Eine Stimme von Welt
An der Stuttgarter Staatsoper wird aktuell eine neue Inszenierung von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ aufgeführt. Mit dabei: Weltklasse-Bariton Martin Gantner in der Hauptrolle des Hans Sachs.
Martin Gantner stand schon auf vielen der großen Bühnen dieser Welt: Er sang unter anderem in der Pariser Nationaloper, der Scala in Mailand, der Metropolitan Opera in New York, der Nationaloper der Niederlande in Amsterdam und dem Neuen Nationaltheater in Tokio.
Auch in Deutschland ist er lange kein Unbekannter mehr, denn seine Karriere führte ihn in die Staatsopern von Hamburg, Stuttgart und Berlin, die Dresdener Semperoper und die Bayrische Staatsoper, wo er 2005 für seine Leistungen zum Bayerischen Kammersänger ernannt wurde.
Als „Meistersinger“ in den Südwesten
Nun ist der gebürtige Bruchsaler wieder näher an seine alte Heimat gekommen: Erneut steht er in der Stuttgarter Staatsoper auf der Bühne. Dabei war ihm der Weg auf die Bühne für Martin Gantner alles andere als vorgezeichnet.
„Ich habe immer sehr gerne gesungen. Und das war auch der Grund, warum ich in den Schulchor gegangen bin“, erinnert sich Gantner im Gespräch mit SWR Kultur. „Dann habe ich die ersten drei Chorproben mitgemacht und danach hat mich der Chorleiter Claus Holz nach vorne gebeten und hat gesagt: Ja, Martin, du singst sehr laut, aber nicht sehr schön.“
Vom Chorschüler zum Meister
Die Kritik und anschließende Übungen halfen offensichtlich, denn nach dem Abitur studierte Martin Gantner Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe. 1989 stand er dann erstmals als Opernsänger auf der Bühne – an der Oper Koblenz.
„Also Sänger. Ich konnte mir früher überhaupt nichts unter dem Beruf vorstellen“, gesteht Gantner heute mit einem Lächeln.
Und nun spielt er ausgerechnet einen der titelgebenden Wagnerschen Meistersänger in Stuttgart. Für die Rolle des Hans Sachs steht Martin Gantner länger als je zuvor auf der Bühne.
„Ich habe es jetzt mal gestoppt: 220 Minuten Bühne und davon mehr als die Hälfte reiner Gesang“, erzählt er. Nur wenige besitzen die Ausdauer, um dieser stimmlichen Herausforderung gerecht zu werden.
Eine Oper mit schwerer Geschichte
Dabei ist „Die Meistersinger von Nürnberg“ alles andere als ein unproblematisches Stück. Richard Wagner verfasste judenfeindliche Abhandlungen, darunter „Das Judenthum in der Musik“. Insbesondere die Meistersinger-Rolle des Stadtschreibers Beckmesser wird als antisemitische Karikatur verstanden.
Ab 1935 an wurde der Reichsparteitag der Nationalsozialisten jedes Jahr mit der Aufführung der „Meistersinger“ eingeleitet.
Die aktuelle Inszenierung in Stuttgart ignoriert diese Vergangenheit nicht, sondern bindet sie ein: Nicht nur verändert sich das Bühnenbild über die drei Akte hinweg zu einem Abbild der Führer-Tribüne auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, ebenso wurde zu Beginn des letzten Aktes Paul Celans Holocaust-Gedicht „Todesfuge“ integriert.
Gantners Hans Sachs schwingt sich schließlich zum wahnhaften Populisten auf, der sich mit lauten „Heil!“-Rufen feiern lässt.
Komplex, aber reizvoll
Insgesamt sieht sich Martin Gantner mit einer, wie er sagt, sehr reizvollen Herausforderung konfrontiert.
Diese Rolle stellt die wohl komplexeste aller Wagner-Partien dar – speziell in der tiefgründigen Deutung unserer Produktion.
Er verspricht: „Es gibt viel zu hören, zu sehen und zu diskutieren!“ Bis Ende März steht Martin Gantner als Hans Sachs auf der Stuttgarter Opernbühne, vor restlos ausverkauften Rängen.
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