Es ist kurz nach Mitternacht, als im Juni dieses Jahres über dem Ulmer Bahnhofsviertel plötzlich Flammen auflodern. Wenig später brennt das Lager des Theaters Ulm lichterloh. In dieser Nacht verbrennt ein Stück Ulmer Theatergeschichte. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat am Dienstag Anklage gegen einen 42-jährigen Obdachlosen erhoben. Der Tatverdächtige soll aus Rache gehandelt haben.
Theaterlager brennt an mehreren Stellen
Laut Anklage ist der Mann in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 2025 gezielt vorgegangen. Er soll das Feuer in der Lagerhalle absichtlich an mehreren Stellen gelegt haben. Kurze Zeit später steigt dichter Rauch auf, Sirenen heulen.
Die Flammen fressen sich durch beide Stockwerke der Halle, breiten sich schnell aus. Als die Feuerwehr eintrifft, steht das Gebäude bereits komplett in Flammen. Zurück bleibt eine Ruine und der Verlust jahrzehntelanger Theatergeschichte.
Feuer nahe Hauptbahnhof Ulm Großbrand in der Nacht: Außenlager des Ulmer Theaters vernichtet
Ein Feuer hat in der Nacht auf Mittwoch das Außenlager des Ulmer Theaters vernichtet. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Schadenshöhe ist noch unklar.
Die Ermittler sind sich sicher: Der Angeklagte wollte das Gebäude und alles, was sich darin befindet, zerstören. Das Feuer war kein Zufall. Aber was war der Grund?
Brandstiftung beim Theater Ulm: Rache nach Rausschmiss?
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist der Tatverdächtige am Tag zuvor aus der angrenzenden alten Posthalle am Ulmer Bahnhof verwiesen worden. Dort wollte er zusammen mit anderen Obdachlosen übernachten, so die Mitteilung. Sie wollten sich ein provisorisches Nachtlager einrichten. Der Rausschmiss habe den Mann wohl so verärgert, dass er sich am nächsten Tag rächen wollte und den Brand legte.
Der Tatverdächtige ist wegen mehrerer Eigentums- und Gewaltdelikte vorbestraft. Er stand bereits unter Bewährung und soll zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen sein. Ein psychiatrisches Gutachten soll nun klären, in welchem Zustand er gehandelt hat.
Der Beschuldigte selbst schweigt. Seit September sitzt er in Untersuchungshaft. Über Schuld oder Unschuld wird jetzt die Große Strafkammer des Ulmer Landgerichts entscheiden. Ein Termin steht noch nicht fest.
Kostüme und Requisiten für immer zerstört
In der Halle lagerten keine gewöhnlichen Kleider. Es waren historische Kostüme, Requisiten und Einzelstücke aus zahllosen Inszenierungen. Sie standen für bestimmte Rollen, bestimmte Theaterabende, bestimmte Erinnerungen. Viele davon waren unersetzliche Unikate. Was das Feuer nicht vernichtete, wurde durch Rauch und Löschwasser zerstört.
Der Schaden am Gebäude wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf rund fünf Millionen Euro geschätzt, der Schaden am Inventar auf weitere rund acht Millionen Euro. Für das Theater Ulm ist das aber nicht nur ein materieller, sondern auch ein kultureller Schaden, der sich nicht in Zahlen fassen lässt.
Stillstand ist für das Theater aber keine Option. Oder wie es hinter den Kulissen heißt: Der Vorhang mag kurz gebrannt haben - gefallen ist er aber nicht.