Das Feuer lodert; über ihm liegen Wildbratwürste und Rehsteaks auf dem Grill. Genüsslich schlagen die Jäger am Forstamt Johanniskreuz zu, bevor es für sie in den Wald auf einen Hochsitz geht. Es ist Mai – Zeit für die Maibock-Jagd. Doch heute gehen die Jäger nicht alleine. Sie werden von acht Neugierigen begleitet. Eine davon bin ich.
Einmal im Jahr bietet das Forstamt in Johanniskreuz (Landkreis Kaiserslautern) zusammen mit dem Haus der Nachhaltigkeit an, dass Menschen mit Neugier auf die Jagd eine Jägerin oder einen Jäger begleiten. Beim sogenannten Ansitzen, also dem geduldigen Warten auf einem Hochsitz, um Wild zu beobachten oder zu erlegen, sind sie dabei.
Eine Vorstellung davon, was mich erwartet, habe ich nicht wirklich. Die anderen Teilnehmenden schon: "Ich bin hier, weil ich wissen will, wo dieses leckere Fleisch herkommt", sagt Michael. "Und dann muss man auch in der Lage sein, die Art und Weise der Herstellung oder Zubereitung durchzustehen." Stephan ist einfach nur neugierig. Mit der Jagd habe er bislang nicht viel am Hut. Und Maria ist mit ihrer ganzen Familie gekommen – alles Jäger. Jetzt will sie auch mal wissen, wie das so ist.
Ich bin inzwischen einfach gespannt, ob ich am Ende dabei sein werde, wenn ein Tier erschossen wird. Der Jäger, der mich mit auf seinen Hochsitz mitnimmt, ist Thomas Bublitz, der Forstamtsleiter. "Waidmannsheil", ruft er den anderen zu, und schon machen wir uns auf in den Wald. Der Hochsitz ist nicht so hoch, wie ich erwartet habe. Normalerweise sitzt man hier alleine; zu zweit ist es kuschelig. Ausgestattet mit Sitzkissen, Decken, Wärmebildkamera, Fernglas und einem Gewehr richten wir uns ein. Und dann heißt es: Warten!
Auf dem Hochsitz: Eine Jagd im Warten
Es ist 18 Uhr; bis es dunkel ist und wir gehen müssen, sind es noch drei Stunden. Und in der Dunkelheit kann man das Wild nicht richtig "ansprechen" – so nennt die Jagd die genaue Beurteilung eines Tieres vor dem Schuss: Art, Geschlecht, Alter, Gesundheit. Erst wer ein Tier richtig einschätzen kann, darf schießen. Fehlschüsse und unnötiges Leid sollen so ausgeschlossen werden.
Durch die Eisheiligen weht ein kalter Wind, es hat neun Grad, und immer wieder gibt es Starkregen an diesem Tag. "Es sind heute keine optimalen Bedingungen", sagt Bublitz. "Bei diesem Wetter würden wir ja auch lieber auf dem Sofa bleiben, und so geht es auch den Tieren – aber vielleicht haben wir Glück, und die Tiere können durch den Regen schlechter hören und riechen." Beim Ansitzen komme es auf die richtige Windrichtung an, damit die Tiere die Jäger nicht riechen können, sowie auf Ruhe und Geduld. Letzteres wird schwer für mich, also hoffe ich auf die richtige Windrichtung. Drei Schneisen in den Wald können wir von unserem Hochsitz aus beobachten.
Es dauert nicht lange, da ist ein dumpfer Schlag zu hören. "Wenn das häufiger hintereinander wäre, könnten es Wildschweine sein", sagt Bublitz. Aber es sei ein abgestorbener Ast gewesen, der durch das Wetter von einer Baumkrone auf den Boden gefallen ist. "Sehr gefährlich und eine immer schlimmer werdende Folge des Klimawandels." Direkt darauf fällt ein weiterer Ast direkt vor unserem Hochsitz. "Das kann tödlich enden", so der Jäger. Ich starre auf die Stelle, wo er aufgekommen ist, und versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken.
