Die ersten Schnupfennasen in Kindergarten und Schule wurden schon gesichtet. Und der eine oder andere hat sich mit Halsschmerzen und Wärmflasche bereits aufs Sofa verzogen. Die ersten kommen leicht kränkelnd zur Arbeit - oder bleiben gleich zuhause. Wie sich also vorbereiten auf die neue Erkältungssaison? Fragen und Antworten zum Thema.
- Hat uns die Erkältungswelle in RLP schon erreicht?
- Wann geht die Erkältungssaison so richtig los?
- Spielt Corona noch eine Rolle?
- Wann sollte ich mich auf Corona testen?
- Wie gefährlich ist die "echte" Grippe?
- Wann sollte ich mich impfen lassen und gegen was?
- Wie stärke ich mein Immunsystem?
Hat uns die erste Erkältungswelle der Saison in Rheinland-Pfalz schon erreicht?
"Es geht jetzt langsam los", bestätigt Dr. Barbara Römer, Hausärztin in Saulheim und 1. Vorsitzende des Hausärzteverbands in Rheinland-Pfalz auf SWR-Anfrage. "Aber auf niedrigem Niveau". Also ein typischer saisonbedingter Anstieg bei den akuten Atemwegserkrankungen, bei denen verschiedene Viren die Schleimhäute befallen. Auch das Coronavirus fällt darunter.
Bundesweit haben in der statistisch zuletzt erfassten Kalenderwoche 37 (8. bis 14. September) 828 Personen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wegen eines solchen Atemwegsinfekts einen Haus- oder Kinderarzt besucht. Im Vergleichszeitraum 2024 waren es 1.084. In Rheinland-Pfalz sind es mit 1.233 derzeit überdurchschnittlich viele.
"Es ist schwierig, diese Zahl in Rheinland-Pfalz zu erklären", heißt es vom Robert Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage. Denn die statistische Erfassung von akuten Atemwegsinfekten durch die Praxen erfolge freiwillig. "Es könnte aber durchaus sein, dass das vergleichsweise frühe Ende der Sommerferien in Rheinland-Pfalz eine Rolle spielt", so RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher.
Tatsächlich vervielfältigen sich im Alltag dann wieder die Kontakte. Die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern hatten erst am 13. beziehungsweise 15. September Ferienende, Rheinland-Pfalz bereits am 15. August.
Wann geht die Erkältungssaison so richtig los?
Erfahrungsgemäß gibt es ab der Kalenderwoche 40 (29. September bis 5. Oktober) einen deutlich sichtbaren Anstieg der Infekte, so das RKI. In den Herbstferien sinken die Zahlen dann nochmal. "Das ist wieder dieser Ferieneffekt", so Glasmacher. "Und dann so ab 45. oder 46. Kalenderwoche geht es richtig los." (3. November bis 16. November)
Spielt Corona noch eine Rolle?
Corona ist inzwischen ein Teil der großen Virenfamilie, die uns umgibt. Oder wie es die RKI-Sprecherin formuliert: "Corona ist ein fester Akteur auf dem Spielfeld." Doch aktuell gibt es deutlich weniger schwere Verläufe und Langzeitfolgen als noch vor etwa zwei Jahren. Dazu habe die hohe Immunität durch Impfungen und Infektionen in der Bevölkerung geführt. Harmlos ist eine Coronavirus-Infektion aber nach wie vor nicht. So gab es in den letzten sieben Tagen (Stand: 23.09.2025) in Rheinland-Pfalz 120 registrierte Neuinfektionen, wie aus einer Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Deutschlandweit wurden 834 neue Fälle und fünf Todesfälle gemeldet. Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind gefährdet, an Covid-19 mit schweren Verläufen zu erkranken.
Aktuell nimmt die Zahl der Coronainfektionen deutschlandweit wieder etwas zu. Das belegen Zahlen von GrippeWeb - einem Online-Portal des RKI, das die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland beobachtet. Dabei werden die Ergebnisse von Schnelltests direkt aus der Bevölkerung verwendet. Es wird insgesamt aber weniger getestet, deshalb sind Vergleiche mit Vorjahren schwierig.
Wann sollte ich mich auf Corona testen?
