Als Alexander Ehl vom Kreis Cochem-Zell nach Koblenz gezogen ist, hatte er plötzlich ein Problem: Wo sollte er sein E-Auto laden? Zuvor ging das bequem zuhause auf dem Land, doch in der dicht besiedelten Koblenzer Vorstadt war das auf einmal gar nicht mehr so einfach. In dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, gab es keine eigene Wallbox. Und eine öffentliche E-Ladestation in der Nähe auch nicht.
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Ehl hat das Problem selbst in die Hand genommen
Alexander Ehl verkaufte daraufhin sein E-Auto. Trotzdem wollte er die E-Mobilität in seinem neuen Viertel voran bringen: "Denn in der südlichen Vorstadt wohnen alleine über 11.000 Menschen, hatte ich gesehen." Über eine Nachbarschafts-App fragte er, ob andere Anwohner mit einem E-Auto Bedarf an einer Ladestation hätten. Mehrere Nachbarn meldeten sich daraufhin bei ihm.
Und weil der 32-Jährige bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz arbeitet und täglich mit E-Mobilität zu tun hat, wusste er, was zu tun ist. Die Energieversorgung Mittelrhein (evm) sei auf seinen Vorschlag aber nicht sofort eingegangen, sagt er. Deshalb machte er sich auf die Suche - und fand den Anbieter Wirelane.
Firma aus München baut E-Ladestation in Koblenz
Das Unternehmen aus München ist als einer von wenigen Anbietern spezialisiert auf Normalladestationen mit 22 kW Leistung in Wohngebieten. Bevor es aber zusagte, eine in der südlichen Vorstadt in Koblenz zu bauen, brauchte es die Hilfe von Alexander Ehl. Er suchte für die Firma einen geeigneten Standort - und wurde in der Kurfürstenstraße fündig: "Ich habe diesen Standort vorgeschlagen, Fotos gemacht, Maße durchgegeben." Und kurz daraufhin wurde die Ladestation gebaut.
Ich habe diesen Standort vorgeschlagen, Fotos gemacht, Maße durchgegeben.
Genau so sollte es im Idealfall laufen, sagt Wirelane auf SWR-Anfrage: "Die Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, Vorschläge für Ladepunkte einzureichen, ist ein äußerst wertvoller Beitrag, um wichtige und bedarfsgerechte Standorte in Wohngebieten zu identifizieren und passende Ladeinfrastruktur zu schaffen". In Rheinland-Pfalz hat das Münchner Unternehmen bislang aber nur wenige Ladepunkte gebaut.
Ehl: Ladestation war innerhalb weniger Wochen da
Auch Alexander Ehl findet, dass alles prima gelaufen ist. Es habe nur wenige Wochen nach dem Antrag gebraucht, bis die Ladestation stand, sagt er. Das sei ein Vorteil der Normalladestationen, betont auch Wirelane: Anders als andere E-Ladestationen könne man sie ohne großen Aufwand ans öffentliche Stromnetz anschließen, "wodurch sich die Installation deutlich beschleunigt und der Baustellenumfang erheblich reduziert." Weder die Stadt noch die Anwohner mussten laut Wirelane dafür etwas bezahlen.
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Ehl: Ladestation wird seitdem gut genutzt
Alexander Ehl sieht inzwischen täglich, wie gut die E-Ladestation genutzt wird: "Da steht sehr oft jemand dran und lädt", sagt er. So gut, dass inzwischen auch der lokale Netzbetreiber evm in unmittelbarer Nähe dazu eine eigene Ladestation aufgebaut hat. Und auch Alexander Ehl hat sich inzwischen wieder ein neues E-Auto bestellt. Dann kann er bald auch selbst "seine" Ladestation nutzen.