Reaktorunglück 1986

40 Jahre Tschernobyl: Das sind Ihre Erinnerungen an die Katastrophe

Der 26. April 1986 ist ein Datum, das sich bei vielen Menschen eingebrannt hat. Dieser Tag steht für die größte Atomkatastrophe Europas: die Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl.

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Stand

Von Autor/in Theresa Lienen

Vielleicht wissen auch Sie noch genau, wo Sie waren, als Sie von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl erfuhren. Mit wem Sie gesprochen haben oder welche Themen Sie beschäftigt haben.

Eine unsichtbare Bedrohung aus Osteuropa

Die Folgen des Unglücks waren für die Menschen in der unmittelbaren Umgebung verheerend. Doch auch in Rheinland-Pfalz wurden die Auswirkungen plötzlich spürbar. Eine unsichtbare Bedrohung breitete sich aus, begleitet von Unsicherheit und Angst.

Wir haben Sie nach Ihren Erinnerungen an die Katastrophe in Tschernobyl gefragt. Das sind die Antworten:

Schreckliche Ungewissheit nach Tschernobyl

Nicole Schwandner aus Heßheim (Rhein-Pfalz-Kreis) war damals 13 Jahre alt. Für sie war es vor allem die Angst vor dem Ungewissen, die in Erinnerung geblieben ist: "Angst vor etwas, von dem ich ahnte, dass es ganz schrecklich sein musste, was man aber nicht sehen konnte. Gruselig!"

Nicole Schwandner aus Heßheim (Rhein-Pfalz-Kreis) war damals 13 Jahre alt.
Nicole Schwandner aus Heßheim (Rhein-Pfalz-Kreis) war damals 13 Jahre alt. Privat

Sie verstand nicht, warum ihr kleiner Bruder plötzlich nicht mehr im Sandkasten spielen durfte. Oder warum Obst und Gemüse nicht mehr gegessen werden sollten. Besonders präsent ist für sie bis heute die merkwürdige, angespannte Stimmung, die überall zu spüren war.

Sorge um Angehörige in der Ferne

Eine Stimmung, die auch Dagmar Meinköhn aus Maxdorf (Rhein-Pfalz-Kreis) wahrnahm. Sie lebte damals noch in Köln, während ihre Eltern auf Kreuzfahrt im Schwarzen Meer unterwegs waren – auf einem Schiff, das unter sowjetischer Flagge fuhr: "Als die Nachrichtenmeldung über das Unglück im Fernsehen kam, hatte ich zunächst keine Ahnung, wo genau das Schiff sich zu dem Zeitpunkt befand und machte mir große Sorgen."

Dagmar Meinköhn machte sich Sorgen, um ihre Eltern, die auf Kreuzfahrt auf dem Schwarzen Meer waren.
Dagmar Meinköhn machte sich Sorgen, um ihre Eltern, die auf Kreuzfahrt auf dem Schwarzen Meer waren. Privat

Kommunikation war damals schwierig: Es gab keine Handys und Telefonate ins Ausland - erst recht zu einem Schiff - waren kaum möglich. Erleichterung kam erst, als klar wurde, dass die radioaktive Wolke nicht in diese Richtung zog.Die Schiffscrew habe alle Radios abgeschaltet und behauptet, dass der Radioempfang gestört sei. Allerdings hatte ein Passagier einen Weltempfänger dabei und konnte so andere über die Situation informieren.

Angst um die Kinder

Für Stefan Meiser aus Ohmbach (Landkreis Kusel) stand vor allem seine hochschwangere Frau im Mittelpunkt. Wie viele andere wusste die Familie nicht, welche Auswirkungen die Katastrophe haben würde – insbesondere auf das ungeborene Kind.

Was ist 1986 in Tschernobyl passiert?

1986 explodiert ein Reaktor im Atomkraftwerk Tschernobyl. Die radioaktive Wolke zieht über ganz Europa. Der kurze Erklärfilm zeigt den Atomunfall und seine Folgen.

"Wie verhalten mit der Nahrung, wie kann man mit ihm raus?" Weniger als drei Wochen nach dem Unglück kam ihr Sohn zur Welt. Bald feiert er seinen 40. Geburtstag.

Auch Gaby und Erich aus Weißenthurm (Landkreis Mayen-Koblenz) erinnern sich an große Unsicherheit. Die Familie war damals mit Erichs Bruder und dessen Familie im Camping-Urlaub. Mit dabei auch der sechs Monate alte Neffe. Es war ein warmer, sonniger Tag.

Gaby und Erich waren während der Katastrophe im Camping-Urlaub.
Gaby und Erich waren während der Katastrophe im Camping-Urlaub. Privat

Nach einer langen Wanderung erfuhren sie abends von dem Unglück. Die vielen widersprüchlichen Informationen sorgten für Verunsicherung: "Wir machten uns Sorgen. Besonders, dass der kleine Sohn meines Bruders so viel Strahlung ausgesetzt war."

Spuren im Schulalltag

Viele Schulkinder aus Rheinland-Pfalz haben ebenfalls prägende Erinnerungen an diese Zeit. Carsten Gottwald aus Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) berichtet, dass plötzlich alle Schülerinnen und Schüler seiner Schule neue Pantoffeln mitbringen mussten.

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In der Schule durften nur noch die neuen Hausschuhe getragen werden, während draußen weiterhin Straßenschuhe benutzt wurden.

Jochen Stadler war damals in der achten Klasse. Von der Katastrophe erfuhr er durch seinen französischen Austauschschüler Arnaud – noch vor dem Frühstück. Dieser hatte die Nachricht in den französischen Radionachrichten gehört und sie direkt weitergegeben. "Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass es in Stelzenberg auch französischen Radioempfang gibt", erinnert sich Stadler.

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