Vielleicht wissen auch Sie noch genau, wo Sie waren, als Sie von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl erfuhren. Mit wem Sie gesprochen haben oder welche Themen Sie beschäftigt haben.
Eine unsichtbare Bedrohung aus Osteuropa
Die Folgen des Unglücks waren für die Menschen in der unmittelbaren Umgebung verheerend. Doch auch in Rheinland-Pfalz wurden die Auswirkungen plötzlich spürbar. Eine unsichtbare Bedrohung breitete sich aus, begleitet von Unsicherheit und Angst.
Wir haben Sie nach Ihren Erinnerungen an die Katastrophe in Tschernobyl gefragt. Das sind die Antworten:
Schreckliche Ungewissheit nach Tschernobyl
Nicole Schwandner aus Heßheim (Rhein-Pfalz-Kreis) war damals 13 Jahre alt. Für sie war es vor allem die Angst vor dem Ungewissen, die in Erinnerung geblieben ist: "Angst vor etwas, von dem ich ahnte, dass es ganz schrecklich sein musste, was man aber nicht sehen konnte. Gruselig!"
Sie verstand nicht, warum ihr kleiner Bruder plötzlich nicht mehr im Sandkasten spielen durfte. Oder warum Obst und Gemüse nicht mehr gegessen werden sollten. Besonders präsent ist für sie bis heute die merkwürdige, angespannte Stimmung, die überall zu spüren war.
Sorge um Angehörige in der Ferne
Eine Stimmung, die auch Dagmar Meinköhn aus Maxdorf (Rhein-Pfalz-Kreis) wahrnahm. Sie lebte damals noch in Köln, während ihre Eltern auf Kreuzfahrt im Schwarzen Meer unterwegs waren – auf einem Schiff, das unter sowjetischer Flagge fuhr: "Als die Nachrichtenmeldung über das Unglück im Fernsehen kam, hatte ich zunächst keine Ahnung, wo genau das Schiff sich zu dem Zeitpunkt befand und machte mir große Sorgen."
Kommunikation war damals schwierig: Es gab keine Handys und Telefonate ins Ausland - erst recht zu einem Schiff - waren kaum möglich. Erleichterung kam erst, als klar wurde, dass die radioaktive Wolke nicht in diese Richtung zog.Die Schiffscrew habe alle Radios abgeschaltet und behauptet, dass der Radioempfang gestört sei. Allerdings hatte ein Passagier einen Weltempfänger dabei und konnte so andere über die Situation informieren.
Angst um die Kinder
Für Stefan Meiser aus Ohmbach (Landkreis Kusel) stand vor allem seine hochschwangere Frau im Mittelpunkt. Wie viele andere wusste die Familie nicht, welche Auswirkungen die Katastrophe haben würde – insbesondere auf das ungeborene Kind.
Was ist 1986 in Tschernobyl passiert?
1986 explodiert ein Reaktor im Atomkraftwerk Tschernobyl. Die radioaktive Wolke zieht über ganz Europa. Der kurze Erklärfilm zeigt den Atomunfall und seine Folgen.
"Wie verhalten mit der Nahrung, wie kann man mit ihm raus?" Weniger als drei Wochen nach dem Unglück kam ihr Sohn zur Welt. Bald feiert er seinen 40. Geburtstag.
Auch Gaby und Erich aus Weißenthurm (Landkreis Mayen-Koblenz) erinnern sich an große Unsicherheit. Die Familie war damals mit Erichs Bruder und dessen Familie im Camping-Urlaub. Mit dabei auch der sechs Monate alte Neffe. Es war ein warmer, sonniger Tag.
Nach einer langen Wanderung erfuhren sie abends von dem Unglück. Die vielen widersprüchlichen Informationen sorgten für Verunsicherung: "Wir machten uns Sorgen. Besonders, dass der kleine Sohn meines Bruders so viel Strahlung ausgesetzt war."
Spuren im Schulalltag
Viele Schulkinder aus Rheinland-Pfalz haben ebenfalls prägende Erinnerungen an diese Zeit. Carsten Gottwald aus Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) berichtet, dass plötzlich alle Schülerinnen und Schüler seiner Schule neue Pantoffeln mitbringen mussten.
40 Jahre Nuklearkatastrophe von Tschernobyl "Uns hat Panik erfasst": Angst vor AKW in Cattenom ist in Trier weiter groß
Als der Reaktor in Tschernobyl in die Luft ging, war die Gefahr in Trier wohl bewusster als woanders: Denn nebenan steht das AKW Cattenom. Bis heute muss man hier damit umgehen.
In der Schule durften nur noch die neuen Hausschuhe getragen werden, während draußen weiterhin Straßenschuhe benutzt wurden.
Jochen Stadler war damals in der achten Klasse. Von der Katastrophe erfuhr er durch seinen französischen Austauschschüler Arnaud – noch vor dem Frühstück. Dieser hatte die Nachricht in den französischen Radionachrichten gehört und sie direkt weitergegeben. "Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass es in Stelzenberg auch französischen Radioempfang gibt", erinnert sich Stadler.