Herausforderung Leben in Dunkelheit

Der Alltag einer Blinden mit Blindenhund in Kaiserslautern

Ohne Respekt, Rücksicht und akustische Signale geht gar nichts, sagt Gabi Brehm. So geht der richtige Umgang mit blinden Menschen und ihren Blindenhunden.

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Von Autor/in Alexandra Dietz

Für Gabi Brehm beginnt der Tag wie für viele in Kaiserslautern auch, trotzdem ist für sie alles anders. Neben ihr sitzt Hündin Maja, ihr insgesamt dritter Blindenhund. Maja ist ihr Augenlicht. Denn die 57-Jährige kam mit einer Netzhauterkrankung zur Welt und konnte als Kind noch sehen, aber schon schlecht. Heute erkennt sie nur noch hell und dunkel.

Alltag ohne Augenlicht: Hindernisse in Kaiserslauterns Innenstadt

Für blinde Menschen wie Gabi Brehm ist der Alltag in einer Stadt wie Kaiserslautern mit besonderen Herausforderungen verbunden. Unebene Gehwege, Baustellen, laute Geräusche oder schlecht platzierte Hindernisse können schnell zur Gefahr werden. Orientierung erfolgt oft über Geräusche, Bodenstrukturen oder den Einsatz ihres Blindenstocks – und natürlich mithilfe ihrer Blindenhündin Maja. Blumenkübel, Bäume und vor allem auch temporäre Baustellenschilder können schnell zum Hindernis werden. Da können auch die bekannten Wege herausfordernd werden. Dank Maja geht es aber immer irgendwie drum herum.

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Blindenhündin Maja: Mehr als nur ein Begleiter

Ein Blindenhund ist kein Haustier, vielmehr ein lange ausgebildeter und hochtrainierter Assistenzpartner. Die Hündin hilft der 57-Jährigen sicher durch den Straßenverkehr zu navigieren, Hindernisse zu umgehen und alltägliche Wege zu meistern. Besonders wichtig ist es für die gelernte Masseurin, dass ihre Hündin während der Arbeit nicht abgelenkt wird. Auch wenn Maja noch so süß ist und am liebsten von jedem geknuddelt werden will. Sie muss ihre Aufgabe erfüllen, zur Sicherheit ihres Frauchens. Sobald das Blinden-Geschirr angezogen ist, heißt es höchste Konzentration. Die Hündin ist aber auch nicht 24 Stunden am Tag im Einsatz, bei Spaziergängen darf sie auch mal von der Leine und herumtollen.

Begegnungen mit Menschen: Von übereifrig bis Ignoranz ist alles dabei

"Viele Menschen wollen helfen – und das ist schön", erzählt Gabi Brehm. "Aber oft wissen sie nicht wie." Manche greifen plötzlich nach ihrem Arm, andere sprechen laut oder überdeutlich. Wieder andere ignorieren sie komplett. Dabei ist es so simpel: Ein kurzes "Kann ich helfen?" reicht. Ein Moment des Respekts, der entscheidet, ob Hilfe gut gemeint – oder gut gemacht ist.

Ohne Blindenhündin Maja wäre Gabi Brehm aus Kaiserslautern oft aufgeschmissen im Alltag in Kaiserslautern.
Der Alltag als blinder Mensch ist nicht nur in Kaiserslautern eine Herausforderung. Blindenhündin Maja ersetzt Gabi Brehms Augen.


So verhält man sich richtig im Umgang mit Blinden

Im Umgang mit blinden Menschen gilt: Im besten Fall immer erst fragen, dann handeln. Gabi Brehm freut sich persönlich immer darüber, wenn ihr Passanten freundlich Hilfe anbieten. Wenn sich jemand aufdrängt, sei das aber auch schon mal unangenehm, gibt sie zu. Sie sagt prinzipiell, wenn sie auf Hilfe angewiesen ist. Wenn sich beispielsweise jemand einhakt, direkt und klar anspricht, was als nächstes passiert, um Missverständnisse und Gefahrensituationen zu vermeiden, kann das enorm helfen. Vor allem auf unbekannten Wegen, denn die Hündin kennt nur antrainierte und bekannte Wege.

Diese Fehler sollten bei Blinden vermieden werden

Ein absolutes No-Go ist es für die 57-Jährige wenn jemand ihre Blindenhündin einfach ungefragt anspricht, krault oder auch füttert. "Oh, ist der süß!" Das hört Gabi Brehm immer wieder, vor allem im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Dann reagiert sie immer schnell und sagt in einem freundlichen aber bestimmten Ton: "Bitte nicht streicheln, er arbeitet." Nach einem dreiviertel Jahr im Dienst als Blindenhündin lässt sich Maja aber ab und zu noch ablenken, aber "das wird schon weniger", sagt ihr Frauchen. "Viele vergessen halt, dass sie kein Haustier wie andere Hunde ist."

Wunsch nach mehr Inklusion in Kaiserslautern

Inklusion beginnt im Kleinen – durch Aufmerksamkeit, Respekt und gegenseitiges Verständnis, betont Gabi Brehm. In der Stadt Kaiserslautern wünscht sie sich noch mehr barrierefrei gestaltete Flächen. Und weniger unnötige Hindernisse auf den Gehwegen. Außerdem auch Aufklärung und rücksichtsvolles Verhalten aller Bürgerinnen und Bürger. "Ich wünsche mir keine Sonderbehandlung", sagt sie. "Nur ein bisschen mehr Aufmerksamkeit." Es sind die kleinen Dinge: ein freier Gehweg, ein angesagter Halt im Bus, eine respektvolle Frage. Kaiserslautern ist für sie Heimat – mit all seinen Ecken, Geräuschen und Herausforderungen. Und so geht Gabi Brehm Schritt für Schritt durch eine Welt, die man nicht sehen muss, um sie zu erleben, betont die Westpfälzerin.

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Autor/in
Alexandra Dietz
SWR-Reporterin Alexandra Dietz aus dem Studio in Kaiserslautern.

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