben des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer steigen vor allem jüngere Betriebe auf die Tunneltechnik um – auch als Reaktion auf zunehmende Wetterextreme durch den Klimawandel. Der geschützte Anbau ermögliche stabilere Erträge und eine gleichbleibende Qualität.
Ein Trend, der sich fortsetzten wird, das sagt zumindest Dominic Ell, Vorstandsmitglied des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeerbauern Bruchsal. "Die Zukunft wird sein, dass natürlich immer mehr Betriebe weiterhin auf den Anbau in Tunneln setzen und den auch ausbauen."
Denn gegen die Konkurrenz aus dem Ausland könnten sich diese Erdbeeren aus der Ortenau ganz ohne Folien wohl schlechter durchsetzen.
Kritik: Hohe Mikroplastikbelastung durch Mulchfolien
Neben den großen Folientunneln kommen auch sogenannte Mulchfolien direkt auf dem Boden zum Einsatz. Sie speichern Feuchtigkeit und erwärmen die Erde zusätzlich. Allerdings stehen sie aus Umweltsicht in der Kritik: Laut NABU gelangen über die Mulchfolien pro Saison etwa acht Kilogramm Mikroplastik pro Hektar in den Boden.
Umweltverbände fordern deshalb biologisch abbaubare Alternativen. Miriam Willmott vom NABU Baden-Württemberg gibt zu bedenken, dass die Mulchfolien neben Mikroplastik auch andere Bestandteile, wie Farbpartikel und Weichmacher an den Boden abgeben. Diese würden wiederum von den Pflanzen aufgenommen - und letztlich dann auch von uns Menschen.
Weniger Pflanzenschutzmittel nötig
Gleichzeitig verweisen Landwirte auf Vorteile: Durch die Folien werde weniger Pflanzenschutzmittel benötigt.
In der Ortenau dürfte es noch bis spätestens Ende April dauern, bis die ersten Erdbeeren reif sind. Bis dahin hoffen die Betriebe auf gute Wetterverhältnisse – unter Folie und im Freiland.