Als am 4. Juni 2016 nach heftigem Starkregen der Leimersdorfer Bach anschwoll, stürzte die zweispurige Brücke der Landesstraße 79 zwischen Leimersdorf und Grafschaft-Birresdorf ein. Zehn Jahre später gibt es noch immer keinen Neubau. Weiterhin nur ein einspuriges Dauerprovisorium. Die circa 900 Einwohnerinnen und Einwohner von Birresdorf sowie zahlreiche Pendler leiden unter Staus und Konflikten um die Vorfahrt.
Anwohner sagen, sie fühlen sich am Rand von Rheinland-Pfalz vergessen
"Es ist wirklich ein Lachsack, wie viele Ämter da beteiligt sind und was für Begründungen", sagt uns ein Anwohner, der gerade mit seinem Auto vorbeifährt und warten muss, bis das Auto von der anderen Seite die Brücke überquert hat. Der Birresdorfer Christian Vormann blickt aus seinem Haus jeden Tag auf die Brücke, auch für ihn ist es ein Trauerspiel.
"Dass es zehn Jahre dauert, ist einfach völlig unverständlich, zumal halt jegliche Information fehlt, warum das so ist.“ Viele fühlen sich von Behörden und Politik im Stich gelassen. Er sagt, dass er und viele im Ort das Gefühl haben, hier am Rande von Rheinland-Pfalz vergessen zu werden. Die Birresdorfer kritisieren, dass sie über Jahre kaum informiert wurden, wie es weitergehen soll.
17 Behörden beteiligt - zu viel Bürokratie im Brückenbau?
Für den Ortsvorsteher Uwe Igelmund von der CDU ist klar, die Verzögerungen haben viel mit komplizierten Verfahren in den Behörden zu tun. "Nach unserem Kenntnisstand waren hier 17 Stellen beteiligt beim Genehmigungsverfahren. Und das hat aus unserer Sicht dieses ganze Genehmigungsverfahren blockiert und behindert und unnötig in die Länge gezogen."
Aus seiner Sicht ist die Birresdorfer Brücke ein Beispiel dafür, wie Infrastrukturprojekte in Deutschland ausgebremst werden können. Bei der Kundgebung am Samstag soll deshalb nicht nur der schnelle Wiederaufbau der Brücke gefordert werden, sondern gerade grundsätzliche Anpassungen bei bürokratischen Prozessen. Igelmund wünscht sich weniger beteiligte Behörden, einfachere Abläufe und mehr Transparenz.
Wie es mit der neuen Brücke weitergehen soll
Die spannende Entwicklung ist, dass wenige Tage vor der Kundgebung plötzlich Bewegung in den Wiederaufbau gekommen ist. Ein wichtiger Plangenehmigungsbescheid ging bei der Gemeinde ein. Damit kann das gesamte Brückenprojekt fortgesetzt werden. Schnell werden die Birresdorfer aber noch keine neue Brücke haben. Erstmal dürfen keine rechtlichen Schritte gegen den Bescheid eingereicht werden.
Bleiben diese aus, kann ein halbes Jahr für Förderanträge und Ausschreibungen anstehen. Danach kann erst die ungefähr zweijährige Bauphase beginnen. Für die Menschen in Birresdorf bedeutet das, dass im günstigsten Fall es noch mindestens zweieinhalb Jahre dauern wird. Die Kundgebung soll jetzt nochmal den Druck erhöhen. Sie findet am Samstag, 13. Juni 2026, ab 16 Uhr direkt im Bereich der Brücke in Grafschaft-Birresdorf statt.
Als Redner sind der Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft, Achim Juchem (CDU), und der rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Guido Orthen (CDU) angekündigt.