Jagderfolg? Ein Schuss schallt durch den Pfälzerwald
Wir warten weiter, und nach den Regenwolken kommt die Sonne raus. "Das ist gut, die Lichtungen trocknen durch die Sonne eher als das Walddickicht, und die Tiere zeigen sich vielleicht", sagt er. Eine Stunde ist inzwischen vergangen. Außer Rehen dürfen zu dieser Zeit Rotwild, Damwild, Wildschweine, invasive Arten wie Waschbären und Wildkaninchen gejagt werden. Doch nichts davon zeigt sich, und die Dämmerung bricht an. "Mit dem Fernglas ist es jetzt besonders wichtig, die Ränder der Schneisen abzusuchen – dort könnten wir Erfolg haben", so Bublitz. Also nehme ich das Fernglas und suche los.
Doch plötzlich: Ein lauter Knall, und ich schaue ihn an. "Das war ein Schuss!" Vielleicht hatte ein anderer Jäger Erfolg auf seinem Hochsitz. Für unsere Jagd bleibt uns noch eine Stunde. Ein starker Regen prasselt auf uns herunter. "Na toll", denke ich und versuche tapfer, die Hoffnung noch nicht aufzugeben. Lange tropft es noch im Wald nach, auch wenn der Regen schon vorbei ist. Nervös blickt auch der Jäger auf seine Uhr: 20:45 Uhr. "In zehn Minuten sehen wir nichts mehr", sagt er. Und dann dreht auch noch der Wind und zieht jetzt von hinten in den Hochsitz, direkt in die Waldschneisen vor uns – wahrscheinlich mit unserem Geruch. Wir brechen ab.
Kein Reh: Doch woher kam der Schuss im Pfälzerwald?
Ob so ein Abend ein Misserfolg sei, möchte ich von ihm wissen. "Nein, wir haben ja Tiere gesehen – Rotkehlchen, Zaunkönige und Kolkraben", sagt er. "Wir haben einen schönen Abend hier auf der Kanzel verbracht. Auch wenn wir kein Wild gesehen haben." Man brauche in der Regel auch vier bis fünf Versuche. "Und beim nächsten Mal sieht es vielleicht ganz anders aus." Also packen wir ein und klettern vorsichtig die nasse Leiter des Hochsitzes herunter.
Die Jagd sei wichtig, so Bublitz. "Unser Wald wächst, und dafür ist es ganz wichtig, dass wir angepasste Wildbestände haben." Damit der Wald auch im Klimawandel resilient sei. "Dafür gehen wir raus und schießen zum Beispiel Rehe."
Dann fällt mir der Schuss von vor einer Stunde ein. Ob jemand anderes bei einem Abschuss dabei war? Die Antwort hängt in der Tür der Kühlkammer: ein Reh, bereits aufgebrochen und ausgenommen. Still, kopfüber, die Vorderbeine leicht gespreizt. Und im Maul einen kleinen Zweig.
Der letzte Zweig – die letzte Ehre
Ich frage den Jäger, der heute Abend geschossen hat, was das bedeute. Uli Utzinger sieht mich an. "Es ist, um dem Tier die letzte Ehre zu erweisen", sagt er. Ein Brauchtum, das auch anderen im Wald zeige, dass das Tier rechtmäßig erlegt und nicht gewildert wurde. Ich stehe vor dem Reh und weiß immer noch nicht genau, wie ich das hier alles finde.
Martin war auf dem Hochsitz dabei, als der Schuss fiel. Laut sei es gewesen. "Wir haben ziemlich lang erst mal geguckt, ob das auch schießbar ist. Dann haben wir auf die richtige Position gewartet", sagt er. Essen möchte er das Reh jetzt nicht. Es bleibt der einzige Jagderfolg an diesem Abend. Und so gehen alle nach Hause – auch ich – und bin eine Erfahrung reicher.