Roboter-Firma ist das Geld ausgegangen

Trotz Millionen aus den USA: Startup aus Salmtal insolvent

Das Startup Coboworx aus der Eifel wollte Roboter in kleine und mittelständische Unternehmen bringen. Obwohl der Umsatz steigt, ist das Unternehmen in die Insolvenz geschlittert.

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Von Autor/in Maximilian Storr, Christian Altmayer

Dutzende Kartons mit Bierflaschen gleiten über ein Fließband. Ein gelber Greifarm schnappt sich die Kisten und stapelt sie auf eine Palette. Die Szenen sind bei einer Spedition in der Nähe von München gedreht worden. Der Roboter aber stammt vom Startup "Coboworx" aus Salmtal in der Eifel.

Der kurze Werbefilm zeigt, wie sich Geschäftsführer Olaf Gehrels die Arbeit der Zukunft vorstellt. Im Podcast "Startup Spotlight" erklärt er seine Vision ausführlicher: "In der modernen Fabrik muss der Fabrikarbeiter keine Säcke, Kartons, Eimer oder Kanister mehr schleppen. Das machen die Roboter besser."

In der Fabrik in Salmtal werden solche Roboter entwickelt. Damit es weitergeht, braucht die Firma einen neuen Investor.
In der Fabrik in Salmtal werden solche Roboter entwickelt. Damit es weitergeht, braucht die Firma einen neuen Investor. Coboworx

Das Potential sei groß. In Deutschland gebe es mehr als zweieinhalb Millionen produzierende Unternehmen, die bestimmte Arbeiten mit seinen Robotern automatisieren könnten.

Coboworx ist insolvent

Der Podcast ist im Juni 2024 erschienen, kurz nachdem das junge Unternehmen in einer Finanzierungsrunde mehr als elf Millionen Euro von Investoren eingesammelt hatte.

Coboworx hat seinen Hauptsitz am Neuen Bahnhof in Salmtal. Früher war in dem Gebäude eine Bäckerei.
Coboworx hat seinen Hauptsitz am Neuen Bahnhof in Salmtal. Früher war in dem Gebäude eine Bäckerei. Christian Altmayer

Ein gutes Jahr später ist Coboworx pleite. Und das, obwohl das Unternehmen laut Insolvenzverwalter Ingo Grünewald in nur sechs Monaten so viel Umsatz erzielte wie im gesamten Vorjahr. Wie konnte das passieren?

Ingo Grünewald ist Insolvenzverwalter bei der Kanzlei "Professor Schmidt" in Trier.
Ingo Grünewald ist Insolvenzverwalter bei der Kanzlei "Professor Schmidt" in Trier. Professor Schmidt Insolvenzverwalter Rechtsanwälte

Mehr Umsatz, trotzdem pleite

Die Firma wurde 2019 gegründet und konnte ihre Roboter zwar schon auf den Markt bringen und an einige Kunden verkaufen oder vermieten. Doch Gewinne blieben aus - Coboworx war dauerhaft auf neues Kapital angewiesen. Mehr als 30 Investoren sind nach Angaben des Insolvenzverwalters an Coboworx beteiligt. Auch Firmen aus den USA hatten ihr Geld in dem Eifeler Startup angelegt.

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Deutsche Startups scheitern oft

Doch zuletzt wollten manche Investoren offenbar nicht mehr nachlegen - wohl auch wegen der angespannten Wirtschaftslage in Deutschland. Dabei ist das Unternehmen laut Insolvenzverwalter Grünewald auf einem guten Weg gewesen. Er zieht einen Vergleich, um die Lage zu verdeutlichen: "Das Flugzeug war schon abgehoben, hatte aber noch keine Flughöhe erreicht."

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Dass gerade junge Firmen komplett abstürzen, passiert nicht selten. "Die meisten Startups in Deutschland scheitern auf dem Weg zu einem großen etablierten Unternehmen", sagt Christoph Stresing, Geschäftsführer des Startup-Verbandes.

Hier gilt das Scheitern als Versagen.

Viele Unternehmen würden nach der Gründung noch keinen Umsatz machen. Sie können keine Sicherheit bieten und den Banken keine Zinsen für einen Kredit bezahlen. Deshalb sind sie auf private Geldgeber angewiesen, die bereit sind, in ihre Idee zu investieren.

Christoph Stresing ist einer der Geschäftsführer des Startup-Verbands in Berlin.
Christoph Stresing ist einer der Geschäftsführer des Startup-Verbands in Berlin. Start-Up-Verband

Zu wenig Kapital aus Deutschland

In den ersten Jahren finden sich solche Geldgeber in Deutschland oft noch, sagt Stresing. "Aber je mehr Geld benötigt wird, desto mehr Kapital kommt aus dem Ausland. Viele Deutsche sind dann nicht mehr dabei. Das hat sicherlich mit der Mentalität zu tun." Und mit der Fehlerkultur: "Hier gilt Scheitern als Versagen."

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Unternehmen zögerlich bei Tech-Produkten

Auf lange Sicht sei das schlecht für die deutsche Wirtschaft, meint Stresing, weil dabei innovative Ideen auf der Strecke bleiben würden: "Der Zug ist noch nicht abgefahren. Wir haben eine gute Grundlagenforschung und genug Geld ist eigentlich auch da. Aber wir laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren."

Mirko Holzer ist Geschäftsführer der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Für Start-Ups wie Coboworx sieht er in Deutschland große Herausforderungen.
Mirko Holzer ist Geschäftsführer der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Für Startups wie Coboworx sieht er in Deutschland große Herausforderungen. Mirko Holzer

Mirko Holzer von der Bundesagentur für Sprunginnovationen sieht das Problem aber nicht nur in der Finanzierung, sondern auch in der Einstellung vieler mittelständischer Unternehmen, die häufig zögern würden, neue innovative Tech-Produkte zu kaufen.

"Der Unternehmer überlegt sich in Deutschland zwei- oder dreimal, ob er von einem kleinen Startup eine Lösung kauft - oder lieber wartet, bis sie sich hundertfach bewährt hat", sagt Holzer. Gerade in der aktuellen, angespannten Wirtschaftslage gelte das mehr denn je.

Insolvenzverwalter: Coboworx noch zu retten

Das habe auch Coboworx zu spüren bekommen, sagt Insolvenzverwalter Ingo Grünewald: "Die Industrie ist gerade zurückhaltend mit Aufträgen." Für die Salmtaler Firma könnte es aber trotz der schwierigen Lage noch nicht zu spät sein.

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Insolvenzverwalter Grünewald will bis Ende des Jahres einen neuen Investor finden. Außerdem will er möglichst viele der über 30 Arbeitsplätze retten.

Grünewald bleibt bei seinem Bild: "Im Moment versuche ich, diesen Flieger nochmal zu landen. Dann wird neu getankt - und ich hoffe, dass wir nochmal durchstarten können."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Maximilian Storr
Maximilian Storr
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

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