Vor allem bereichert sie die Filmwelt durch ihre großartige Verkörperung außergewöhnlicher Frauenfiguren. Auch ihre neueste Rolle als zwielichtige Karola in „In fremden Händen“ ist wieder eine große schauspielerische Herausforderung.
Aus anfänglicher Nähe wird berechnende Kontrolle
Die großen Themen des Films sind die Vereinsamung im Alter und die Sehnsucht nach Nähe. Karola lernt im Urlaub den gesundheitlich angeschlagenen Witwer Wolfgang kennen. Er verliebt sich in sie. Während einer gemeinsamen Wanderung stürzt er schwer und ist nun auf Hilfe angewiesen.
Verdächtig schnell zieht Karola in sein Haus ein und kümmert sich rührend um seine Genesung – scheinbar. Tatsächlich gewinnt sie aber immer mehr Macht über ihn und schirmt ihn komplett von seinem bisherigen sozialen Umfeld ab – auch von seinen beiden Töchtern.
„In fremden Händen“ - Die Geschichte einer schwarzen Witwe
Als Désirée Nosbusch das erste Mal das Drehbuch zum Film las, habe sie zunächst mit ihrer Rolle gehadert, erzählt sie im Gespräch mit SWR Kultur. Nach und nach habe die Geschichte sie aber nicht mehr losgelassen. Vor allem, als sie von Regisseur Christian Bach erfuhr, dass sein Drehbuch auf wahren Begebenheiten beruht.
Nosbusch begann zu recherchieren und stieß auf ähnliche Fälle. „Es ist eine wichtige Geschichte und man muss sie erzählen“, findet die Schauspielerin. „Es ist die Geschichte einer schwarzen Witwe, wenn man so will.“
„Eine Figur zu spielen, die einfach nur böse ist, ist ja nicht reizvoll“
Karola ist eine komplexe Persönlichkeit. Sie wechselt meisterhaft zwischen ihren zwei Gesichtern. Zum einen ist sie die sympathische und aufopferungsvolle Frau an Wolfgangs Seite – zum anderen treten ihre manipulativen Züge und ihre kriminellen Absichten immer stärker hervor.“
Eine Figur zu spielen, die einfach nur böse ist, ist ja nicht reizvoll. Es ist viel spannender, herausfinden zu wollen und zu recherchieren, warum eine Person so wird.
Die besondere Herausforderung ihrer Rolle sah Nosbusch darin, hinter die Fassade von Karola zu blicken. „Warum geraten Menschen an einen Punkt, wo sie Dinge tun, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann? Das ist das, was mich reizt,“ so die Schauspielerin.
„Ein Gang durch einen Tunnel“
Die Dreharbeiten für den Film „In fremden Händen“ fanden überwiegend im Haus des Protagonisten Wolfgang statt und waren von einer großen Konzentration und Stille begleitet. Die ganze Atmosphäre sei sehr dunkel und bedrückend gewesen, erinnert sich Désirée Nosbusch.
Üblicherweise schaffe sie es sehr gut, nach Drehschluss abends ihre Rolle weitgehend abzulegen. Dieses Mal sei ihr das nicht gelungen. „Ich gebe zu, dass dieser Film ein Gang durch einen Tunnel war“, bekennt die Schauspielerin. „Ich merkte, es liegt etwas Schweres auf mir“.
Prägnante Charaktere in „Ein Fall für Conti“ und „Der Irland-Krimi“
In den letzten Jahren hat Désirée Nosbusch prägnante Filmcharaktere dargestellt. Sei es die engagierte Rechtsanwältin in „Ein Fall für Conti“ (ZDF) oder die traumatisierte Polizeipsychologin in „Der Irland-Krimi“ (ARD).
Es sind interessante und beruflich starke Frauen, die aber auch ein Geheimnis in sich tragen. Diese inneren Risse sichtbar zu machen, gelingt Désirée Nosbusch meisterhaft. Sie möchte als Schauspielerin die Emotionen ihrer Figuren verstehen und ergründen und so in ihr Leben eintauchen.
Großer schauspielerischer Durchbruch mit „Bad Banks“
Dass man Désirée Nosbusch solche anspruchsvollen Filmrollen immer wieder anbietet, hat sie ihrem großen internationalen Durchbruch durch die Miniserie „Bad Banks“ zu verdanken. In der deutsch-luxemburgischen Arte-ZDF-Koproduktion über fiktive Machenschaften in der Finanzwelt spielte sie zwischen 2018 und 2020 die skrupellose Investmentbankerin Christelle Leblanc.
Eine Darbietung, die die Schauspielwelt aufhorchen ließ – und Désirée Nosbusch für ihre Leistung einen Grimme-Preis bescherte.
„Ich empfinde eine unendliche Dankbarkeit“
Bevor Désirée Nosbusch die Charakterrolle der Christelle Leblanc in „Bad Banks“ übernahm, war sie kurz davor, mit der Schauspielerei aufzuhören. Die Rollen, die man ihr lange Zeit angeboten hatte, seien einfach nicht kreativ genug gewesen, so Nosbusch.
Umso mehr erlebe sie eine tiefe Dankbarkeit. Für die Chance, die man ihr gegeben hätte, eine andere schauspielerische Seite von sich zeigen zu können. „Ich weiß nicht, wo ich heute als Schauspielerin stünde, wenn das nicht passiert wäre.“
Désirée Nosbusch ist eine Suchende, die sich immer weiterentwickeln möchte – künstlerisch und privat. Ganz unverkrampft, aber voller Neugier.
„Wichtig ist im Leben, dass man sich selbst Dinge verzeiht“
Dass in ihrem Leben vieles nicht glatt lief, darüber spricht sie mit einer frappierenden Offenheit. „Wichtig ist, dass man sich selbst Dinge verzeiht“, sagt Désirée Nosbusch. Dann könne man auch weitermachen und nach vorne blicken: „Und so habe ich versucht, Frieden zu schließen mit vielem, was war.“
Ausstrahlung im ZDF am 2. März 2026, 20.15 Uhr und in der ZDF Mediathek
Der Fernsehfilm „In fremden Händen“ ist aktuell auch in der ARD Mediathek verfügbar.
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Schon als Zwölfjährige arbeitete Désirée Nosbusch fürs Radio und moderierte als freche Jugendliche Musiksendungen fürs Fernsehen. Nur als Schauspielerin kam sie nicht wirklich an. Sie ging dann für lange Zeit in die USA und lernte dort, Filme zu machen.
Vor ein paar Jahren hatte sie ein ganz großartiges Comeback in der Miniserie „Bad Banks“ – als grauhaarige luxemburgische Bankerin. Hier erzählt sie, warum das auch für sie überraschend war und warum sie die Schauspielerei im Prinzip schon geistig aufgegeben hatte. Jetzt ist sie eine der meistbeschäftigten Schauspielerinnen in Deutschland. So ist sie regelmäßig im Irland-Krimi zu sehen. In diesem unterhaltsamen Gespräch teilt sie einige wunderbare Momente über die Entstehung ihres ersten großen Kinofilms – aber auch Erlebnisse, die sie für ihr Leben geprägt haben.
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