Liebe zwischen Dominanz und Unterwürfigkeit
Es läuft nicht wirklich im Leben von Colin: Er ist schüchtern, lebt bei seinen Eltern und wird von seiner Mutter auf Blind Dates geschickt. Alles ändert sich, als er Bekanntschaft mit Ray macht. Der hünenhafte, blonde Biker führt den unerfahrenen Mann in die Welt des „Dominance Play“ ein.
Schnell wird klar: Colin hat „ein Talent für die Hingabe“. In der Rolle des „Sub“, des Unterwürfigen, geht er auf: Die Befehle seines „Dom“ erfüllt er ohne Widerspruch, die Nacht verbringt er auf Rays Bettvorleger. Doch als sich seine Beziehung mit Ray immer mehr mit Colins Alltag vermischt, bekommt das Bild Risse.
Harry Melling hat „Harry Potter” weit hinter sich gelassen
Es ist eine gewagte Rolle für den 37-jährigen Schauspieler Harry Melling. In „Pillion“ spielt er den devoten Colin an der Seite des schwedischen Schauspielers Alexander Skarsgård, seinerseits bekannt geworden als Vampir Eric Northman in der HBO-Serie „True Blood“. Gerade mit ungewöhnlichen Rollen und starken Charakterstudien ist es Melling in den vergangenen Jahren gelungen, aus dem Schatten seiner ersten und bis heute bekanntesten Rolle.
2001 spielte Melling, gerade erst 12 Jahre alt, den unerträglich egozentrischen Cousin von Harry Potter, Dudley Dursley, der Zornausbrüche bekommt, weil er zum Geburtstag nur 36 Geschenke bekommt – und nicht 37 wie im Vorjahr. Melling machte Dudley zu einer Figur, die man als Zuschauer mit Leidenschaft hassen konnte. In fünf der acht Filme trat Melling auf.
Aber wie nur wenigen der ehemaligen „Harry Potter“-Jungdarsteller ist es Melling dabei gelungen, sich aus dem Schatten der Zaubererschule herauszuspielen. Während Daniel Radcliffe wohl ewig „der Junge, der überlebte“ bleiben wird und Tom Felton aktuell wieder in seiner Paraderolle als Draco Malfoy am Broadway auf der Bühne steht, war Melling in der erfolgreichen Netflix-Serie „Das Damengambit“ zu sehen.
An der Seite von Christian Bale spielte er im Mysteryfilm „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ die Rolle des Gruselautors Edgar Allan Poe, in einer Neuverfilmung von Shakespeares „Macbeth“ neben Denzel Washington und Frances McDormand den Königssohn Malcolm.
Mehr Coming-of-Age als Erotik
Auch wenn der Film thematisch in der schwulen BDSM-Szene verankert ist, bietet „Pillion“ doch mehr Beziehungsdrama und Coming-of-Age-Erzählung als erotische Aufladung. Im Vergleich mit anderen Genre-Filmen bleibt die Darstellung schwuler und fetischbezogener Sexualität in „Pillion“ zahm, wenn nicht sogar massentauglich.
Harry Mellings differenziertes Spiel macht die Entwicklung Colins, der über die sexuelle Unterwürfigkeit seine eigene Selbstbestimmung entdeckt, glaubhaft und nachvollziehbar. Die unaufgeregt nüchterne Regie von Regisseur Harry Lighton, der mit „Pillion“ sein Spielfilmdebüt vorlegt, tut ihr Übriges, die Beziehung zwischen den beiden Männern nicht unnötig zu skandalisieren.
„Pillion“, seit 26.03.2025 im Kino
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