SWR Story: "Inside AfD - Der Umgang mit Kritikern"

Wie Kirche und Presse Zielscheibe der AfD werden 

"Tritt aus der Kirche aus." Mit solchen Aufrufen greift die AfD die Kirche an. Gleichzeitig attackiert sie die Presse. Beispiele aus RLP zeigen, wie die AfD mit Kritikern umgeht.

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Von Autor/in Theo Heyen, Marilina Görz y Moratalla

Gauersheim im Donnersbergkreis: ein 650-Einwohner-Dorf, durch das ein tiefer Riss geht. Im Sommer 2025 hatten AfD-Anhänger dort eine Kneipe übernommen und als "Treffpunkt Nordpfalz" zum Parteilokal umfunktioniert. Manche ärgern sich, dass jetzt nur noch über die AfD gesprochen wird. Andere wiederum sagen, das sei doch das Ziel der Partei, dass sie im Mittelpunkt stehe.

So tief spaltet die AfD Gauersheim

Der Pastor sagt, er mache sich Sorgen über Risse in der Gemeinschaft. Vor der Kamera möchte er nicht darüber reden. Manche aus den Nachbardörfern sprechen dagegen offen.

"Man kriegt es natürlich mit", erzählt eine Gottesdienstbesucherin. "Und die Nachbarn, die sind tatsächlich teilweise so zerstritten, dass die nicht mehr sich grüßen, nicht mehr reden." Ein Mann ergänzt: "Es tut dem Ort nicht gut. Es wird noch lange dauern, ist meine Befürchtung."

Die Menschen in Gauersheim im Donnersbergkreis sind wegen der AfD im Ort gespalten.
Die Menschen in Gauersheim im Donnersbergkreis sind wegen der AfD im Ort gespalten.

Katholische und Evangelische Kirche sorgen sich

In der kleinen Gemeinde gibt es AfD-Sympathisanten und AfD-Kritiker, keine einfache Situation für den Pastor. Hinzu kommt noch, dass von Seiten der AfD die Amtskirchen immer häufiger angegriffen werden. Wie stehen die Kirchen zu dem Konflikt?

Ein Besuch in Speyer, bei Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Dorothee Wüst, der Präsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie sind beide auch für die Gemeinde Gauersheim zuständig. Angriffe der AfD erleben sie häufiger, vor allem über Social-Media-Beiträge.

Bischof Wiesemann und Kirchenpräsidentin Wüst
Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst erleben vor allem auf Social Media Angriffe der AfD auf ihre Kirchen.

Kirchenaustritt laut AfD "Dienst an der Demokratie"

So ruft Miguel Klauß, Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg, bei TikTok dazu auf: "Ich appelliere an alle: Geht zum Rathaus und tritt aus der Kirche aus. Das könnt ihr beim Rathaus machen. (...) Tretet aus, zeigt ein Zeichen, es ist wichtig für die Demokratie."

Dass aber aus der Kirche auszutreten, als Dienst an der Demokratie zu beschreiben, das klingt für mich natürlich relativ widersinnig von einer Partei, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie ganz verstanden hat, was Demokratie eigentlich bedeutet.

"Zunächst mal hab ich ehrlich gesagt lachen müssen", erzählt Kirchenpräsidentin Wüst. "Das finde ich schon irgendwie kurios." Klauß' Aussage sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt, der Appell klinge für sie aber "relativ widersinnig von einer Partei, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie ganz verstanden hat, was Demokratie eigentlich bedeutet."

Gauersheim

Interview zu neuer SWR-Doku "Inside AfD": Was ein Dorf im Donnersbergkreis über den Umgang der Partei mit Kritikern zeigt

Theo Heyen war für "Inside AfD" in Gauersheim unterwegs. Im Interview spricht er über Anspannung, Schweigen und den Umgang der AfD mit Kritik.

