Anklage wegen Brandstiftung

Feuer, Frust und Millionenverlust: War der Brand beim Theater Ulm ein Racheakt?

Ein Feuer zerstört das Theaterlager in Ulm. Millionenwerte gehen in Flammen auf. Schnell vermutet die Polizei Brandstiftung, tatverdächtig ist ein 42-jähriger Obdachloser.

Teilen

Stand

Von Autor/in Anja Müller

Es ist kurz nach Mitternacht, als im Juni dieses Jahres über dem Ulmer Bahnhofsviertel plötzlich Flammen auflodern. Wenig später brennt das Lager des Theaters Ulm lichterloh. In dieser Nacht verbrennt ein Stück Ulmer Theatergeschichte. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat am Dienstag Anklage gegen einen 42-jährigen Obdachlosen erhoben. Der Tatverdächtige soll aus Rache gehandelt haben.

Theaterlager brennt an mehreren Stellen

Laut Anklage ist der Mann in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 2025 gezielt vorgegangen. Er soll das Feuer in der Lagerhalle absichtlich an mehreren Stellen gelegt haben. Kurze Zeit später steigt dichter Rauch auf, Sirenen heulen.

Die Flammen fressen sich durch beide Stockwerke der Halle, breiten sich schnell aus. Als die Feuerwehr eintrifft, steht das Gebäude bereits komplett in Flammen. Zurück bleibt eine Ruine und der Verlust jahrzehntelanger Theatergeschichte.

Ulm

Feuer nahe Hauptbahnhof Ulm Großbrand in der Nacht: Außenlager des Ulmer Theaters vernichtet

Ein Feuer hat in der Nacht auf Mittwoch das Außenlager des Ulmer Theaters vernichtet. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Schadenshöhe ist noch unklar.

Die Ermittler sind sich sicher: Der Angeklagte wollte das Gebäude und alles, was sich darin befindet, zerstören. Das Feuer war kein Zufall. Aber was war der Grund?

Brandstiftung beim Theater Ulm: Rache nach Rausschmiss?

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist der Tatverdächtige am Tag zuvor aus der angrenzenden alten Posthalle am Ulmer Bahnhof verwiesen worden. Dort wollte er zusammen mit anderen Obdachlosen übernachten, so die Mitteilung. Sie wollten sich ein provisorisches Nachtlager einrichten. Der Rausschmiss habe den Mann wohl so verärgert, dass er sich am nächsten Tag rächen wollte und den Brand legte.

Der Tatverdächtige ist wegen mehrerer Eigentums- und Gewaltdelikte vorbestraft. Er stand bereits unter Bewährung und soll zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen sein. Ein psychiatrisches Gutachten soll nun klären, in welchem Zustand er gehandelt hat.

Der Beschuldigte selbst schweigt. Seit September sitzt er in Untersuchungshaft. Über Schuld oder Unschuld wird jetzt die Große Strafkammer des Ulmer Landgerichts entscheiden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Kostüme und Requisiten für immer zerstört

In der Halle lagerten keine gewöhnlichen Kleider. Es waren historische Kostüme, Requisiten und Einzelstücke aus zahllosen Inszenierungen. Sie standen für bestimmte Rollen, bestimmte Theaterabende, bestimmte Erinnerungen. Viele davon waren unersetzliche Unikate. Was das Feuer nicht vernichtete, wurde durch Rauch und Löschwasser zerstört.

Kostüme und Requisiten, die bei dem Brand in der Theaterlagerhalle in Ulm zerstört wurden.
Der gelagerte Fundus des Theater Ulm ist bei dem Brand Ende Juni zerstört worden. Peter Schmid

Der Schaden am Gebäude wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf rund fünf Millionen Euro geschätzt, der Schaden am Inventar auf weitere rund acht Millionen Euro. Für das Theater Ulm ist das aber nicht nur ein materieller, sondern auch ein kultureller Schaden, der sich nicht in Zahlen fassen lässt.

Stillstand ist für das Theater aber keine Option. Oder wie es hinter den Kulissen heißt: Der Vorhang mag kurz gebrannt haben - gefallen ist er aber nicht.

Ulm

Intendant Kay Metzger: "Ein ganz bitterer Moment" Theaterfundus in Trümmern: Theater Ulm zeigt das Ausmaß der Zerstörung

Nach dem Brand im Außenlager des Theaters Ulm durften Medienvertreter am Montag erstmals die zerstörte Brandruine besichtigen. Tausende Kostüme und Requisiten sind verbrannt.

Ulm

Probebühne und Fundus sollen in Nachbarhalle unterkommen Festnahme wegen Brandstiftung im Außenlager des Theaters Ulm

Nach dem Brand des Außenlagers des Ulmer Theaters im Juni hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dem 41-jährigen obdachlosen Mann wird Brandstiftung vorgeworfen.

Ulm

Schadenshöhe nach wie vor unklar Feuer im Lager des Theaters Ulm: Polizei geht von Brandstiftung aus

Das Feuer in der Lagerhalle des Theaters Ulm in der Nacht auf Mittwoch ist vermutlich durch Brandstiftung entstanden. Die Ermittlungen der Polizei laufen nach wie vor.

Sontheim an der Brenz

Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung Großbrand bei Recyclingbetrieb in Sontheim an der Brenz: Wurden Akkus falsch entsorgt?

An dem Großbrand Mitte Oktober in einer Recyclingfirma in Sontheim an der Brenz waren wohl falsch entsorgte Akkus schuld. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Abtsgmünd

Unterricht nicht beeinträchtigt Brennende Tablets in Abtsgmünd: Polizei vermutet technischen Defekt

Kurz bevor der Unterricht nach den Herbstferien wieder beginnt, hat es in einer Schule in Abtsgmünd im Ostalbkreis gebrannt. Auslöser waren brennende Tablets.

Ehingen

Mit Feuerzeug an Zapfsäule "Auf einmal eine riesige Stichflamme": Mitarbeiterin löscht Brand an Tankstelle in Ehingen

Ein Autofahrer soll an einer Zapfsäule in Ehingen mit einem Feuerzeug einen Brand verursacht haben. Geistesgegenwärtig löscht eine Mitarbeiterin das Feuer, bevor Schlimmeres passiert.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anja Müller
Anja Müller