Umgekehrtes „Back to the future"

Witzig und geistreich: „Die progressiven Nostalgiker“ katapultiert eine Familie ins Jahr 2025

Helene und Michael führen ein kleinbürgerliches 50er-Jahre-Leben. Ein Stromschlag katapultiert die ganze Familie ins Jahr 2025. Die unfreiwillige Zeitreise wird zum ein subtil fortschrittlichen Film über die Errungenschaften unserer Gegenwart.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Pastellige Idylle der 1950er-Jahre

Die Menschen tragen Caprihosen, essen Toast Hawai, fahren einen Citroyen DX und auch sonst ist das Leben in prachtvollem pastelligem Retro-Design gehalten, beschaulich leicht und irgendwie angenehm naiv im Frankreich der Vierten Republik im Jahr 1958.

„Die progressiven Nostalgiker“ von Vinciane Millereau
Ein Familien-Idyll im Frankreich der 1950er Jahre: Michel (Didier Bourdon), mittelmäßig, ist Bankangestellter und Ernährer, seine bessere Hälfte Hélène (Elsa Zylberstein), mit Dauerwelle, aber aufsässig, kümmert sich um Haushalt und Kinder. © Neue Visionen Filmverleih

Helene und Michael führen ein kleinbürgerliches 50er-Jahre-Leben. Er ist ein braver Angestellter in einer Bank, sie kümmert sich um Haushalt und die Kinder. Als die Tochter dann aber vom Nachbarsjungen ein Kind erwartet, bricht für das Ehepaar eine Welt zusammen. Bevor das Drama sein Lauf nehmen kann, katapultiert ein Stromschlag die Eltern ins Jahr 2025.

„Die progressiven Nostalgiker“ von Vinciane Millereau
Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) schlägt sich trotz völliger Ahnungslosigkeit erstaunlich gut als karriere-intensive Powerfrau. © Neue Visionen Filmverleih

2025: Frauen arbeiten, Männer machen den Haushalt

Hier ist wirklich alles anders: Frauen müssen arbeiten, Männer im Haushalt helfen und sie dürften einander auch heiraten. Außerdem gibt es elektrische Zahnbürsten, E-Roller und Menschen sammeln den Kot ihrer Hunde in Plastiktüten – einfach unglaubliche Dinge geschehen in dieser merkwürdigen Zukunft.

„Die progressiven Nostalgiker“ von Vinciane Millereau
Abrupter Rollenwechsel: Michel (Didier Bourdon) muss sich als Hausmann im Smart-Home abmühen. © Neue Visionen Filmverleih

Regisseurin Vinciane Millereau ist mit ihrem Spielfilmdebüt eine Art umgedrehtes „Back to the future" für das 50er-Jahre Ehepaar gelungen. Die Witze liegen bei ihrer unfreiwilligen Zeitreise förmlich auf der Straße. Und die Regisseurin weiß sie aufzulesen und sehr geistreich auf die Leinwand zu werfen.

Rasanter technischer und gesellschaftlicher Fortschritt

Die unzähligen Themen des rasanten technischen und gesellschaftlichen Fortschritts der vergangenen 65 Jahre mitsamt Emanzipation in alle Richtungen kann der Film nur streifen, doch ein bisschen Wehmut kommt schon auf. So erweist sich „Die progressiven Nostalgiker" als ein subtil fortschrittlicher Film über die Errungenschaften unserer Gegenwart.

Die Zeitreise der französischen Ehepaares hat für heutige Zuschauer tatsächlich auch einen progressiv nostalgischen Effekt: Man ertappt sich dabei, wie man sich zwischendurch mal - nur sehr kurz, aber immerhin - in die Ruhe der 50er Jahre zurücksehnt, in eine Zeit die wir gar nicht erlebt haben. Ein unterhaltsames, ungewöhnliches Filmerlebnis.

Trailer „Die progressiven Nostalgiker“, ab 22.1. im Kino

Kinotrailer "Die progressiven Nostalgiker" - Kinostart 22. Januar 2026

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