Der Ortsvorsteher des Ludwigshafener Stadtteils Oppau, Frank Meier (SPD), ist frustriert. In der Wahlnacht hat er E-Mails von SPD-Genossen bekommen. "Das Wahlergebnis ist eine Katastrophe", schreibt einer. Ein anderer fragt: "Wie soll es weiter gehen?"
Ortsvorsteher fordert: "Alles muss aufgearbeitet werden"
"Jetzt muss alles aufgearbeitet werden", fordert Meier. Das klinge zwar abgedroschen, aber es gehöre alles auf den Tisch. Alles müsse hinterfragt werden. Meier verweist auf die hohen Beliebtheitswerte von Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Dennoch habe die SPD eine bittere Niederlage einstecken müssen. "Wo wäre die SPD ohne Schweitzer gelandet?", fragt der Ortsvorsteher. "Da wage ich gar nicht drüber nachzudenken."
SPD hat 9,6 Prozentpunkte in Ludwigshafen verloren
Die Zahlen für die Ludwigshafener Sozialdemokraten sind bitter: In der Industrie- und Arbeitermetropole liegt die SPD nur noch auf Platz 2. Bei der Landtagswahl 2026 verloren die Sozialdemokraten 9,6 Prozentpunkte und bekamen 27,7 Prozent. Sieger ist die CDU mit 29,6 Prozent. Auf Platz 3, hinter der SPD, folgt die AfD mit 24,8 Prozent.
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Sorgen und Angst wegen des Erfolgs der AfD
Oggersheims Ortsvorsteherin Sylvia Weiler (SPD) sagt, die Bestürzung bei den Mitgliedern sei groß. Ein älterer Mann in der Ludwigshafener Innenstadt erzählt, er sei seit 50 Jahren treuer SPD-Wähler. Dieses Ergebnis habe er nicht erwartet. Und Osman Gürsoy (SPD), der Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt sagt, ihm mache das Ergebnis der AfD in Ludwigshafen große Sorgen.
Im Stadtteil West, für den Ortsvorsteher Gürsoy zuständig ist, liegt die AfD mit 32,8 Prozent auf Platz 1. Abgeschlagen folgen CDU (24,1 %) und SPD (22,3 %). "Dabei habe ich mich gerade im Stadtteil West außerordentlich stark engagiert", berichtet Gürsoy. "Warum konnten wir die Bürger nicht erreichen?" Diese Frage berühre ihn stark.
Gegenwind von der Bundesregierung aus Berlin?
Auch die SPD-Direktkandidatin im Wahlkreis Ludwigshafen I, Beatrice Wiesner, ist schwer enttäuscht. Sie hat gegen den CDU-Kandidaten Raymond Höptner verloren. Er hat 4,2 Prozentpunkte Vorsprung. "Wir haben Gegenwind aus Berlin bekommen. Was die CDU-SPD-Regierung dort macht, schadet der SPD. Davon profitieren wir nicht. Wir regieren gegen unser eigenes Klientel, und das tut mir sehr weh." Die Große Koalition zu verlassen, sei aber keine Option. Das schade der Demokratie, so Wiesner.
Mit Haustürbesuchen verlorene Wähler zurück gewinnen
Um Wähler von der AfD zurück zu gewinnen, will die Sozialdemokratin auch außerhalb des Wahlkampfs regelmäßig Hausbesuche machen. "Wir müssen direkt an die Haustüren gehen und mit den Leuten reden. Das ist das Wichtigste", sagt die 31-Jährige. "Die Bürger müssen merken, hier ist jemand, der für mich da ist und sich für mich einsetzt."