Wahlverprechen gebrochen?

CDU-geführte Landesregierung hält an Einbürgerung ohne Sprachtest fest

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hält an Einbürgerungen ohne Sprachzertifikat in Ausnahmefällen fest. Im Wahlkampf hatte der heutige Ministerpräsident Schnieder dies kritisiert.

Teilen

Stand

Von Autor/in Gernot Ludwig

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, dass Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) eine Praxis fortführt, die er im Wahlkampf noch als "inakzeptabel" bezeichnet hat.

Es geht darum, dass Einbürgerungen in Ausnahmefällen ohne den Nachweis eines Sprachzertifikats möglich sind. Über diese Praxis der damals SPD-geführten Landesregierung berichtete in der heißen Phase des Landtagswahlkampfs im Februar der "Focus". Schnieder, damals Spitzendkandidat der CDU-Opposition, sagte dem Magazin: "Dass das rheinland-pfälzische Integrationsministerium nicht konsequent auf Sprachtests besteht, ist aus meiner Sicht inakzeptabel".

RLP

Was steht im Wahlprogramm? Sprachtests ohne Wenn und Aber: Das CDU-Wahlprogramm zur Landtagswahl RLP

Die CDU will in Rheinland-Pfalz nach 35 Jahren die SPD beerben und den nächsten Ministerpräsidenten stellen. In ihrem Wahlprogramm hat sie der Bildung Kapitel eins gewidmet.

Einbürgerung ohne Sprachzertifikat weiter möglich

Inzwischen ist Schnieder Ministerpräsident und "Focus" wollte wissen, was aus der Praxis der früheren SPD-geführten Landesregierung geworden ist. Ergebnis: Das inzwischen CDU-geführte Innenministerium teilte mit: "Ja, das Innenministerium hält weiterhin an diesem Modus fest." Dem SWR wurde diese Antwort bestätigt.

CDU-Politiker hatten Sprachtest-Regelung kritisiert

Zuständig für Integration ist Staatssekretär Dirk Herber (CDU). Er sagte noch vor wenigen Monaten: "Die deutsche Staatsangehörigkeit ist kein Verwaltungsakt unter Vorbehalt, sondern eine bewusste Entscheidung für unser Land, unsere Werte und unsere Sprache. Es darf nicht vom subjektiven Eindruck eines einzelnen Sachbearbeiters abhängen, ob jemand die sprachlichen Voraussetzungen erfüllt oder nicht. Wir brauchen verbindliche, transparente und überprüfbare Standards."

Heißt: Sowohl Staatssekretär Herber als auch Schnieder hatten sich - als sie noch Opposition waren - sehr klar gegen die Praxis ausgesprochen. CDU/CSU-Politiker im Bund hatten die Praxis im Februar ebenfalls heftig kritisiert.

Landesregierung hält Vorgehen für rechtlich korrekt

Rechtlich ist das Vorgehen laut Landesregierung korrekt. Deren Sprecherin sagte, ein Verzicht auf die Vorlage eines formalen Sprachzertifikats komme ausschließlich in eng begrenzten Ausnahmefällen in Betracht.

Schnieder habe sich, wie das Magazin berichtet, auf Anfrage von "Focus" persönlich nicht dazu geäußert, warum er jetzt eine Praxis fortführt, die er vor wenigen Monaten noch als inakzeptabel bezeichnet hat.

Kritik auch bei Sonderurlaub für Staatssekretäre

Das Beispiel mit den Sprachtests ist nicht der einzige Fall, bei dem Schnieder vor der Wahl etwas versprochen hat, das er danach nicht oder nicht vollständig einlöst. Bei Sonderurlauben für Staatssekretäre war es ähnlich, wie der SWR kürzlich berichtete.

Rheinland-Pfalz

Ein Top-Beamter in RLP im Sonderurlaub Sonderurlaub für Spitzenbeamte: Hat Schnieder Wahlversprechen gebrochen?

