Pfarrer rettet religiöse Gegenstände vor dem Müll

Religiöses Recycling in Oberwesel: Wie aus alten Kreuzen neue Kunstwerke werden

Die Pfarrei St. Nikolaus Mittelrhein-Höhe in Oberwesel sammelt religiöse Gegenstände, die die Besitzer nicht mehr haben wollen. Denn in den Müll werfen - das bringen viele nicht übers Herz.

Teilen

Stand

Von Autor/in Sarah Mauer

In der Pfarrkirche Liebfrauen in Oberwesel stehen mehrere Kisten voller Kreuze und Kruzifixe, Weihwasserbecken, Rosenkränze, Jesus- und Marienstatuen. Pfarrer Joachim Fey sagt, im Pfarrhaus lagere noch deutlich mehr.

Einige Gegenstände sehen aus, als hätten sie schon länger in einem Keller gestanden, wie ein Karton voller Holzstatuen - allesamt verstaubt und dreckig. Andere Dinge wirken fast unbenutzt, wie ein silbernes Tablett mit passenden Schalen und Kruzifix - eine sogenannte Versehgarnitur, gedacht für die Kranken- und Sterbesalbung.

In der katholischen Gemeinde Oberwesel wurden Marienfiguren abgegeben.
Die Figuren in dieser Kiste haben schon bessere Tage gesehen.

Kreuze wegschmeißen, fühlt sich für viele falsch an

Jeder dieser Gegenstände hat eine Geschichte, sagt Pfarrer Joachim Fey. Manchmal erzählen ihm die Leute von den Dingen, "die der Generation vorher - der Oma - noch heilig waren. Der Rosenkranz, den sie immer gebetet hat, woran sich die Menschen auch erinnern." So etwas einfach weg zu schmeißen, fühlt sich für viele falsch an - unabhängig davon, ob sie selbst religiös sind oder nicht.

Pfarrer Joachim Fey aus Oberwesel hält ein besonderes Kruzifix in Händen.
Pfarrer Joachim Fey mit einem besonderen Stück: Das Kruzifix scheint eine Handarbeit zu sein.

"Ich bin immer wieder angesprochen worden: Herr Pastor, wir haben hier noch ein Kreuz und ein Weihwasserbecken aus der Wohnung der Oma, was machen wir denn damit? Und ich habe damals spontan gesagt: bringen Sie es mir einfach." Pfarrer Fey will den Menschen so eine Hilfestellung geben.

Pfarrer Joachim Fey: Kirche ist für gesegnete Gegenstände zuständig

Aber in gewisser Weise sieht er die Kirche auch in der Pflicht: "Mir fiel dieser Tage ein, dass Elektrofirmen das auch machen und die Waschmaschine zurücknehmen. Da dachte ich, ja, so ähnlich ist das bei uns auch." Die Kirche habe die Kreuze zwar nicht verkauft, aber ihnen durch die Segnung einen tieferen Gehalt und eine besondere Widmung gegeben. "Und für diesen Segen sind wir als 'Firma' Kirche, glaube ich, immer noch zuständig."

Religiöse Gegenstände werden zu neuen Kunstwerken

Darum werden die Gegenstände noch bis Pfingsten in den zwei katholischen Kirchen und dem Pfarramt in Oberwesel gesammelt. Danach landen sie aber nicht einfach auf dem Müll. Pfarrer Joachim Fey plant zusammen mit einem Künstler einen Workshop im Sommer. Dabei können Interessierte aus den Gegenständen neue Kunstwerke machen. Fey hat das bereits 2015 schon einmal in Bendorf gemacht. Er sieht das als eine Art von "religiösem Recycling".

In Bendorf entstand aus den gesammelten Holzkreuzen unter anderem ein Osterkerzenleuchter.
Nach einer ähnlichen Sammelaktion in Bendorf entstand aus den gesammelten Holzkreuzen unter anderem ein Osterkerzenleuchter.

Beim ersten Mal sei es den Teilnehmern in Bendorf erst ein wenig schwer gefallen, beispielsweise Kruzifixe zu zerlegen oder zu verändern. "Dürfen wir das denn überhaupt?" Fey ist der Meinung: "Ja, man darf das, wenn das in der angemessenen Weise geschieht. Ich bin das lebendige Beispiel dafür: Es trifft einen nicht der Fluch." Am Ende seien damals mehrere besondere Kunstwerke entstanden: Ein großer Osterkerzenleuchter aus Kreuzen und eine Weltkugel, zusammengehalten von Christusfiguren.

Übriggebliebenes wird beerdigt

Gegenstände, die nicht verwendet wurden, seien anschließend feierlich beerdigt worden, erzählt Pfarrer Joachim Fey: "Sie wurden zum Beispiel in besonders schöne Tücher eingenäht und dann in einem Grab in einem Gartengelände beerdigt. Dabei haben wir auch gesungen und gebetet - das war eine würdige Form der Verabschiedung." Außerdem habe die Gruppe auch einige übrig gebliebene Kreuze als eine Art Osterfeuer verbrannt.

Pfarrer Fey sagt, dass sich viele Menschen über das Angebot freuten. Sie seien sehr froh, die Gegenstände abgeben zu können und trotzdem sicher zu sein, dass sie würdig behandelt werden. "Die Gegenstände ruhen in der Erde. Und die vielen Gebete und Gedanken und Geschichten der Menschen sind - nach unserer Überzeugung - im Himmel angekommen."

Bad Neuenahr

Fast fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr nach Renovierung wiedereröffnet

Die Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr wurde heute feierlich wiedereröffnet. Die Kirche war bei der Ahr-Flut 2021 schwer beschädigt worden und musste saniert werden.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz mit Sport SWR RLP

Wissen

Fünf Millionen Euro Sanierungskosten Drei Jahre nach Brandanschlag: Kirche in Wissen wurde wiedereröffnet

Der Schock in Wissen war damals groß, als ein Mann in der Kirche Feuer gelegt hatte. Jetzt haben die Menschen ihre Kirche zurück, nach einer aufwändigen und teuren Sanierung.

SWR4 am Dienstag SWR4

Bad Waldsee

Damit heilige Gegenstände nicht auf dem Müll landen Frau aus Bad Waldsee rettet heilige Gegenstände

Rosa Eisele sammelt christliche Gegenstände, die keine Verwendung mehr haben. Diese verkauft sie dann zum Beispiel für den guten Zweck oder vermittelt sie in ein neues Zuhause.

Koblenz

Neues Angebot des SWR Studios Koblenz Nachrichten aus der Region Koblenz jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Koblenz ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten aus dem Ahrtal, von Mosel und Rhein, dem Taunus und Westerwald.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sarah Mauer
Foto von Multimediareporterin Sarah Mauer

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!