"Gift" in Gauersheim "muss raus"

Beide Kirchen sind besorgt über das, was in Gauersheim passiert. Die Spaltung sozialer Gemeinschaften widerspreche den Grundsätzen so ziemlich aller Religionen der Welt. Bischof Karl-Heinz Wiesemann findet: "Wenn man schon gar nicht mehr wagt, auch in einem dörflichen Miteinander noch miteinander zu reden, da wo man eigentlich so Nachbarschaft zu Nachbarschaft früher mit Selbstverständlichkeit praktiziert hat, dann ist ja was krank."

So könne man nicht Zukunft miteinander gestalten. Das große Problem seien "die, die dieses Gift vielleicht auch sogar bewusst säen, um über Emotionalitäten her hier politische Stimmungen zu machen." Für den Bischof ist klar: "Dieses Gift muss da raus."

Unbequeme Presse? AfD ruft zu Abo-Kündigungen auf

Die AfD versucht nicht nur, das Vertrauen der Menschen in die Kirche zu untergraben - auch die Presse ist Zielscheibe der Partei. So hat die Mainzer Allgemeine Zeitung (AZ) mehrfach über die Ereignisse in Gauersheim berichtet. Das hat dem Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier nicht gefallen.

In seinem Instagram-Post ruft der AfD-Bundestagsabgeordnete Münzenmaier dazu auf, Abos bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung zu kündigen.
In seinem Instagram-Post ruft der AfD-Bundestagsabgeordnete Münzenmaier dazu auf, Abos bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung zu kündigen.

Münzenmaier fordert in einem Instagram-Post seine Follower auf, das Abo der Regionalzeitung zu kündigen. "Deswegen hier der Aufruf: Jeder, der sein Abo der AZ kündigt und mir rüberschickt, kriegt von mir ein kleines Überraschungspaket. Sorgen wir dafür, dass dieses Lügenblatt pleitegeht."

AfD droht der Presse

Für Markus Linden, Politikwissenschaftler an der Universität Trier, sind solche Aufrufe eindeutig Grenzverletzungen. "Denn es ist einmalig in der bundesrepublikanischen Geschichte aus meiner Perspektive, dass ein Bundestagsabgeordneter dazu aufruft, eine Zeitung zu ruinieren." Der Subtext laute: "Wenn wir dran sind, dann werden wir euch verbieten."

Prof. Markus Linden von der Universität Trier
Professor Markus Linden von der Universität Trier beschäftigt sich mit Rechtspopulismus und mit der AfD.

Allgemeine Zeitung wehrt sich gegen AfD

Dennis Rink, der Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung, hat Sebastian Münzenmaier nicht verklagt, sondern ihm mit einem Kommentar Kontra gegeben. Beim Schutz für seine Mitarbeiter jedoch setzt Rink Anwälte ein.

"Der Kollege, der dort vor Ort berichtet hat, ist in den sozialen Medien mit Bild als Faschist und als Linker bezeichnet worden und auch in dieser Community der AfD dementsprechend auch in den Kommentarspalten dann beleidigt worden. Das haben wir angezeigt, polizeilich, haben es auch unserem Medienanwalt übergeben."

Dennis Rink, Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung
Dennis Rink, Chefreakteur der Allgemeinen Zeitung, muss seine Mitarbeitenden vor Anfeindungen durch die AfD schützen

Umgang mit AZ-Journalist ging "mehrere Schritte zu weit"

Das Erste, was die Zeitung gemacht hat: Auskunftssperren beim Einwohnermeldeamt für die Privatadressen der Redakteure zu beantragen. Das Zweite: Kennzeichen sperren. "Weil wir dort aus dem AfD-Umfeld auch schon gehört haben, dass über einen fingierten Unfall mit Nennung des Kennzeichens dann nach der Adresse gefragt wird." Angeblich wolle man mit dem Autohalter, den man geschädigt habe, in Kontakt treten.

Rink betont: Der von der AfD attackierte Kollege sei nicht nur Redakteur, sondern auch ein Mensch mit Privatleben und Kindern. Wie die AfD mit ihm umgangen sei, "das war für uns mindestens ein Schritt, eigentlich sogar mehrere Schritte zu weit."

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Theo Heyen
Marilina Görz y Moratalla
Onlinefassung
Sibille Lozano
Bild von Sibille Lozano, Redakteurin bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz

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