In der Pfarrkirche Liebfrauen in Oberwesel stehen mehrere Kisten voller Kreuze und Kruzifixe, Weihwasserbecken, Rosenkränze, Jesus- und Marienstatuen. Pfarrer Joachim Fey sagt, im Pfarrhaus lagere noch deutlich mehr.
Einige Gegenstände sehen aus, als hätten sie schon länger in einem Keller gestanden, wie ein Karton voller Holzstatuen - allesamt verstaubt und dreckig. Andere Dinge wirken fast unbenutzt, wie ein silbernes Tablett mit passenden Schalen und Kruzifix - eine sogenannte Versehgarnitur, gedacht für die Kranken- und Sterbesalbung.
Kreuze wegschmeißen, fühlt sich für viele falsch an
Jeder dieser Gegenstände hat eine Geschichte, sagt Pfarrer Joachim Fey. Manchmal erzählen ihm die Leute von den Dingen, "die der Generation vorher - der Oma - noch heilig waren. Der Rosenkranz, den sie immer gebetet hat, woran sich die Menschen auch erinnern." So etwas einfach weg zu schmeißen, fühlt sich für viele falsch an - unabhängig davon, ob sie selbst religiös sind oder nicht.
"Ich bin immer wieder angesprochen worden: Herr Pastor, wir haben hier noch ein Kreuz und ein Weihwasserbecken aus der Wohnung der Oma, was machen wir denn damit? Und ich habe damals spontan gesagt: bringen Sie es mir einfach." Pfarrer Fey will den Menschen so eine Hilfestellung geben.
Pfarrer Joachim Fey: Kirche ist für gesegnete Gegenstände zuständig
Aber in gewisser Weise sieht er die Kirche auch in der Pflicht: "Mir fiel dieser Tage ein, dass Elektrofirmen das auch machen und die Waschmaschine zurücknehmen. Da dachte ich, ja, so ähnlich ist das bei uns auch." Die Kirche habe die Kreuze zwar nicht verkauft, aber ihnen durch die Segnung einen tieferen Gehalt und eine besondere Widmung gegeben. "Und für diesen Segen sind wir als 'Firma' Kirche, glaube ich, immer noch zuständig."
Religiöse Gegenstände werden zu neuen Kunstwerken
Darum werden die Gegenstände noch bis Pfingsten in den zwei katholischen Kirchen und dem Pfarramt in Oberwesel gesammelt. Danach landen sie aber nicht einfach auf dem Müll. Pfarrer Joachim Fey plant zusammen mit einem Künstler einen Workshop im Sommer. Dabei können Interessierte aus den Gegenständen neue Kunstwerke machen. Fey hat das bereits 2015 schon einmal in Bendorf gemacht. Er sieht das als eine Art von "religiösem Recycling".
Beim ersten Mal sei es den Teilnehmern in Bendorf erst ein wenig schwer gefallen, beispielsweise Kruzifixe zu zerlegen oder zu verändern. "Dürfen wir das denn überhaupt?" Fey ist der Meinung: "Ja, man darf das, wenn das in der angemessenen Weise geschieht. Ich bin das lebendige Beispiel dafür: Es trifft einen nicht der Fluch." Am Ende seien damals mehrere besondere Kunstwerke entstanden: Ein großer Osterkerzenleuchter aus Kreuzen und eine Weltkugel, zusammengehalten von Christusfiguren.
Übriggebliebenes wird beerdigt
Gegenstände, die nicht verwendet wurden, seien anschließend feierlich beerdigt worden, erzählt Pfarrer Joachim Fey: "Sie wurden zum Beispiel in besonders schöne Tücher eingenäht und dann in einem Grab in einem Gartengelände beerdigt. Dabei haben wir auch gesungen und gebetet - das war eine würdige Form der Verabschiedung." Außerdem habe die Gruppe auch einige übrig gebliebene Kreuze als eine Art Osterfeuer verbrannt.
Pfarrer Fey sagt, dass sich viele Menschen über das Angebot freuten. Sie seien sehr froh, die Gegenstände abgeben zu können und trotzdem sicher zu sein, dass sie würdig behandelt werden. "Die Gegenstände ruhen in der Erde. Und die vielen Gebete und Gedanken und Geschichten der Menschen sind - nach unserer Überzeugung - im Himmel angekommen."