Bei einem Schlaganfall geht es oft um Minuten, die über Leben, schwere Spätfolgen oder sogar den Tod entscheiden. Umso wichtiger also, dass Schlaganfall-Patienten schnell und vor allem qualifiziert geholfen wird.
Die beste Versorgung gibt es in zertifizierten, überregionalen Stroke-Units. Dort sorgen Experten mit moderner Technik für eine schnelle Behandlung. Sechs davon gibt es in Rheinland-Pfalz, zum Beispiel in Trier, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Koblenz. Hinzukommen kleinere Stroke Units in anderen Krankenhäusern.
Eine weitere wichtige Rolle bei der Versorgung spielt außerdem die Telemedizin. Hierfür gibt es ein spezielles Netzwerk - das Telemedizinische Schlaganfallnetz (TEMES). Die telemedizinische Anbindung soll Krankenhäusern, die über keine zertifizierte Stroke Unit verfügen und außerhalb einer sinnvollen Erreichbarkeit einer bereits bestehenden Stroke Unit liegen, eine 24-stündige teleneurologische Anbindung ermöglichen. Trotzdem kann Schlaganfall-Patienten nicht überall gleich schnell geholfen werden. Das geht aus Daten des Science Media Centers Germany hervor:
So ist die Situation in Rheinland-Pfalz:
- Vorder- und Südpfalz
- Westpfalz
- Region Trier
- Rund um Koblenz
- Mainz
Vorder- und Südpfalz
Gut aufgestellt bei Schlaganfall-Notfällen ist die Vorder- und Südpfalz. Rettungsdienste haben recht kurze Wege zu den insgesamt fünf Kliniken mit Schlaganfall-Versorgung. Es gibt das überregionale, zertifizierte Schlaganfall-Zentrum, die Stroke-Unit am Klinikum der Stadt Ludwigshafen.
Weiterhin sind auf der anderen Rheinseite noch zwei weitere zertifizierte Zentren an den Unikliniken Mannheim und Heidelberg. Von Ludwigshafen aus kann der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 5 auch abgelegenere Orte schnell erreichen.
Es ist ein dicht besiedelter Ballungsraum: mehr als 2,4 Millionen Menschen in der Metropolregion-Rhein-Neckar müssen medizinisch versorgt werden. Krankenhäuser in Speyer und Neustadt an der Weinstraße, nutzen bei Diagnose und Behandlung von Schlaganfällen das Wissen aus den landesweiten überregionalen Stroke-Units und schalten die Experten über Videokonferenzen in ihre Notaufnahmen.
Das Klinikum Ludwigshafen liefert einmal pro Woche diesen Service innerhalb des rheinland-pfälzischen Schlaganfall-Netzwerks TEMES. Der Leiter der Neurologie am Klinikum Ludwigshafen, Prof. Simon Nagel, kritisierte gegenüber dem SWR, dass die acht angeschlossenen Kliniken im Netzwerk die Kosten für die Maßnahme Telemedizin selbst tragen müssen:
"Die Telemedizin ist ein wichtiger Aspekt in der Weiterentwicklung unserer medizinischen Versorgung. Sie macht es möglich, dass Spezialisten Patienten mit beurteilen können, die sonst nicht vor Ort sind. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn für die Telemedizin eine eigene Finanzierung - für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der Qualitätssicherung - gäbe in der Zukunft."
Westpfalz
Das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern hat eine überregionale Stroke-Unit und versorgt zahlreiche Schlaganfall-Patienten aus der Region. Seitens des Krankenhauses heißt es: "Die Schlaganfall-Versorgung in der Westpfalz kann als sehr gut bezeichnet werden."
Das geht grundsätzlich auch aus den Daten des Science Media Centers hervor. Neben der Stroke-Unit in Kaiserslautern gibt es ein flächendeckendes Netzwerk von Krankenhäusern mit speziellen Schlaganfallstationen. Hier können unkomplizierte Schlaganfälle zeitnah diagnostiziert und behandelt werden. Zum Beispiel in Pirmasens und Zweibrücken.
