Kritik an geplanten Änderungen bei Rettungseinsätzen

Wie geht es weiter mit den "Helfern-vor-Ort"?

Das Land plant Änderungen beim Einsatz ehrenamtlicher Ersthelfer und -helferinnen. Kritiker warnen vor Folgen bei der Notfallversorgung. Nun meldet sich das Innenministerium erneut zu Wort.

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Von Autor/in Ole Hilgert

Das Land Baden-Württemberg will ehrenamtliche Helfer-vor-Ort (HvO) künftig nicht mehr bei allen Notfällen einsetzen lassen. Plänen des Innenministeriums zufolge sollen die Ersthelferinnen und -helfer nur noch bei bestimmten Notfällen alarmiert werden. Dagegen regt sich Kritik. Auch Rettungsdienste wurden von dem Vorhaben überrascht.

Schnell vor Ort: Erste Hilfe durch die kaputte Autoscheibe

Eigentlich arbeitet Dagmar Schwarz als Speditionskauffrau in Steinheim am Albuch bei Heidenheim. Doch seit zwölf Jahren ist sie auch ehrenamtlich beim Roten Kreuz als Notfallhelferin aktiv. Im vergangenen Juni wurde sie zu einem schweren Verkehrsunfall in der Nähe ihres Wohnortes gerufen.

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Nach wenigen Minuten traf sie am Unfallort ein, noch vor dem Rettungsdienst. Die 56-Jährige erinnert sich gut an den Einsatz: "Die Scheibe war kaputt. Dadurch konnte ich einen Verletzten damals halten und stabilisieren, bis der Rettungsdienst und die Feuerwehr gekommen sind." Der Verunglückte war allerdings so schwer verletzt, dass er später noch am Unfallort starb.

Ministerium will Einsätze nur noch bei bestimmten Stichworten

Einsätze wie diese könnten für die landesweit mehr als 6.000 Helfer-vor-Ort seltener werden. Das Innenministerium will die Vorgaben für ihre Alarmierung ändern, um Überlastung zu vermeiden und das System einheitlicher zu organisieren, wie es bei der Behörde heißt.

In einem Schreiben, das dem SWR vorliegt, hat das Ministerium vergangene Woche angekündigt, Ehrenamtliche grundsätzlich nur noch zu bestimmten Notfällen rufen zu lassen. Aufgeführt sind dazu spezielle Einsatzstichworte wie "akute Atemnot", "Kreislaufstillstand" oder "Bewusstlosigkeit". Bei Verkehrsunfällen beispielsweise wäre demnach künftig keine Alarmierung der HvO-Gruppen vorgesehen.

Breite Kritik gegen geplante Änderungen

Gegen diese Pläne regt sich breite Kritik. Eine Petition mit dem Titel "Rettet die Helfer vor Ort - Fehlende Erstversorgung gefährdet Leben" hat bereits rund 40.000 Unterschriften. Die Autoren warnen vor erheblichen Folgen, sollte die Alarmierung eingeschränkt werden. Auch der DRK-Kreisverband Ulm befürchtet, dass die Änderungen die schnelle Erstversorgung der Bevölkerung gefährden könnten, hieß es in einer Stellungnahme.

Überrascht von den Plänen waren mancherorts auch die hauptamtlichen Rettungsdienste. So berichtet es etwa David Richter, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Heidenheim-Ulm, dem SWR. Die HvO-Gruppen haben aus seiner Sicht einen hohen Stellenwert in der Rettungskette, sie seien flächendeckend etabliert.

Richter mahnt zu Besonnenheit: "Ich wünsche mir, dass die Diskussion etwas unaufgeregter geführt wird als momentan. Und ich denke, dass der DRK-Landesverband und das Innenministerium noch einmal beraten und nachbessern, um das bewährte System nicht zu gefährden."

Ich denke, dass der DRK-Landesverband und das Innenministerium noch einmal beraten und nachbessern, um das bewährte System nicht zu gefährden.

Ministerium kündigt weitere Gespräche an

Auf SWR-Anfrage hat das Innenministerium nun eine erneute Abstimmung mit dem DRK angekündigt. Der Katalog mit rund 50 Stichworten solle Leitstellen und Helfern vor Ort lediglich eine Orientierung für die Notfall-Alarmierung geben.

Die Liste sei nach einer Evaluation gemeinsam mit den Trägern des Rettungsdienstes erarbeitet worden. Bisher hätten Leitstellen wegen unterschiedlicher Auslegung nicht einheitlich alarmiert. Allerdings sei nichts "in Stein gemeißelt".

Ehrenamtliche berichten über große Wertschätzung

Unabhängig von der Diskussion will Dagmar Schwarz aus Steinheim am Albuch auch weiter als Helferin-vor-Ort unterwegs sein. Anderen Menschen in Notsituationen ehrenamtlich zu helfen, das sei ihr eine Herzensangelegenheit, sagt sie. Oft bekomme sie nach Einsätzen positive Rückmeldung von Patienten oder Angehörigen und erfahre Wertschätzung in ihrer Nachbarschaft.

Es ist mir eine wahnsinnige Herzensangelegenheit. Und die positiven Rückmeldungen geben mir Antrieb und Kraft.

Auch offiziell hat Dagmar Schwarz bereits Anerkennung erhalten. Im Februar ist sie gemeinsam mit einem weiteren freiwilligen Helfer von der Gemeinde Steinheim mit einer Ehrenmedaille für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Allein im Jahr 2025 wurde sie insgesamt 283 mal zu Einsätzen alarmiert. Das, so berichtet sie, gehe nur dank ihres Jobs im Homeoffice und mit einem verständnisvollen Arbeitgeber im Hauptberuf.

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Ole Hilgert

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