Sonderurlaub für ranghohe politische Beamte war eines der Aufreger-Themen im Landtagswahlkampf im Frühjahr. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder (CDU) versprach: "Als Ministerpräsident werde ich diese Praxis beenden."

Solche Sonderurlaube hatte Schnieder in der Opposition als rechtswidrig bezeichnet und im Wahlkampf versprochen, er werde sie beenden. Inzwischen gibt es aber immer noch einen Staatssekretär im Sonderurlaub. Die Staatskanzlei teilte dem SWR überraschend mit, dass dieser Sonderurlaub "auch nach Auffassung des Ministerpräsidenten Gordon Schnieder mit den landesrechtlichen Regeln in Einklang steht."

Im Klartext: Als Oppositionspolitiker bezeichnete Schnieder den Sonderurlaub als rechtswidrig. Als Ministerpräsident findet er ihn rechtskonform.

Schnieder wollte sich - wie auch jetzt im Fall der Sprachtests - nicht persönlich dazu äußern, warum er eine Praxis fortführt, die er als Oppositionspolitiker noch als "rechtswidrig" bezeichnete und im Wahlkampf versprochen hatte, die Praxis zu beenden. Stattdessen deutet die Staatskanzlei in ihren Antworten an den SWR an, Schnieders Versprechen habe sich nur auf neue Sonderurlaube bezogen.

Auch Grüne werfen Schnieder gebrochene Wahlversprechen vor

Auch die oppositionellen Grünen hatten im Juni kritisiert, dass Schnieder an sehr vielen Stellen die Politik der SPD-geführten Vorgängerregierung fortführt, die er in der Opposition kritisiert hatte. In der Aussprache zu Schnieders erster Regierungserklärung sagte die Grünen-Fraktionschefin Katrin Eder (Grüne), Schnieder habe versprochen, alles anders machen zu wollen und dann auf 42 Seiten der Regierungserklärung 59-mal das Wort "weiter" gebraucht.

Mainz

Landtag debattiert über Schnieders Regierungserklärung Opposition wirft CDU und SPD gebrochene Wahlversprechen und "verstolperten" Start vor

Eineinhalb Stunden dauerte die erste Regierungserklärung von Gordon Schnieder. Am Mittwoch haben die Oppositionsparteien AfD und Grüne im Landtag seine Rede zerpflückt.

Viele Wahlversprechen, die die Menschen direkt in ihrem Alltag gemerkt hätten, seien gebrochen worden, sagte Eder. Das angekündigte kostenlose Mittagessen und das kostenlose Deutschlandticket für Schülerinnen und Schüler nannte sie als Beispiele.

RLP

Historischer Moment im Landtag Regierungserklärung von Schnieder: Wirtschaft hat oberste Priorität

Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat am Dienstag seine erste Regierungserklärung im Landtag gehalten. Wichtigste Themen waren Wirtschaft und Bildung.

RLP

Erste Regierungserklärung von Gordon Schnieder Der Ministerpräsident, der keine Wunder verspricht

Gordon Schnieder beginnt seine Amtszeit mit einer ungewöhnlichen Botschaft: Politik kann nicht alles sofort lösen. Seine erste Regierungserklärung ist ein Plädoyer für Geduld, Planung und politische Nüchternheit.

RLP

Neues "Schwarzbuch" vom Bund der Steuerzahler Steuergelder verschwendet? Sonderurlaube für Spitzenbeamte in RLP bis zur Pension

Der Bund der Steuerzahler hat sein "Schwarzbuch" mit Fällen veröffentlicht, in denen seiner Ansicht nach Geld verschwendet wird. Beispiel: Sonderurlaub statt Kündigung bei Top-Beamten. 

RLP

Umstrittene Regelung Keine Ermittlungen wegen Sonderurlaubs für Spitzenbeamte in RLP

Im Streit um Sonderurlaub für Spitzenbeamte in Rheinland-Pfalz wird es kein Ermittlungsverfahren geben. Das hat die Staatsanwaltschaft Mainz entschieden.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Gernot Ludwig
SWR-Redaktion Landespolitik Gernot Ludwig

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!