Wer in diesen Tagen durch die Pfalz fährt, sieht sie wieder: die Folientunnel, die wie große Raupen auf den Feldern liegen. Während die Vorfreude auf die ersten Pfälzer Erdbeeren steigt, kämpfen die Erzeuger um ihre Existenz.
Die Daten des Statistischen Landesamtes und des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein deutliches Bild: Laut Statistischem Bundesamt sind die Anbauflächen für den klassischen Freilandanbau in Rheinland-Pfalz zwischen 2015 und 2025 um drastische 50,6 Prozent eingebrochen.
Der Preis des Mindestlohns im Erdbeer-Anbau
Der Hauptgrund für diesen Rückgang ist wirtschaftlicher Natur. Erdbeeren gelten als arbeitsintensiv im Anbau. "Es wird immer schwieriger, den Anbau kostendeckend zu betreiben“, erklärt Erdbeerbauer Christof Steegmüller aus Offenbach an der Queich.
Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns vor zehn Jahren haben sich die Lohnkosten nahezu verdoppelt: von damals 8,50 Euro auf heute bis zu 13,90 Euro pro Stunde. Im kommenden Jahr soll der Mindestlohn auf 14,60 Euro erhöht werden. Christof Steegmüller weiß noch nicht, wie er diese Kosten ansatzweise umlegen soll. Steegmüller beschäftigt 60 Erntehelfer in der Saison.
Auch Kosten für Energie und Dünger steigen
Sarah Schreiber, die in Gerolsheim gemeinsam mit ihrem Mann einen Spargel- und Erdbeerhof führt, bestätigt diesen Trend: "Die Pflückkosten werden immer höher und es wird zunehmend schwerer, gute Erntehelfer zu finden." Hinzu kommen explodierende Energiepreise für die Kühlung der frischen Früchte sowie steigende Sprit- und Düngemittelkosten.
Flucht unter die Folie: Der Trend zum geschützten Anbau
Um das Risiko zu minimieren, bauen immer mehr Landwirte Erdbeeren unter Folie an. Während das Freiland schrumpft, verzeichnete der Tunnelanbau laut Statistischem Bundesamt seit 2015 einen Zuwachs von 267,5 Prozent.
Die Vorteile liegen nach Angaben des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd auf der Hand: Die Erdbeeren sind im Tunnel besser vor der Witterung geschützt. Hagel, Starkregen und Spätfrost machen den Früchten so weniger aus.
Außerdem ist die Ernte besser planbar und das Risiko für Totalausfälle bei der Ernte wird minimiert. Da die Pflanzen trocken bleiben, sinkt auch der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzkrankheiten.
Immer weniger Erdbeer-Felder in der Pfalz
Zudem ermöglichen moderne Methoden wie der Stellagen-Anbau das Pflücken im Stehen, was die Effizienz steigert. Dennoch sinkt die Gesamtfläche in der Region weiter, da viele Betriebe ganz aufgeben.
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Konkurrenz durch Billigimporte: "Da geht einem das Messer im Sack auf"
Ein Dorn im Auge ist den Landwirten der Preiskampf mit Importware. "Import-Erdbeeren sind zwar günstiger, aber die Umwelt- und Sozialstandards in den Herkunftsländern sind deutlich niedriger", warnt Sarah Schreiber. Während deutsche Bauern strenge Auflagen bei Pflanzenschutz und Düngung erfüllen müssen, herrsche im Ausland oft Wettbewerbsverzerrung.
Lockangebote im Supermarkt für knapp einen Euro pro Schale bezeichnet die Bäuerin als "absolute Frechheit" und mangelnden Respekt vor dem Produkt. "Da geht einem das Messer im Sack auf", wenn sie daran denkt, mit wie viel Herzblut die Bauern die Produkte regional unter strengen Auflagen anbauen.
Ausblick auf die Saison 2026
Trotz der Krise dürfen sich Verbraucher bald auf die ersten Pfälzer Erdbeeren freuen. Wenn das Wetter mitspielt, startet die Ernte im Tunnel voraussichtlich Ende April. Freiland-Erdbeeren werden etwa ab Mitte Mai folgen.
Preislich müssen sich Kunden auf die neue Realität einstellen: Christof Steegmüller schätzt, dass der Preis für die ersten 500-Gramm-Schälchen einheimischer Erdbeeren zwischen 5,50 und 6,50 Euro liegen wird. Sarah Schreiber rät Kunden, auf den Geruch zu achten und direkt beim Bauern zu kaufen: "Warten Sie lieber auf die ersten heimischen Beeren, da werden Sie auf jeden Fall belohnt."