Die Ticketkontrolle auf der Fahrt von Neustadt nach Karslruhe ist ruhig verlaufen für Zugbegleiter Marcel G. Er wünscht jedem einen schönen Tag - für ihn gehört das dazu. "Von 100 Fahrgästen sind zwei blöd und der Rest nett", sagt der 35-Jährige.
Vor fast zwei Wochen ist sein Kollege Serkan Çalar bei einer Fahrkartenkontrolle tödlich attackiert worden. Was fühlt Marcel G. jetzt, wenn er durch den Zug läuft? "Angst ist das falsche Wort. Man hat Obacht, man passt auf."
Trainierin Jennifer Morasch: "Durch Bodycams steigt der Respekt"
Die Zugbegleiter der Deutschen Bahn werden auf Konfrontationen vorbereitet. Einmal im Jahr bekommen sie Fortbildungen. Jennifer Morasch ist Trainerin für Zugbegleiter. Sie befürwortet das Tragen von Bodycams.
"Statistisch ist es so, dass die eskalierenden Vorfälle zurückgegangen sind", sagt Morasch. Mitarbeiter der Bahn fühlten sich durch Bodycams sicherer. "Die Beweislage ist auch besser. Und durch Bodycams steigt der Respekt wieder", so die 35-Jährige.
Zugbegleiter Marcel: "Ich mag meinen Job"
Auch Zugbegleiter Marcel hatte einige unangenehme Situationen. "Ich wurde schon angespuckt und angepöbelt. Oder zur Seite geschubst." Dennoch mag er seinen Job und kann sich gerade keinen besseren vorstellen. Ihm ist es wichtig, Fahrgästen immer freundlich zu begegnen. Dann würden die meisten auch nett reagieren.
Seit einem halben Jahr trägt er sichtbar eine Bodycam an der Brust. Fühlt er sich in einer Situation unsicher, kann er sie aktivieren. Und dann gibt es noch einen Notfallknopf, den er drücken kann.
Fahrgäste erinnern sich an den getöteten Serkan Çalar
Auf der Strecke von Neustadt nach Karlsruhe erinnern sich einige Fahrgäste an Serkan Çalar. Er sei jemand, der in Erinnerung bleibe, sagt ein Mann. "Er war immer freundlich." Auch der Zugbegleiter Marcel G. sagt: "Serkan war gemütlich. Er ist jetzt wie ein Schutzengel über uns."
Bahngipfel in Berlin Mehr Sicherheit für Bahnbeschäftigte nach dem Tod von Serkan Çalar
Bodycams für alle noch in diesem Jahr, 200 zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter - die Bahn will ihre Angestellten besser schützen. Anlass ist der gewaltsame Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz.
Während der Kontrolle bedanken sich einige Fahrgäste bei Marcel G. für seine Arbeit. Es tue gut, das zu hören, findet Marcel. "Passen Sie auf sich auf", sagt eine Frau noch zu dem Zugbegleiter.
Politik und Bahn beschließen mehr Sicherheit
Bei einem Sicherheitsgipfel von Bahn, Bund und Ländern hat Bahnchefin Evelyn Palla am Freitag neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt - als Reaktion auf den Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar. Alle Beschäftigen mit Kundenkontakt sollen Zugang zu Bodycams erhalten. Die verpflichtende Ausweiskontrolle fällt teils weg.
Zudem will die Bahn 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen. Die sollen die bislang 4.000 unterstützen.