Wie das ARD Wetterkompetenzzentrum dem SWR mitteilte, war Tief "Calvin" über Italien schuld an den hohen Regenmengen. Dadurch sei sehr feuchte Mittelmeerluft über die Alpen nach Deutschland geführt worden.
Mittelmeer heizt sich stark auf - Wasser verdunstet und regnet sich ab
Im zentralen Mittelmeerraum sei die Temperatur des oberflächennahen Meerwassers aktuell etwa 3 bis 4 Grad höher als im langjährigen Mittel. Dadurch habe mehr Wasser verdunsten können und die Luftmasse sei feuchter gewesen als bei vergleichbaren Wetterlagen in der Vergangenheit, erläuterte Wetterexperte Tim Staeger. Das sei eine der Auswirkungen des Klimawandels.
Gleichzeitig habe es ein Hochdruckgebiet über der Nordsee gegeben. Dadurch sei das Regengebiet nur sehr langsam nach Norden vorgerückt. In Norddeutschland war es in den vergangenen Tagen sehr sonnig und auch deutlich milder als bei uns.
Wenige Einsätze in der Westpfalz Dauerregen: Keine Warnungen mehr in Rheinland-Pfalz
Seit Mittwoch regnete es ununterbrochen über weiten Teilen von Rheinland-Pfalz. Inzwischen sind auf der Karte des DWD keine Warnungen mehr zu sehen.
Weinbiet und Kaiserslautern weit vorn in der Statistik
Der meiste Regen kam dem zufolge auch im Süden von Rheinland-Pfalz herunter, vornehmlich in der Süd- und Westpfalz sowie in Rheinhessen.
So fielen auf dem Weinbiet im Pfälzerwald rund 85 Liter Regen pro Quadratmeter - in der Zeit von Dienstag, 8:00 Uhr, bis Donnerstag, 8:00 Uhr. In Kaiserslautern waren es 81 Liter, in Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) immerhin noch 74 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden.
Ganz anders sah es dagegen im Westerwald aus. Bad Marienberg, Hachenburg und Hilgenroth melden gerade einmal fünf Liter auf den Quadratmeter, in Wissen an der Sieg waren es sogar nur zwei Liter.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet ähnliche Zahlen - allerdings gibt er die Gesamthöhe der gefallen Niederschläge im selben Zeitraum nicht in Litern pro Quadratmeter, sondern in Millimetern an.
| Weinbiet (Pfälzerwald) | 83,8 |
| Kaiserslautern | 80,8 |
| Trippstadt (Kreis Kaiserslautern) | 77,9 |
| Henschtal (Kreis Kusel) | 74,8 |
| Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) | 72,8 |
Stationsrekorde für Niederschlagmengen in 24 Stunden
An einigen Messstellen wurde in der Zeit vom 24. auf den 25. September (8:00 Uhr) sogar Stationsrekorde für Niederschlagssummen in 24 Stunden aufgestellt. Daxweiler im Kreis Bad Keuznach lag mit 43 Litern auf den Quadratmeter vor Göllheim (Donnersbergkreis) mit 42 Litern. Auch in der Landeshauptstadt Mainz fielen in diesem Zeitraum immerhin noch 34 Liter auf den Quadratmeter.
Die durchschnittliche Regenmenge für den gesamten Monat September beträgt je nach Station in der betrachteten Region etwa 60 bis 70 Liter pro Quadratmeter, wie das ARD Wetterkompetenzzentrum erläuterte.
Trockenheit im Frühjahr und Sommer hilft gegen Hochwaser
Laut Tim Staeger vom ARD Wetterkompetenzzentrum sorgte vor allem die trockene Witterung seit März dafür, dass die Böden das Wasser gut aufnehmen konnten. Besonders heiß war es im Juni und teilweise auch im August. Nur der Juli zeigte sich ungewöhnlich nass und relatv kühl.
Mittwoch vorläufig heißester Tag des Jahres in Rheinland-Pfalz Wetter: Abkühlung nach der großen Hitze von fast 40 Grad in Andernach
Nach dem Hitzerekord von fast 40 Grad in Andernach können die Menschen in Rheinland-Pfalz nun durchatmen. Am Donnerstag blieben die Werte vielerorts unter 30 Grad.
Landregen für Böden besser als Gewitter
Außerdem hatten wir in den vergangenen 48 Stunden einen lang anhaltenden Landregen und keinen Starkregen wie bei einem Gewitter. So habe der Boden mehr Zeit gehabt, die Wassermassen aufzunehmen. In Rheinland-Pfalz seien daher keine Hochwassemeldestufen überschritten worden. Nur an kleineren Bächen und Flüssen seien die Pegelstände kurzfristig deutlich angestiegen.
Ganz anders sah es dem Wetterexperten zufolge 2021 bei der großen Flutkatastrophe aus. Zum einen waren die Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Tagen noch höher, zum anderen hatte es schon vor der Nacht zum 15. Juli im Frühjahr und Sommer sehr oft geregnet. Die Böden seien daher gesättigt gewesen und hätten den vielen Regen nicht mehr aufnehmen können, so Staeger. Das Wasser sei in die kleinen Flüsse und Bäche abgelaufen, die alle in die Ahr münden.