Laut des Science Media Centers könnte die Schlaganfallversorgung in einigen Teilen der Westpfalz, zum Beispiel in Fischbach bei Dahn oder im Kreis Kusel, aber besser sein. Rettungsdienste bräuchten demnach über 40 Minuten, um Schlaganfall-Patienten in einem Krankenhaus einzuliefern.
Dazu sagt die Kreisverwaltung Südwestpfalz: "Nach unseren Ergebnissen mit den gängigen Routenplanern sowie den uns vorliegenden Daten gehen wir von einer maximalen Fahrzeit von circa 30 Minuten zur nächsten Stroke-Unit aus." Auch der Kreis Kaiserslautern, der für den Rettungsdienst in und um Kusel verantwortlich ist, erachtet die Versorgung dort als gut. Für Menschen aus der Westpfalz spielt in der Schlaganfallversorgung auch die überregionale Stroke-Unit des Uniklinikums in Homburg eine wichtige Rolle. Muss es besonders schnell gehen, wird der Rettungshubschrauber Christoph 66 hinzugerufen.
Region Trier
Im Großen und Ganzen ist die Versorgung von Schlaganfall-Patienten in und um Trier gut. Das liegt daran, dass es in Trier eine überregionale Stroke-Unit gibt. Kleinere Units sind in Idar-Oberstein oder Wittlich. Dennoch gibt es Regionen, die laut des Science Media Centers unzureichend versorgt sind, zum Beispiel Teile des Eifelkreises und der Vulkaneifel. Die Versorgung sei hier unzureichend, sagt der Geschäftsführer des Krankenhauses Maria-Hilf in Daun, Oliver Zimmer.
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Im Krankenhaus in Wittlich wird die Stroke Unit ausgebaut, weil immer mehr Patienten mit Schlaganfall eingeliefert werden. Warum das so ist, erklärt der Chefarzt im Interview.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Krankenhaus jahrelang in dem Telemedizinischen Schlaganfallnetz (TEMES) war. Aus finanziellen Gründen musste im Jahr 2020 die Teilnahme eingestellt werden. Allerdings möchte das Krankenhaus diesen Service wieder einführen. "Es ist nämlich so, dass in den weitest entferntesten Gemeinden des Vulkaneifelkreises die Fahrzeiten bis nach Trier, Wittlich oder Koblenz auf jeden Fall deutlich mehr als eine Stunde betragen", so Zimmer. Genau das geht auch aus den Daten des Media Centers hervor.
Rund um Koblenz
Am Koblenzer Standort des Katholischen Klinikums Koblenz - Montabaur (KKM) befindet sich eine überregional zertifizierte Stroke-Unit, die viele Fälle behandelt. Mit den weiteren Stroke-Units ist der Westerwald sehr gut abgedeckt. Viele Krankenhäuser haben eine entsprechende Abteilung aufgebaut. Fahrzeiten über 30 Minuten kommen selten vor.
In der Eifel, dem Hunsrück und dem Taunus ist die Lage stattdessen komplizierter. Im westlichen Teil der Kreise Ahrweiler, Mayen-Koblenz und in einigen Teilen des Kreises Cochem-Zell ist die Lage angespannter. So braucht ein Krankenwagen aus dem Hunsrück östlich von Zell (Mosel) über 50 Minuten zu einer entsprechenden Fachabteilung. Ähnlich sieht es rund um Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis aus.
Mainz
Die Region um Mainz ist mit Blick auf die Schlaganfall-Versorgung sehr gut aufgestellt. Überregionale Stroke-Units gibt es in Mainz und im benachbarten Wiesbaden. Auch in Alzey und Worms stehen kleinere Stroke-Units zur Verfügung. Hinzu kommt, dass auch der Weg nach Frankfurt nicht besonders weit ist. Dort gibt es gleich drei große Stroke-Units.