Das Wissen

Berufsverbot – Dürfen Rechtsextreme für den Staat arbeiten?

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Von Autor/in Marc Bädorf

Seit im Frühjahr 2025 ein Gutachten bekannt wurde, in dem das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextremistisch einstuft, gewinnt diese Frage an Brisanz. Zwar hat der Verfassungsschutz aufgrund eines Rechtsstreits mit der Partei eine sogenannte Stillhaltezusage gegeben und nennt die AfD öffentlich nicht mehr "rechtsextrem". Dennoch wollen manche Länder wie z. B. Rheinland-Pfalz Beamte vor einer Einstellung stärker auf ihre politische Gesinnung überprüfen.

In den 1970er-Jahren hatte die Politik mit dem umstrittenen Radikalenerlass schon mal versucht, gegen – damals linke – Verfassungsfeinde vorzugehen. Kehren jetzt die Berufsverbote zurück?

AfD-Mitglieder und Staatsdienst Innenminister Ebling räumt "Unklarheit" bei Umgang mit AfD-Mitgliedern ein

Der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) hat eingeräumt, dass bei seinem jüngsten Vorstoß zur AfD ein falscher Eindruck entstanden sei.

RLP

Neue Verwaltungsvorschrift Rheinland-Pfalz stellt keine AfD-Mitglieder mehr im Staatsdienst ein

In Rheinland-Pfalz sollen AfD-Mitglieder nicht mehr in den Staatsdienst aufgenommen werden. Das hat Innenminister Michael Ebling (SPD) mitgeteilt.

SWR4 am Donnerstag SWR4

RLP

Verfassungsschutzbericht 2024 AfD und offen Rechtsextreme vernetzen sich in RLP zunehmend

Der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz beobachtet eine zunehmende Vernetzung zwischen der AfD und der offen rechtsextremen Szene. geht aus der Bericht der Behörde für 2024 hervor.

Ludwigshafen

Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Koblenz Beschwerde abgewiesen: AfD-Politiker Paul darf bei OB-Wahl in Ludwigshafen endgültig nicht antreten

Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz hat entschieden, dass der AfD-Kandidat Joachim Paul weiterhin von der Oberbürgermeister-Wahl in Ludwigshafen ausgeschlossen bleibt.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Ludwigshafen

Verfassungstreue wird angezweifelt Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen: AfD-Kandidat darf nicht antreten

Der Wahlausschuss der Stadt Ludwigshafen für die Oberbürgermeisterwahl im September hat die Bewerbung des AfD-Kandidaten Joachim Paul zurückgewiesen.

SWR4 am Dienstag SWR4

Koblenz

AfD-Mitglied Paul organisierte "Messe des Vorfelds" Vertreter der "Neuen Rechten" trafen sich in Koblenz

Der Koblenzer AfD-Landtagsabgeordnete Joachim Paul hat am Samstag eine so genannte "Messe des Vorfelds" veranstaltet. Eingeladen waren Medien und Influencer aus dem neu-rechten Spektrum.

Bildung Hakenkreuz und Hitlergruß – Wie Schulen mit rechtsextremen Jugendlichen umgehen

Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Vorfälle durch Schüler steigt. Lehrkräfte wissen oft nicht, was sie tun sollen. Sie fühlen sich eingeschüchtert von Eltern oder dem Umfeld.

Das Wissen SWR Kultur

Gesellschaft Was hilft gegen Rechtsextremismus? – Wie Zivilgesellschaft funktioniert

Nach Wahlerfolgen der AfD oder nach rechtsextremen Übergriffen heißt es gern: "Wir müssen die Demokraten vor Ort stärken". Doch wenn Demokratie nur gepredigt, aber nicht gelebt wird, entsteht Frustration – und die macht anfällig für rechtsextreme Parolen.

Das Wissen SWR Kultur

Politik Konservativ, rassistisch, extrem – Was ist rechts?

Heimat, Nation, Tradition: Werte der "Rechten" oder "Konservativen". Radikalisierung beginnt, wenn Andersdenkende abgewertet und verfolgt werden: politische Gegner, Ausländer, Juden.

Das Wissen SWR Kultur

Politik 10 Jahre AfD – War die Radikalisierung alternativlos?

Einst Anti-Euro-Partei, heute ein extremistischer Verdachtsfall. Die Macht innerhalb der AfD verschob sich immer weiter nach rechts, damit auch ihr Profil. Musste es so kommen?

SWR2 Wissen SWR2

Extremismus Parteienverbote – Wann die Demokratie sich wehren muss

Die in Teilen rechtsextreme AfD ist in einigen Regionen stärkste Partei. Muss die Demokratie das aushalten oder sollte die AfD verboten werden?

Das Wissen SWR Kultur

Gesellschaft Warum viele Ostdeutsche rechts wählen und eine andere Demokratie wollen

Ausländerfeindliche Positionen liegen in den neuen Ländern seit den frühen 2000er-Jahren konstant bei 30 Prozent. Einen starken Führer und den Nationalsozialismus finden 10 bis 15 Prozent gut. Wo liegen die Gründe?

Das Wissen SWR Kultur

Bildung Wie politisch dürfen Lehrkräfte sein?

Darf eine Mathelehrerin Coronaregeln ablehnen, ein Sportlehrer die Antifa bewerben? Demokratiebildung gehört zu Schule. Aber politische Kontroversen müssen verfassungskonform sein.

SWR2 Wissen SWR2

29.1.1972 Der neue Radikalenerlass – Kritik von Gewerkschaften und Studierenden

29.1.1972 | Anfang der 1970er Jahre nahm die politisierte Gewalt in Deutschland zu. Teile der Studentenbewegung haben sich radikalisiert. Andere vor allem linke Gruppen folgten offen der von Studentenführer Rudi Dutschke ausgegebenen Parole vom Marsch durch die Institutionen. In dieser politischen Stimmung beschließen Bund und Länder parteiübergreifend den sogenannten Radikalenerlass. Das Ziel war zu verhindern, dass Verfassungsfeinde den Staat unterwandern. Die Folge war, dass, bevor eine Lehrerin oder auch ein Bahn- oder Postbeamter eingestellt wurde, eine sogenannte Regelanfrage beim Verfassungsschutz gestellt wurde. Welches Verhalten genau als verfassungsfeindlich gelten sollte, war allerdings nicht eindeutig definiert. Klar war, dass es nicht nur um Parteizugehörigkeit – etwa zu kommunistischen Parteien gehen sollte. Sowohl die SPD-geführte Bundesregierung unter Willy Brandt als auch die unionsgeführten Länder fassten den Beschluss gemeinsam. Die SPD auch deshalb, um ihre Distanz zum Kommunismus zu unterstreichen. Denn der SPD wurde – gerade auch wegen Brandts Ostpolitik und der Verträge mit Moskau – eine Nähe zum Kommunismus immer wieder vorgeworfen. Es ist der 29.1.1972. Hamburg hat als erstes Bundesland den Radikalenerlass umgesetzt – und erntet dafür viel Kritik, nicht nur von Gewerkschaften. Der folgende Beitrag – der in seiner archivierten Fassung vorne und hinten etwas abreißt - zeigt die Reaktionen auf den neuen Erlass.