Melancholische Tragikomödie

Film für die Vorweihnachtszeit: „Der Hochstapler-Roofman“ mit Channing Tatum und Kirsten Dunst

Nach einem Gefängnisausbruch versteckt sich der Verbrecher Jeffrey Manchester über Monate in einer Toys “R“ Us-Filiale. Diese wahre Geschichte verfilmt Derek Cianfrance mit Channing Tatum und Kirsten Dunst in den Hauptrollen.

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Stand

Von Autor/in Julia Haungs

„Roofman“ entkommt immer übers Dach

Für Jeffrey Manchester ist es so gelaufen: Nach Jahren im Militär findet der Mittvierziger nicht mehr zurück in ein normales Leben. Um den Lebensunterhalt für seine Familie zu bestreiten, beginnt er, McDonald’s-Filialen auszurauben. Weil er immer über das Dach kommt, hat er bald den Spitznamen „Roofman“. Beim 45. Einbruch wird er allerdings gefasst und zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt.

„Der Hochstapler-Rooftop“
Die wahre Geschichte des US-Amerikaner Jeffrey Manchester war die Vorlage für Jeff (Channing Tatum) in „Roofman“: Über Monate lebte er in einer Toys “R“ Us-Filiale in North Carolina, wo er sich nach einem Gefängnisausbruch vor der Polizei versteckte. Leonine Studios

Überleben im Spielzeugladen

Jeffreys neues Zuhause wird nach seinem Ausbruch aus dem Gefängnis eine Toys “R“ Us-Filiale in North Carolina, in die er vor der Polizei flüchtet. Im Hohlraum hinter einer Regalwand richtet er sich ein Versteck ein – mit all dem, was man in einem Spielzeugladen eben so findet: Spiderman-Bettwäsche, Actionfiguren und jede Menge Süßkram.

Meisterwerk der Ausstattung

Die Ausstattungsabteilung hat für „Der Hochstapler – Roofman“ ein Meisterwerk vollbracht und die Toys “R“ Us-Filiale aus den frühen 2000er-Jahren in einer 7000 m² großen Halle detailgetreu nachgebaut – bis hin zur trüben Neonbeleuchtung. Die Regale sind dicht gefüllt mit dem damals aktuellen Spielzeug.

„Der Hochstapler-Rooftop“
Die Ausstattungsabteilung hat für „Der Hochstapler – Roofman“ ein Meisterwerk vollbracht und die Toys “R“ Us-Filiale aus den frühen 2000er Jahren in einer 7000 m² großen Halle detailgetreu nachgebaut – bis hin zur trüben Neonbeleuchtung. Leonine Studios

So kann sich Jeffrey nachts lustvoll durch das ganze Angebot spielen und auf Rollschuhen die Gänge hinuntergleiten. Tagsüber beobachtet er über ein selbst gebautes System von  Babyphonen und Kameras, was sich im Büro des tyrannischen Chefs abspielt. Dabei fällt ihm die Angestellte Leigh auf, eine alleinerziehende Mutter.

Channing Tatum und Kirsten Dunst senden zarte Vibes

Kurz entschlossen packt Jeffrey einen großen Sack mit Spielzeug zusammen, wagt sich nach Monaten zum ersten Mal aus seinem Versteck und bringt den Sack zu Leighs Gemeinde, die ihn herzlich aufnimmt.

„Der Hochstapler-Rooftop“
Die alleinerziehende Mutter Leigh Wainscott (Kirsten Dunst) bringt nichtsahnend Jeffs (Channing Tatum) Pläne durcheinander. Wird sein Doppelleben der Liebe wegen auffliegen? Channing Tatum und Kirsten Dunst geben der Beziehung von Jeffrey und Leigh einen zarten Vibe, der sofort zu Herzen geht. Leonine Studios

Auch Leigh selbst kommt er bald näher und für einen Moment liegt die Chance eines Neubeginns in der Luft. Channing Tatum und Kirsten Dunst geben der Beziehung von Jeffrey und Leigh einen zarten Vibe, der sofort zu Herzen geht. Beiden Figuren hat das Leben schon einige Verletzungen zugefügt, dennoch wagen sie es, ihren emotionalen Panzer fallen zu lassen.

Melancholische Tragikomödie

Schon in „Blue Valentine“ und „The Place beyond the Pines“ erzählte Regisseur Derek Cianfrance einfühlsam von Liebe und Schuld. Anders als es Filmtitel, Trailer und Plakat nahelegen, inszeniert er auch die wahre Geschichte von „Der Hochstapler – Roofman“ nicht als skurriles Ganovenstück.

Trailer „Der Hochstapler-Roofman“ ab 27.11. im Kino

Der Hochstapler - Roofman - Trailer (deutsch/german; FSK 0) - Ab 27.11. im Kino

Unter den vielen schrägen, lauten und rasanten Elementen liegt eine melancholische Tragikomödie über einen Gescheiterten, der sich danach sehnt, dazuzugehören. Zu spät versteht Jeffrey, der seinen Wert immer wieder mit übertriebenen Aktionen und Geschenken glaubt, beweisen zu müssen, dass er eigentlich nur um seiner selbst willen geliebt wurde.

Perfekter Film für die Vorweihnachtszeit

Mit dieser Botschaft passt der Film, auch wenn er für Jeffrey und Leigh nicht gut ausgeht, perfekt in die Vorweihnachtszeit. Eine Feier der kleinen Dinge und der inneren Werte – und das inmitten der knalligen Konsumwelt eines Spielzeuggeschäfts. Das ist vielleicht die schönste Pointe dieses warmherzigen Films.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Julia Haungs
Julia Haungs, Autorin  und Redakteurin, SWR Kultur