Spielfilm-Debüt

„Scham“ von Lukas Röder im Kino – Beklemmendes Mutter-Sohn-Drama

Vor einem Jahr gewann Regisseur Lukas Röder für sein Spielfilm-Debüt „Scham“ den Preis der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Max Ophüls Preis, die beiden Hauptdarsteller wurden kürzlich mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Der Film ist ein beklemmendes Mutter-Sohn-Drama auf den Spuren von Rainer Werner Fassbinder und Alexey Sukurov.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Kammerspiel, das an Fassbinder erinnert

Mütter. Oft genug haben sie Erwartungen, die gar nicht zu erfüllen sind. Und umgekehrt verstehen die Kinder oft gar nicht, was denn die Mutter schon wieder von ihnen will. Später, im Erwachsenenalter, ist dann alles verhärtet. Hier aber liegt alles etwas anders, als man es zu kennen glaubt.

„Scham“, das Debüt des Regisseurs Lukas Röder, sprengt den Rahmen üblicher Familienstreitigkeiten im Kino. Dies ist ein radikaler intensiver Film. Ein Zweipersonen-Kammerspiel, das manche nach der Premiere gar mit Rainer Werner Fassbinders Melodram „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ verglichen.

„Scham“ von Lukas Röder
Vier Jahre lang haben sich der 28-jährige Aaron (Til Schindler) und seine Mutter Susanne nicht gesehen. Als er sie erstmals wieder besucht, möchte er ins Gespräch kommen. missingfilms

Gewalt in der Kindheit

Aaron war als Kind Gewalt in verschiedensten Formen ausgesetzt. Jetzt kehrt er nach Jahren des Schweigens in sein Elternhaus auf dem bayerischen Land zurück. Er will seine Mutter mit vorbereiteten Fragen konfrontieren, um die Geschehnisse seiner Jugend zu rekapitulieren - für ein Kunstprojekt, aber vor allem für sich selbst.

Regisseur Lukas Röder lässt die Figuren sich selbst mit Smartphones filmen. Wir sehen beide intensiv miteinander streiten: Aaron erzählt offen von Homosexualität, von Gewalt. Er spricht über die Enttäuschung über seine Eltern, die ihn nach seiner Ansicht abwiesen und ihm seelische wie körperliche Verletzungen zufügten. 

„Scham“ von Lukas Röder
Susanne (Heike Hanold-Lynch) wirft ihrem Sohn vor, an der Vergangenheit zu kleben und weinerlich zu sein. missingfilms

Schlagabtausch zwischen Mutter und Sohn

Aaron hat die Hoffnung, dass sie irgendwie wieder zusammenfinden können, wenn nur einmal über alles gesprochen wurde. Das Aussprechen reißt auch alte Wunden auf, schafft erst neue. Mutter Susanne beschreibt aus ihrer Sicht, wie sie ihren Sohn als bösartig und hasserfüllt erlebt.

Zwischen den beiden entwickelt sich ein Schlagabtausch um ihr Verhältnis aus offener Verbitterung und unausgesprochener Liebe, um die Abhängigkeit, die zwischen ihnen nach wie vor besteht. Es geht aber auch um die grundsätzliche Frage, ob man eigentlich alles bereden muss oder ob Schweigen nicht auch ein Wert ist. 

Das ist zeitloser Zweikampf, ein überzeitlicher Generationenkonflikt, aber auch ein sehr zeitgeistiger, denn die Mutter wirft ihrem Sohn vor, an der Vergangenheit zu kleben, und weinerlich zu sein. 

Eindrucksvolle Inszenierung

Das ist alles überaus eindrucksvoll inszeniert. Es ist eine schlüssige Entscheidung des Regisseurs, größere Teile des Films im Splitscreen-Verfahren so zu erzählen, dass man gleichzeitig beide Gesichter der beiden Hauptfiguren sehen kann, also gewissermaßen zwei Bilder in einem hat. Das ist ungewohnt und visuell aufregend.

Trailer „Scham“, ab 29.1. im Kino

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Rüdiger Suchsland