Wie die Schulpflicht durchgesetzt wird

Schulverweigerer: Wenn das Ordnungsamt klingelt

Wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gehen, kommt manchmal das Ordnungsamt. Die Beamten bringen Schulverweigerer zwangsweise in den Unterricht - ein Blick hinter die Kulissen.

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Stand

Von Autor/in Heike Löser

Es ist früh am Morgen, gegen 7:30 Uhr: Zwei Vollzugsbeamte des Ordnungsamts stehen vor einer Wohnungstür. Sie tragen Schutzkleidung, so wie das bei offiziellen Einsätzen üblich ist, und klingeln. Meist öffnet dann ein Elternteil, berichtet ein Mitarbeiter eines Ordnungsamtes aus dem Norden von Rheinland-Pfalz. Er möchte unerkannt bleiben, daher nennt der SWR auch den Ort nicht, in dem er arbeitet.

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Eltern sind oft erleichtert

Oft sei die Mutter an der Tür, erzählt er. Er und seine Kollege erklären dann in der Regel erst einmal, dass es um die Schulpflicht eines Kindes geht und dass dessen Schule einen Antrag auf zwangsweise Schulzuführung gestellt hat.

Viele Eltern sind erleichtert, wenn wir da sind.

"Viele Eltern sind erleichtert, wenn wir da sind", schildert der Vollzugsbeamte. Sie seien in der Regel "gut führbar". In 80 Prozent der Fälle würden sich auch die Kinder oder Jugendlichen schnell kooperativ zeigen. Während sich einer der Vollzugsbeamten um die Eltern kümmere, suche der zweite den Kontakt zum betroffenen Kind oder Jugendlichen, um ihnen die Situation zu erklären.

Fingerspitzengefühl ist wichtig

Die Mitarbeitenden des Ordnungsamts forderten das Kind dann auf, sich für die Schule fertig zu machen. Denn in ein paar Minuten gehe es los. Oft müssten sie dem betroffenen Nachwuchs gut zureden. Die Beamten seien zwar keine Sozialpädagogen, erzählt der Mitarbeiter des Ordnungsamts aus seinem Alltag. Sie würden aber trotzdem versuchen, der Situation angepasst und mit Fingerspitzengefühl mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Manche Kinder schließen sich ein

Es läuft aber nicht immer alles reibungslos, berichtet der Beamte weiter: Etwa, wenn Kinder versuchen, sich in ihrem Zimmer einzuschließen. Dann gebe es meist längere Gespräche durch die geschlossene Tür. Aber das hätten die Vollzugsbeamten bei den Schulzuführungen immer im Hinterkopf und stellten sich deshalb in der Wohnung so hin, dass sie das Einschließen vereiteln könnten. Grundsätzlich sei ihre Haltung bei diesen Einsätzen deeskalierend.

Schulverweigerer werden persönlich "abgegeben"

Zur Schule geht es dann mit dem Dienstfahrzeug des Ordnungsamts. Dort angekommen, führen die Beamten das Kind oder den Jugendlichen über den Schulhof bis zum Sekretariat. Sollten sie dabei weglaufen wollen, werden sie auch schon mal untergehakt, so der Vollzugsbeamte. Die Schulzuführung endet oft im Sekretariat. Aber es gebe auch Fälle, da begleite das Ordnungsamt das Kind bis zum Klassenzimmer und übergebe es dem Lehrer.

Wir erleben hilflose Eltern, teilweise mit Autoritätsproblemen.

Die Gründe von Schulverweigerung sind vielschichtig. Häufig spielen psychische Probleme der Kinder und Jugendlichen eine Rolle, das haben SWR-Recherchen ergeben. Nach den Eindrücken des Ordnungsamts-Mitarbeiters können sich die Eltern aber auch oft nicht gegen ihre Kinder durchsetzen: "Wir erleben hilflose Eltern, teilweise mit Autoritätsproblemen", sagt er. Auch das Justizministerium hat sich bereits mit dem Thema Schulverweigerer beschäftigt.

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