Journalist Theo Heyen hat für die SWR-Doku "Inside AfD" in Gauersheim recherchiert. Im Interview erzählt der Autor, warum er die Stimmung im Ort als angespannt erlebt, was ihn an den Recherchen verblüfft hat – und warum er von einem "wachsenden Schweigen" spricht.
SWR: Herr Heyen, Sie waren für die Doku mehrfach in Gauersheim im Donnersbergkreis unterwegs. Wie haben Sie die Stimmung dort erlebt?
Theo Heyen: "Die Stimmung war angespannt, gerade am Anfang, als ich da war. Das hing aber auch damit zusammen, dass schon sehr viele Journalisten vor Ort gewesen sind und das ist für so einen kleinen Ort dann auch immer etwas, was noch ein bisschen mehr Brisanz reinbringt. Das hat sich dann mit der Zeit gelegt, als die Leute mich kennengelernt haben und ich öfter da war.
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"Tritt aus der Kirche aus." Mit solchen Aufrufen greift die AfD die Kirche an. Gleichzeitig attackiert sie die Presse. Beispiele aus RLP zeigen, wie die AfD mit Kritikern umgeht.
SWR: Seit die AfD ihren Treffpunkt Nordpfalz in Gauersheim im Donnersbergkreis eröffnet hat war schon mehrfach von einer Spaltung im Ort die Rede. Haben Sie das auch so erlebt?
Theo Heyen: "Ja, das haben mir die Leute auch selber gesagt. Es gab auch Leute, die gesagt haben: 'Bei uns ist alles in Ordnung'. Aber wenn man länger mit den Leuten gesprochen hat, dann kam es doch immer mehr raus, dass sie es bedauert haben, dass sich da doch was geändert hat.
SWR: Was genau hat sich geändert?
Theo Heyen: "Dass untereinander nicht mehr gesprochen wird. Also pro-AfD oder kontra-AfD, man redet kaum noch miteinander. Das haben alle Lager eigentlich bestätigt, dass es da so ein wachsendes Schweigen gibt, so würde ich das nennen. Dass man versucht, möglichst nicht über Dinge zu reden, weil man Angst hat, dass man sich noch mehr zerstreitet.
SWR: Worum geht es in der Doku "Inside AfD"?
Theo Heyen: "Wir haben eigentlich nicht viel mehr gemacht als das, was die AfD und vor allem was Alice Weidel immer von sich gibt. Nämlich, dass sie sehr viel Wert auf Meinungsfreiheit legt. Das haben wir einfach nur beim Wort genommen und mal geschaut, wie es die AfD selbst hält mit Meinungsfreiheit. Vor allem dann, wenn Leute auf die AfD zugingen mit Meinungen, die nicht unbedingt der offiziellen Parteilinie entsprechen."
SWR: Welche Strategie der AfD beobachten Sie im ländlichen Raum wie in Gauersheim?
Theo Heyen: Die AfD möchte ganz gerne den Diskurs beherrschen. Sie möchte gerne Thema Nummer eins sein in den Orten auf dem Land, so kommt es mir vor. Und die AfD möchte gerne bestimmen, worüber gesprochen wird. Sie möchte so eine Präsenz zeigen, dass möglichst alles andere an die Wand gedrückt wird, um es mal ganz drastisch zu formulieren
"Letztendlich ist es so, dass die AfD so tut, als wenn in Gauersheim nichts los wäre, als ob sie da überhaupt wieder die Dorfkultur beleben müsste. Das ist Quatsch!"
SWR: Kann die Situation in Gauersheim eine bundesweite Signalwirkung haben?
Theo Heyen: Ja, letztendlich ist es aber auch so, dass die AfD da eine Lücke füllt, die andere Parteien hinterlassen haben. Früher waren die großen Parteien wie CDU oder SPD in jedem kleinen Ort auch vertreten. Die waren präsent. Das sind sie nicht mehr. Und diese Lücke füllt die AfD. Da müssen sich die großen Parteien auch fragen, ob sie nicht wieder ein bisschen aktiver werden müssten. Das betrifft jetzt die parteipolitische Ebene.
Bei den anderen Sachen ist es schwierig zu sagen. Letztendlich ist es aber auch so, dass die AfD so tut, als wenn in Gauersheim nichts los wäre, als ob sie da überhaupt wieder die Dorfkultur beleben müsste. Das ist Quatsch. Also wenn man sich in Gauersheim umschaut und umhört, dann finden genug Sachen statt. Die Leute sind sehr aktiv da. Das Dorf ist sehr lebendig. Das ist, glaube ich, auch der beste Schutz, den man eigentlich haben kann: Selber etwas zu tun.