Das war die art Karlsruhe 2026

Zwischen Millionen-Kunst und bunten Tonvögeln: Klassentreffen der Kunstszene

Kunst zwischen 20 Euro und einer Million: Die art Karlsruhe 2026 war ein Messe-Erlebnis, bei dem man zwar leicht den Überblick verlieren, aber auch neue Perspektiven einnehmen konnte.

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Stand

Von Autor/in David Kirchgeßner

180 Galerien auf einem Fleck

„Pack dir bequeme Schuhe ein.“ Dieser Tipp einer Kollegin vor dem Besuch der art Karlsruhe war Gold wert. Denn wer auch nur einen groben Überblick bekommen wollte, musste ordentlich Schritte sammeln.

180 Galerien aus 18 Ländern präsentierten in vier Hallen der Messe Karlsruhe die Kunst der Künstlerinnen und Künstler, die sie vertreten. Zu sehen und kaufen gab es ein Spektrum von Klassischer Moderne bis zur aktuellsten Gegenwartskunst in Form von Bildern, Skulpturen und Installationen.

Preislich ging es bei Papierarbeiten ab knapp 20 Euro los, während für große Namen der Kunstgeschichte hohe Summen aufgerufen wurden: etwa ein Gemälde von Max Liebermann für beachtliche 1,12 Millionen Euro.

art Karlsruhe 2026
An jeder Ecke was zu entdecken: Skulpturen, die in den Dialog mit Gemälden und Installationen treten, sind ein Markenzeichen der art Karlsruhe. Pressestelle Messe Karlsruhe | Carlotta Roob

Klassentreffen der Kunstszene

Trotz der Dimensionen und hat sich die art Karlsruhe in Teilen den Charme eines „Klassentreffens der Kunstszene“ bewahrt, insbesondere für die Szene aus dem Südwesten. Wer sich ein bisschen auskennt, trifft an jeder Ecke bekannte Gesichter oder kann neue Kontakte knüpfen.

Die Stuttgarter Malerin Noemi Strittmatter beschreibt es im Interview mit SWR Kultur so: „Wir sind vorhin reingekommen und gar nicht zu unserem Stand gekommen, weil man irgendwie an jedem Stand jemanden kennt. Es ist nett, denn an jeder Ecke trifft man jemanden und man kann sich kurz austauschen. Manche Leute sieht man ja auch wirklich nur einmal im Jahr.“

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Markus Lüpertz unterwegs auf der art karlsruhe
Prominenter Besuch: Der Maler, Grafiker und Bildhauer Markus Lüpertz war nicht nur mit Kunstwerken auf der art Karlsruhe vertreten, sondern war auch mit 84 Jahren noch in den Messehallen unterwegs. Pressestelle art karlsruhe/Jürgen Rösner

Doch wie bewältigt man diese Menge an Eindrücken? Der Karlsruher Sammler Simon Viebach ist Messeprofi und sagt: „In so einer Messe ist man erst mal reizüberflutet. Hier hängen so viele Kunstwerke. Irgendwann ist man auch satt. Vielleicht muss man so eine Kunstmesse auf zwei Tage planen und in verträglichen Häppchen anschauen.“

Nachwuchsförderung und Neuentdeckungen

Die Messe setzte auch 2026 einerseits auf Bewährtes und hochpreisige Kunst von großen Namen wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz oder Andy Warhol, strebte aber auch spürbar nach Verjüngung. Beste Beispiele: Bereiche wie der Academy.Square mit Werken von Studierenden oder eine speziell für Nachwuchs-Sammler*innen kuratierte Auswahl.

Gleichzeitig gab es wieder die Ausstellungsbereiche Re:Discover und Re:Frame, die vergessene Kunstwerke und Künstler*innen zurück ins Licht der Öffentlichkeit rücken sollten.

SWR Kultur Reporterin Marie-Dominique Wetzel zeigte sich insbesondere von der Künstlerin beeindruckt: „Sie ist 89 Jahre alt und extra aus den USA hergeflogen, um ihre Fotostillleben zu präsentieren, die sie in sehr aufwändigen Verfahren herstellt.“

Vera Mercer, Flowers in our Apartment
Die 1936 in Berlin geborene Fotografin, Vera Mercer, gilt als Meisterin der komponierten, bildgewaltigen Stillleben. Pressestelle Messe Karlsruhe

Und was sagt der Kunstmarkt?

Nach fünf Tagen Messe lässt sich sagen: Selbst in Zeiten multipler Krisen scheint das Interesse an Kunst ungebrochen. Messekennerin Marie-Dominique Wetzel hat bei vielen Sammlern sogar eine „fast trotzige Reaktion“ ausgemacht: Jetzt sei es erst recht die Zeit, in Kunst zu investieren.

Dass der Kauf von Gegenwartskunst auch ein Statement sein kann, unterstreicht Michael Preuss von der Stuttgarter Galerie Better Go South: „Man soll ja Kunst kaufen von Künstlern, die leben, um die Kultur zu unterstützen. Und da wollen wir unseren Teil dazu beitragen.“

art Karlsruhe 2026
Ein großes Ziel der art Karlsruhe war dieses Jahr, neue Sammlergenerationen anzusprechen und ein jüngeres Publikum anzusprechen. Dazu braucht es auch junge Kunst in den Hallen. Pressestelle Messe Karlsruhe | Carlotta Roob

Kunst zum Mitnehmen mit guter Tat: „Birds of Heaven“

Einen besonderen Eyecatcher hatte die Galerie von Yvonne Hohner an ihrem Stand: Die Installation „Birds of Heaven“ (2025) des Karlsruher Künstlers Fahar Al-Salih. Er präsentierte über 2.000 handgefertigte Keramikvögel in Pastellfarben. Die Arbeit soll an das Leid von Kindern in Krisengebieten erinnern und greift die Vorstellung auf, dass verstorbene Kinder im Himmel zu Vögeln werden.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Die serielle Herstellung wurde hier zum konzeptuellen Kern – eine stille Praxis des Erinnerns. Das Besondere für das Publikum: Man war eingeladen, gegen eine Spende einen Vogel mitzunehmen.

So setzt sich die Arbeit im Privaten fort und trägt die Botschaft der Installation über die Messehallen hinaus. Und einen günstigeren Einstieg ins Kunstsammeln gab es wohl auf der ganzen art Karlsruhe nicht.

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