180 Galerien auf einem Fleck
„Pack dir bequeme Schuhe ein.“ Dieser Tipp einer Kollegin vor dem Besuch der art Karlsruhe war Gold wert. Denn wer auch nur einen groben Überblick bekommen wollte, musste ordentlich Schritte sammeln.
180 Galerien aus 18 Ländern präsentierten in vier Hallen der Messe Karlsruhe die Kunst der Künstlerinnen und Künstler, die sie vertreten. Zu sehen und kaufen gab es ein Spektrum von Klassischer Moderne bis zur aktuellsten Gegenwartskunst in Form von Bildern, Skulpturen und Installationen.
Preislich ging es bei Papierarbeiten ab knapp 20 Euro los, während für große Namen der Kunstgeschichte hohe Summen aufgerufen wurden: etwa ein Gemälde von Max Liebermann für beachtliche 1,12 Millionen Euro.
Klassentreffen der Kunstszene
Trotz der Dimensionen und hat sich die art Karlsruhe in Teilen den Charme eines „Klassentreffens der Kunstszene“ bewahrt, insbesondere für die Szene aus dem Südwesten. Wer sich ein bisschen auskennt, trifft an jeder Ecke bekannte Gesichter oder kann neue Kontakte knüpfen.
Die Stuttgarter Malerin Noemi Strittmatter beschreibt es im Interview mit SWR Kultur so: „Wir sind vorhin reingekommen und gar nicht zu unserem Stand gekommen, weil man irgendwie an jedem Stand jemanden kennt. Es ist nett, denn an jeder Ecke trifft man jemanden und man kann sich kurz austauschen. Manche Leute sieht man ja auch wirklich nur einmal im Jahr.“
Doch wie bewältigt man diese Menge an Eindrücken? Der Karlsruher Sammler Simon Viebach ist Messeprofi und sagt: „In so einer Messe ist man erst mal reizüberflutet. Hier hängen so viele Kunstwerke. Irgendwann ist man auch satt. Vielleicht muss man so eine Kunstmesse auf zwei Tage planen und in verträglichen Häppchen anschauen.“
Nachwuchsförderung und Neuentdeckungen
Die Messe setzte auch 2026 einerseits auf Bewährtes und hochpreisige Kunst von großen Namen wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz oder Andy Warhol, strebte aber auch spürbar nach Verjüngung. Beste Beispiele: Bereiche wie der Academy.Square mit Werken von Studierenden oder eine speziell für Nachwuchs-Sammler*innen kuratierte Auswahl.
Gleichzeitig gab es wieder die Ausstellungsbereiche Re:Discover und Re:Frame, die vergessene Kunstwerke und Künstler*innen zurück ins Licht der Öffentlichkeit rücken sollten.
SWR Kultur Reporterin Marie-Dominique Wetzel zeigte sich insbesondere von der Künstlerin beeindruckt: „Sie ist 89 Jahre alt und extra aus den USA hergeflogen, um ihre Fotostillleben zu präsentieren, die sie in sehr aufwändigen Verfahren herstellt.“
Und was sagt der Kunstmarkt?
Nach fünf Tagen Messe lässt sich sagen: Selbst in Zeiten multipler Krisen scheint das Interesse an Kunst ungebrochen. Messekennerin Marie-Dominique Wetzel hat bei vielen Sammlern sogar eine „fast trotzige Reaktion“ ausgemacht: Jetzt sei es erst recht die Zeit, in Kunst zu investieren.
Dass der Kauf von Gegenwartskunst auch ein Statement sein kann, unterstreicht Michael Preuss von der Stuttgarter Galerie Better Go South: „Man soll ja Kunst kaufen von Künstlern, die leben, um die Kultur zu unterstützen. Und da wollen wir unseren Teil dazu beitragen.“
Kunst zum Mitnehmen mit guter Tat: „Birds of Heaven“
Einen besonderen Eyecatcher hatte die Galerie von Yvonne Hohner an ihrem Stand: Die Installation „Birds of Heaven“ (2025) des Karlsruher Künstlers Fahar Al-Salih. Er präsentierte über 2.000 handgefertigte Keramikvögel in Pastellfarben. Die Arbeit soll an das Leid von Kindern in Krisengebieten erinnern und greift die Vorstellung auf, dass verstorbene Kinder im Himmel zu Vögeln werden.
Die serielle Herstellung wurde hier zum konzeptuellen Kern – eine stille Praxis des Erinnerns. Das Besondere für das Publikum: Man war eingeladen, gegen eine Spende einen Vogel mitzunehmen.
So setzt sich die Arbeit im Privaten fort und trägt die Botschaft der Installation über die Messehallen hinaus. Und einen günstigeren Einstieg ins Kunstsammeln gab es wohl auf der ganzen art Karlsruhe nicht.
Mehr über die art Karlsruhe 2026
Kunstsammler
Hausbesuch Leben mit Kunst – der Kunstsammler und Maler Manfred Fuchs aus Mannheim
Wie viele Werke er und seine Frau besitzen, kann Manfred Fuchs gar nicht sagen. Schon als Schüler kaufte er von seinem ersten Taschengeld erste Drucke und saß stundenlang in der Kunsthalle Mannheim, um berühmte Werke zu kopieren. Doch nach dem frühen Tod des Vaters musste sich Manfred Fuchs vor allem um das Familienunternehmen kümmern. Die Leidenschaft für die Kunst ist aber immer geblieben. Heute, im Ruhestand, genießt er seine beeindruckende Kunstsammlung und verbringt viel Zeit in seinem Atelier beim Malen.