Ihr ganzes Berufsleben lang arbeitet Sigrid Klausmann mit jungen Menschen – erst als Lehrerin, dann als Tanzpädagogin und schließlich als Filmemacherin. „Ich habe in meinen Berufen eigentlich immer schon Geschichten erzählt“, sagt Sigrid Klausmann.
Selbst als Lehrerin habe ich meinen Schülern Geschichten erzählt.
Dokumentarfilm von Baden-Württemberg bis Südafrika
Ihr Regiedebüt gab sie 2007 mit dem Dokumentarfilm „Fliegen wirst du noch“ über einen kasachischen Stelzen-Artisten. In „Lisette und ihre Kinder“ porträtierte Sigrid Klausmann ein Jahr später die Erzieherin ihrer Kinder, die nach 33 Arbeitsjahren vor der Pensionierung steht.
2009 begleitete die Regisseurin dann den Fußballer Thomas Hitzlsperger bei einem Besuch in Südafrika im Vorfeld der Fußball-WM 2010. Das Ergebnis ist der Kurzfilm „Thomas Hitzlsperger und die Township Kinder“. 2012 erschien außerdem „DaHeim“. Darin bildet Sigrid Klausmann den Alltag von Kindern und Jugendlichen ab, die in einem Heim aufwachsen.
Kindheit als zentrales Motiv ihrer Arbeit
Das Thema Kindheit spielt in all diesen Filmen eine zentrale Rolle. Es beschäftigt die Regisseurin seit Jahrzehnten: „Ich kann nur sagen, es interessiert mich. Auch dadurch, dass ich so früh angefangen habe, mit Kindern auch auf künstlerischer Ebene zu arbeiten.“ 20 Jahre lang hat Sigrid Klausmann als Choreografin gearbeitet. „Was da entsteht, das ist so unglaublich berührend und spannend und tiefgehend“, sagt sie.
Auch ihr Mann, der Schauspieler Walter Sittler, beschreibt ihr besonderes Talent im Umgang mit Kindern. Schon als sie noch als Lehrerin gearbeitet hat, beobachtete er, wie glücklich die Kinder dabei waren: „und die können dann plötzlich mehr als vorher, obwohl sie es nicht von ihnen verlangt.“
Die eigene Kindheit in „absoluter Sicherheit“
Sigrid Klausmann selbst wurde 1955 in Furtwangen im Schwarzwald geboren und wuchs mit ihren Eltern und sechs Geschwistern auf dem Land auf. „Meine eigene Kindheit – das ist mir heute noch viel bewusster als früher – war eine Kindheit in absoluter Sicherheit“, so Sigrid Klausmann. Seit 1985 ist sie mit Walter Sittler verheiratet, der auch der Produzent von vielen ihrer Filme ist.
Er hatte auch die Idee, weltweit Kinder auf ihrem Schulweg zu filmen. Daraus wurde ein großes Projekt mit dem Titel „199 Held*innen“, das das Paar über Jahre beschäftigte.
Teil davon ist neben mehreren Kurzfilmen und einem Buch auch Sigrid Klausmanns bislang erfolgreichster Film „Nicht ohne uns“, der 16 Kinder aus 15 Ländern und fünf Kontinenten auf ihrem Schulweg begleitet. Dabei erzählen die Kinder von ihrem Leben, ihren Hoffnungen, Träumen und Ängsten.
Mädchen eine Stimme geben
Während bei den „199 Held*innen“ Jungen und Mädchen gleichermaßen porträtiert wurden, wollte Sigrid Klausmann zum Ende ihrer Karriere als Filmemacherin noch einmal ausschließlich Mädchen eine Stimme geben.
„Bei meinen vielen Begegnungen mit den Kindern der Welt konnte ich insbesondere bei den Mädchen den Unterschied sehen im Sinne von Chancengleichheit oder ‚Wer bist du in der Familie?‘“, so Klausmann. In „Girls don’t cry“ geht es deshalb um die Frage, was es bedeutet, heute ein Mädchen zu sein.
Weltweite Perspektiven auf Kindheit und Jugend
Der Dokumentarfilm begleitet Nancy, Sheelan, Sinai, Paige, Selenna und Nina in ihrem Alltag, der unterschiedlicher kaum sein könnte: die Teenager-Mutter in Großbritannien, die Leistungssportlerin in Korea, oder das Mädchen in Tansania, das vor der Genitalverstümmelung in ein Heim fliehen konnte.
Sie alle sind junge Frauen im Teenageralter, die sich den Herausforderungen, Erwartungen und Hindernissen in ihrem Umfeld, ihrer Heimat und ihrem persönlichen Leben stellen.
Angetrieben habe sie bei ihrer Arbeit vor allem die Neugier, sagt die Regisseurin, aber nicht nur: „Es ist nicht so, dass ich eine Filmemacherin bin, die sich verwirklichen möchte, sondern das ist mein, das ist unser Anteil, unser gesellschaftliches Engagement.“
Junge Frauen erzählen ihre Geschichten
Sigrid Klausmann kommt jeder ihrer Heldinnen erstaunlich nah. Und sie überlässt ihnen vollständig das Wort. Die Mädchen erzählen selbst ihre Geschichten, von ihrem Alltag und ihrem Leben. Idealerweise finden sich die Zuschauenden darin wieder, sagt Sigrid Klausmann. „Darum geht es eigentlich, dass man etwas initiiert über einen Film. Es entsteht Empathie, die verloren zu gehen droht.“ Das sei ihr Wunsch, was sie idealerweise mit dem Film erreichen könne.
Ein zeitloser Filmschatz
Ein weiteres Filmprojekt habe Sigrid Klausmann nicht geplant. Sie wolle den Freiraum haben, Zeit mit ihrer Familie, ihrem Mann, den gemeinsamen Kindern und der Enkeltochter zu verbringen.
„Und wir haben so einen Filmschatz, der überhaupt nicht aus der Mode kommt und mit dem ich immer wieder angefragt bin für Veranstaltungen und das mache ich wirklich gerne, auch in der Bildung, ganz besonders in der Bildung“, sagt Sigrid Klausmann. Schließlich sind die Kinder, ihre Geschichten und das Miteinander das Thema ihres Berufslebens.