Einer widersetzt sich der Patriarchin
Marianne Farrère ist tough, schön und steinreich. Mit eiserner Hand führt sie das milliardenschwere Kosmetikimperium, das sie von ihrem Vater geerbt hat.
Während der ganze Vorstand vor Marianne kuscht, lässt sich einer von ihrer Arroganz nicht einschüchtern: der Gesellschaftsfotograf Pierre-Alain Fontain. Für ein Zeitschriftenporträt soll er Marianne in Szene setzen und jagt sie erstmal durch verschiedene Outfits.
Rüpelhafter Fotograf erschüttert das familiäre Machtgefüge
Marianne imponiert Pierre-Alains forsche Art. Sie lässt ihn zunächst ihre Villa und dann den Rest ihres Lebens umkrempeln. Ihr Mann, die erwachsene Tochter und der Butler beobachten mit Missfallen, wie sich der rüpelhafte Fotograf bei ihnen einnistet und das familiäre Machtgefüge aus dem Gleichgewicht bringt.
Marianne gerät geradezu in einen Rausch und beschenkt ihren Protegé haltlos: Geld, Kunstwerke, Versicherungen – über die Jahre wandern Werte von 700 Millionen Euro in seine Tasche. An der Seite des deutlich jüngeren Mannes fühlt sich Marianne endlich lebendig.
Film basiert auf einer wahren Geschichte
„Die reichste Frau der Welt“ beruht auf der Geschichte der L‘Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Als ihre Tochter den Fotografen Francois-Marie Banier 2007 wegen Erbschleicherei verklagte, brachte das nicht nur ihn in Bedrängnis, sondern überraschenderweise auch hochrangige Politiker der konservativen Partei UMP, darunter Nicolas Sarkozy.
Denn die Ermittlungen förderten den Verdacht illegaler Wahlkampfspenden ans Tageslicht. Diese Verquickung von Geld und Macht in Frankreichs Oberschicht hätte ein guter Ansatzpunkt für eine bissige Gesellschaftssatire sein können.
Mutter-Tochter Geschichte im Mittelpunkt
Regisseur Thierry Klifa interessiert sich allerdings nicht für den politischen Skandal. In den Mittelpunkt stellt er die persönlichen Beziehungen der Figuren untereinander: Warum ist das Verhältnis von Mutter und Tochter so vergiftet? Was will die reiche Frau mit dem schwulen Freund, der sie doch offenkundig ausnimmt?
Und warum hört der auch dann nicht auf, als er merkt, dass die Familie willens ist, ihn zu verklagen? Relativ früh räumt der Film alle Zweifel über die Intentionen des Emporkömmlings aus, so dass die Handlung keine Ambivalenzen oder Überraschungen bereithält.
Isabelle Huppert und Laurent Lafitte sorgen für Komik
Dennoch gibt es durchaus vergnügliche Momente. Das liegt vor allem an der gewohnt schlagfertigen Isabelle Huppert als Marianne und Laurent Lafitte als Pierre-Alain.
Lafitte ist eine Urgewalt, etwa wenn er den wohltemperierten Familienfrieden in die Luft sprengt, indem er das große Tabu zur Sprache bringt: dass das Familienvermögen durch die Kollaboration mit den Nationalsozialisten entstanden ist.
Aber auch diese Spur vertieft „Die reichste Frau der Welt“ nicht so weit, dass es wirklich weh tut. So wirkt der Film am Ende etwas unentschieden, was er denn eigentlich erzählen will mit dieser Geschichte aus der Welt der Superreichen und warum man sich jenseits der Klatschblätter dafür interessieren sollte.
Trailer „Die reichste Frau der Welt“, ab 23.4. im Kino
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