Zwei Tote und mehrere Verletzte

Mutmaßliche Amokfahrt von Mannheim: Tatverdächtiger aus Ludwigshafen wird vernommen

Der Mann, der am Montag mit einem Auto in eine Menschenmenge in der Mannheimer Innenstadt gefahren ist, ist inzwischen vernehmungsfähig.

Teilen

Stand

Dieser Artikel wird seit dem 4.3. 12:00 Uhr nicht mehr fortgeschrieben. Die neuesten Entwicklungen lesen Sie hier:

Mannheim

Motiv weiter unklar Nach Amokfahrt in Mannheim: Haftbefehl wegen Mordes erlassen

Nach der Amokfahrt in der Mannheimer Fußgängerzone mit zwei Toten hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 40-jährigen Fahrer erlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW


Der Täter aus Ludwigshafen hatte sich nach der mutmaßlichen Amokfahrt mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen. Er war am Montagnachmittag festgenommen worden. Der 40-Jährige ist inzwischen vernehmungsfähig und soll noch am Dienstag befragt werden, so die Ermittlungsbehörden.

Der Mann soll in Baden-Württemberg geboren sein und zuletzt in Ludwigshafen gewohnt haben, berichteten die Behörden auf einer Pressekonferenz am Montagabend in Mannheim. Der gelernte Landschaftsgärtner soll psychisch auffällig und mehrfach in Behandlung gewesen sein.

Tatverdächtiger aus Ludwigshafen psychisch auffällig

Zudem war der Mann der Polizei bekannt. Es gebe ein paar Vorstrafen, die lange zurücklägen, sagte Staatsanwalt Romeo Schüssler. Dabei gehe es um eine Körperverletzung, für die er vor über zehn Jahren eine kurze Freiheitsstrafe verbüßt habe, außerdem um einen Fall von Trunkenheit im Verkehr. Zudem sei der Täter 2018 mit Hate Speech aufgefallen. Er habe einen entsprechenden Kommentar auf Facebook abgesetzt und sei deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Zusammenhang mit Extremismus oder Terrorismus sei er den Sicherheitsbehörden aber bisher nicht aufgefallen. Das werde aber weiter geprüft.

Mannheim

Tatverdächtiger festgenommen Auto rast in Mannheim in Menschenmenge: Das ist bekannt

In der Mannheimer Innenstadt ist ein Autofahrer in eine Menschengruppe gefahren. Zwei Menschen starben, weitere wurden verletzt. Der Täter wurde festgenommen.

SWR Aktuell SWR

Steinruck: Unsere Herzen sind in Mannheim

Nach neueren Erkenntnissen war der mutmaßliche Amokfahrer in einen kleinen, lokalen Fastnachtsmarkt in der Mannheimer Fußgängerzone gerast. Und zwar über Straßenbahnschienen.

Die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Jutta Steinruck (parteilos), reagierte entsetzt auf die dramatischen Nachrichten aus Mannheim und drückte ihr Mitgefühl aus: "Dort, wo Menschen fröhlich und unbeschwert unterwegs waren, ist von einer Minute auf die andere der reine Horror ausgebrochen. Unser Mitgefühl, unsere Gedanken, unsere Herzen sind in Mannheim bei den Menschen, die Grausamstes erleben müssen", so Steinruck.

Schweitzer spricht Anteilnahme aus

Sie habe dem Mannheimer Oberbürgermeister sofort kontaktiert und Hilfe angeboten. So stehe die Ludwigshafener Feuerwehr den Rettungskräften in Mannheim zur Seite.  "Wir sind mit unserer Schwesterstadt auf das Engste verbunden. Was immer an Unterstützung benötigt wird, leisten wir gerne. Wir leiden mit unseren Freunden", sagte Steinruck. 

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hatte nach dem tödlichen Vorfall in Mannheim den Rosenmontagzug in Mainz verlassen. Schweitzer habe mit seinem Amtskollegen Winfried Kretschmann (Grüne) telefoniert und ihm seine Anteilnahme ausgesprochen, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit. 

BG Klinik Ludwigshafen unterstützt Mannheimer Kliniken

Am Mannheimer Paradeplatz war der Verdächtige am Montagmittag mit einem Auto in eine Personengruppe gefahren. Dabei wurden nach Angaben des Landesinnenministeriums und der Stadt Mannheim eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann getötet. Fünf Personen seien zudem schwer verletzt, sechs weitere erlitten leichte Verletzungen. Die Mannheimer Polizei hatte Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, "aufgrund der polizeilichen Einsatzlage, die Mannheimer Innenstadt zu vermeiden und großräumig zu umfahren".

Die BG-Klinik in Ludwigshafen unterstützt die Mannheimer Krankenhäuser dabei, Verletzte zu behandeln. Bisher sei eine Person zur Behandlung in Ludwigshafen aufgenommen worden, teilte eine Sprecherin der BG Klinik in Ludwigshafen mit.

Polizei kontrollierte Brücken nach Ludwigshafen

Die Mannheimer Polizei führte zeitweise auch Verkehrskontrollen an den Brücken in Richtung Ludwigshafen durch. Beide Brücken waren für mehrere Stunden gesperrt. Auf der rheinland-pfälzischen Seite kontrollierten Beamte des Polizeipräsidiums Ludwigshafen die Innenstadt.

Am Montagabend nahm das Verkehrsunternehmen Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) den rheinübergreifenden Stadtbahnverkehr zwischen Mannheim und Ludwigshafen wieder auf. Im Mannheimer Stadtgebiet kam es noch zu großflächigen Umleitungen der Stadtbahnen.

Faschingsumzug in Altrip verzögerte sich

Die Teilnehmer des Faschingsumzugs in Altrip im Rhein-Pfalz-Kreis haben am Montagnachmittag mit Bestürzung auf die Vorfälle in Mannheim reagiert. Bürgermeister Volker Mansky (parteilos) sagte dem SWR, am Rathaus in Altrip werde keine Musik gespielt. Dadurch drücke Altrip seine Anteilnahme mit Mannheim aus.

Es sei auch überlegt worden, den Umzug ganz ausfallen zu lassen, so Mansky. Mit der Polizei und dem Ordnungsamt habe man aber vereinbart, dass der Umzug stattfinden könne, weil keine Gefahr für Besucher und Teilnehmer bestehe. Dennoch hatten sich einige Teilnehmer vom Faschingsumzug zurückgezogen. Dadurch hatte sich der Start des Umzugs in Altrip verzögert.

Umzüge in Bad Dürkheim und Mutterstadt abgesagt

Noch schärfere Konsequenzen zogen die "Derkemer Grawler" in Bad Dürkheim. Sie haben ihren bekannten Fastnachtszug abgesagt - aus Solidarität mit den Menschen in Mannheim. Der hätte am Dienstag um 11:11 Uhr starten sollen. Auch Mutterstadt hat seinen Fastnachtsumzug abgesagt. Die Gemeinde und der Verein "Geeßtreiwer" erklärten: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern der schrecklichen Tat sowie ihren Angehörigen."

In Grünstadt werden kurzfristig weitere Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt: Rund um den Luitpoldplatz werden noch mehr große Fässer und Lastwagen aufgestellt, um die Feiernden zu schützen.