Carina Steffes aus Bad Neuenahr-Ahrweiler hat 2024 den deutschen Lehrkräftepreis gewonnen. Dabei wollte sie eigentlich nie Lehrerin werden. Durch einen Quereinstieg kam sie an die berufsbildenden Schule des Landkreises Ahrweiler, wo sie Erzieherinnen und Erzieher ausbildet. Wir haben sie gefragt, wie das Schulsystem verbessert werden könnte.
Lehrerin Carina Steffes begegnet ihren Schülern auf Augenhöhe
SWR1: Einer Ihrer Schüler hat den Anstoß gegeben, und am Ende hat Sie eine bundesweite Jury zur Lehrkraft des Jahres gekürt. Was ist Ihr Geheimnis?
Carina Steffes: Ich glaube, ich habe kein Geheimnis, sondern mein Geheimnis ist meine Offenheit. Ich glaube, dass ich eine sehr, sehr offene Lehrkraft bin, die schnell eine gute, tragfähige und intensive Beziehung zu Schülerinnen und Schülern aufbaut, die dann dazu beiträgt, dass gemeinsamer Unterricht ganz fruchtbar gestaltet werden kann.
SWR1: Aber irgendetwas müssen Sie ja anders machen als andere, dass das so gut ankommt.
Steffes: Ich nehme mir viel Zeit. Wenn ich den Kevin, der mich nominiert hat, richtig verstanden habe, ist es so, dass er sagt, dass ich für ihn immer auf Augenhöhe bin, an ihm persönlich interessiert bin und dafür sorge, dass er sich gesehen fühlt. Dafür investiere ich viel Zeit und Energie, das nehmen Schüler dann auch positiv wahr.
Was Carina Steffens am Lehrerberuf gefällt
SWR1: Sie investieren viel Zeit und Energie und Sie scheinen wirklich darin aufzugehen. Ist das so ein Geheimnis, dass Sie eben die Menschen mögen?
Steffes: Die Menschen mögen und für die Menschen brennen, dieser Job macht mir einfach unglaublich viel Freude. Dieses Miteinander, Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten, ihre Entwicklung zu begleiten und vielleicht auch ein Stückchen beeinflussen zu können – das ist einfach für mich selber unglaublich bereichernd.
Dieser Job macht mir einfach unglaublich viel Freude.
Und dieses Feuer springt schnell auch über auf eine Klasse. Und die merken, dass es mir wichtig ist, was aus ihnen wird. Das, glaube ich, ist schon so ein Stück weit das, woran ich festmachen kann, dass es so besonders gut läuft zwischen uns.
Steffes: Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für ihre Schüler
SWR1: Viele Lehrerinnen und Lehrer sind eher gestresst und überfordert, hört man oft. Wir bräuchten eigentlich mehr Lehrkräfte wie Sie, offensichtlich. Wie schaffen wir das?
Steffes: Ich glaube, wir brauchen dafür mutige Schulleitungen, vielleicht auch mutige Schulministerien, die den Lehrkräften mehr Zeit verschaffen. Ich glaube, dass Zeit eins der ganz, ganz großen Themen ist.
Wenn wir alle mehr Zeit hätten, uns den Schülern zu widmen, ich glaube, dann würde sich ganz viel positiv verändern.
Wir Lehrkräfte haben oft viel zu wenig Zeit für Beziehungspflege, weil der Lehrplan so eng gestrickt ist und der Schulalltag so getaktet ist und wir einfach so viel auch außerhalb des Unterrichts noch zu tun haben, dass wir irgendwo die Zeit einsparen müssen. Wenn wir alle mehr Zeit hätten, uns den Schülern zu widmen, ich glaube, dann würde sich ganz viel positiv verändern. [...]
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Interessen der Schüler kennenlernen und für den Unterricht nutzen
Steffes: Wenn ich an die Regelschule gucke, wie soll denn eine Lehrkraft 20, 30 Schüler wirklich individuell sehen können, wenn sie nur den reinen Unterricht und keine Zeit für Gespräche hat und hinter die Fassade zu gucken und mit den Schülern auch mal zu gucken, was interessiert dich eigentlich?
Was ist das, wofür du brennst, damit ich daran anknüpfend dann meinen Unterricht vielleicht gestalten kann und etwas besser machen kann?