Im Gespräch mit dem SWR haben die beiden Vorsitzenden des Ukrainischen Vereins Tübingen, Professorin Olga Garaschuk und Christina Chaban, ihre Haltung zu den aktuellen Verhandlungen um einen Frieden in ihrem Heimatland Ukraine klargemacht. Sie sagten, einen wirklichen Frieden zwischen Russland und der Ukraine könne es nur geben, wenn der Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin erhöht wird - militärisch und wirtschaftlich.
Tübinger Ukrainerinnen hoffen auf Sanktionen und Gelder der EU
Olga Garaschuk lebt seit 2008 in Tübingen, Christina Chaban seit 2006. Die beiden forschen und lehren an der Uni Tübingen. Sie engagieren sich unter anderem im Ukrainischen Verein Tübingen, der immer wieder zusammen mit Partner-Organisationen zu Kundgebungen für das Ende des russischen Angriffskrieges in ihrem Heimatland aufruft und Hilfslieferungen in die Ukraine organisiert. Die beiden Frauen hoffen darauf, dass es die Europäische Union doch noch schafft, gemeinsam neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen und die Ukraine militärisch und finanziell zu unterstützen.
Es gebe derzeit nur drei Machthaber, die den Krieg beenden könnten: der russische Präsident Wladimir Putin, der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping. Sie allein hätten die Möglichkeit dazu, aber keiner der Drei zeige derzeit, dass er ein Kriegsende und einen Frieden wirklich wolle, so die erste Vorsitzende des Tübinger Vereins, Olga Garaschuk. Vor einem Jahr hätten alle noch an die USA als einen Verbündeten und Partner der Ukraine geglaubt, jetzt trete Amerika nur noch als Vermittler auf. Sie hofft, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch liegt, dass so aktuell kein Frieden möglich ist.
Das wird nichts werden. Momentan gibt es in den Verhandlungen nur die Möglichkeit, dass die Ukraine kapituliert. Und die Ukraine wird nicht kapitulieren.
Vereinsvorsitzende: Was Putin will, ist eine Kapitulation der Ukraine
Ein Abtreten der östlichen Regionen der Ukraine an Russland, wie es Wladimir Putin fordert, käme einer Kapitulation gleich. Einem Aggressor wie Putin dürften aber keine Zugeständnisse gemacht werden, betonen Chaban und Garaschuk. Dann sei es vorbei mit der Freiheit. Die Ukrainerinnen und Ukrainer hätten bereits in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten viele verschiedenen Erfahrungen der Unterdrückung durch die russische beziehungsweise sowjetische Führung gemacht. Außerdem würde dann das Gefühl bei den Angehörigen der Opfer des Krieges entstehen, ihre Liebsten seien "umsonst" gestorben. Dann besser weiterkämpfen, sagen die beiden Frauen, die Verwandte und Freunde an der Front hatten und haben.
Wir haben nichts zu verlieren. Kapitulation wäre kein Frieden.
Familie in der Ukraine mit Kälte und Krieg konfrontiert
Olga Garaschuk stammt aus Kiew - oder wie sie es sagt aus Kyjiw. Die ukrainische Schreibweise ist ihr wichtig. Sie erzählt im Gespräch mit dem SWR davon, was ihr Bruder als Arzt an der Front erlebt hat. Zu Beginn der Vollinvasion Russlands am 24. Februar 2022 war er zu einer Fortbildung in Deutschland, die bis Ende April 2022 dauern sollte. Ein Tag später ist er in die Ukraine zurückgefahren, um dort zu helfen. Aktuell seien in dem neunstöckigen Haus, in dem er wohnt, die Rohre geplatzt, weil das Wasser aufgrund fehlender Energie eingefroren ist. Die Botschaft an seine Schwester und ihrer beider Mutter in Deutschland: "Wir werden es durchstehen." Garaschuk erinnert immer wieder daran: Die Ukrainnerinnen und Ukrainer verteidigten nicht nur ihr Heimatland. Jedes Stück Land, was man verliere, fehle der westlichen freien Welt.