Wenn eine relevante Vorerkrankung besteht, macht ein Coronatest durchaus Sinn. Ärzte empfehlen dann einen Test, wenn das Ergebnis die Therapie beeinflusst. Außer dem Selbsttest gibt es nach wie vor den Weg über eine Praxis und dann ein Labor. Die über die Labore erfassten Fälle müssen gemeldet werden. Diese Fallzahlen steigen derzeit zwar wieder etwas an. Sie sind im Vergleich zu Vorjahren aber immer noch gering. Sicher auch, weil inzwischen wenige Tests die Labore erreichen. Laut RKI waren es in Rheinland-Pfalz in Kalenderwoche 37 dieses Jahres 137 Fälle, im Vergleichszeitraum des Vorjahres 277 und im Vergleichszeitraum 2022 noch deutlich mehr - nämlich 13.848.
"Die meisten Patienten, die zu uns in die Praxis kommen und typische Symptome haben, haben sich zuhause schon getestet", sagt Dr. Barbara Römer aus Saulheim. "Da freuen wir uns." Denn das beschleunige die Diagnose und mögliche Therapie.
Wie gefährlich ist die "echte" Grippe?
"Ich rechne mit einer starken Grippewelle in der kommenden Saison", so Hausärztin Römer. Der Grund: Durch das Coronavirus und das Masken-Tragen seien Grippeviren seit 2020 zurückgedrängt worden. "Die Grippe hat für viele ihren Schrecken verloren." Dabei sei sie für viele Menschen gefährlicher als eine Coronainfektion.
Die Grippe wird durch Influenza-Viren ausgelöst - nicht zu verwechseln mit den Viren von meist harmlosen grippalen Infekten, sogenannten Erkältungen. Bei Erkältungen können bis zu 200 verschiedene Erreger den Infekt verursachen. "Die Influenza ist eine schwere systemische Infektion, keine Erkrankung der Atemwege", betont Römer. Das werde oft durcheinander gebracht. "Die Leute mit Grippe sind echt fix und fertig - das vergessen sie auch nicht so schnell."
Corona hingegen bringe nicht immer schwere Infekte hervor. Viele Menschen seien in den letzten Jahren zudem durch Imfpung oder Infektion mit dem Virus in Kontakt gekommen und konnten ihr Immunsystem schulen. Mit dem Umgang von Grippeviren sei unser Immunsystem in den letzten fünf Jahren relativ ungeübt.
Wer sollte sich impfen lassen - und gegen was?
Noch wichtiger als die Corona-Impfung ist der Hausärztin Dr. Barbara Römer derzeit daher die Impfung gegen Influenza, die "echte" Grippe. Das sei aber vom Einzelfall abhängig und daher die individuelle Beratung in der Praxis wichtig.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt
- die Influenza-Impfung ("Echte" Grippe) unter anderem für alle Personen ab 60 Jahren, für alle Schwangeren ab dem 4. Monat und für alle Personen mit chronischen Erkrankungen.
- die Impfung gegen Covid-19 für alle besonders gefährdeten Personengruppen - ebenfalls jährlich zur Auffrischung. Daten zur Wirksamkeit zeigen demnach, dass der Impfschutz vor schwerer Erkrankung in der Regel mindestens zwölf Monate anhält. Vor einer Infektion hingegen gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Fachleute passen den Impfstoff jährlich an - man kann aber nicht vorhersagen, wie gut er wirkt.
- die RSV-Impfung für alle Personen ab 75 Jahren als einmalige Standardimpfung möglichst vor der RSV-Saison. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) kann besonders bei älteren Menschen zu schweren Erkrankungen der unteren Atemwege wie einer Lungenentzündung oder Bronchitis führen – oft in Verbindung mit Krankenhausaufenthalten.
Wie stärke ich mein Immunsystem?
Neben medizinischen Maßnahmen empfiehlt es sich aber auch, das Immunsystem des eigenen Körpers gegen Erkältungen und Influenza zu stärken. Die Krankenkasse AOK gibt hierzu einige Empfehlungen:
- Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für die reibungslose Funktion des Immunsystems. Besonders im Winter sollten Sie darauf achten, genügend Vitamine durch Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.
- Bewegung und sportliche Aktivität sind geboten, auch wenn es draußen kälter wird.
- Dauerhafter Stress schwächt die Abwehrkräfte. Entspannungsübungen oder Yoga können dabei helfen, Stress zu bewältigen.
- Alkohol- und Tabakkonsum sind nicht gesund für den Körper. Es empfiehlt sich deshalb immer, mit dem Rauchen aufzuhören. Alkohol sollten Sie wenn, dann nur in Maßen konsumieren.
- Gründliches Händewaschen ist die effektivste Art, sich vor Viren und anderen Krankheitserregern zu schützen. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen über die Hände.
- Auch Abhärten kann im Herbst und Winter helfen, den Körper fit zu halten. Wer beispielsweise viel barfuß geht, unterstützt die Temperaturregulierung und erkältet sich weniger schnell.