Neun Oscar-Nominierungen für Josh Safdies wilde Sportkomödie

„Marty Supreme“ – Timothée Chalamet in Tischtennis-Bestform

Vom Schuhverkäufer zum Tischtennis-Star – „Marty Supreme“ entpuppt sich als irrwitzige Odyssee eines Überlebenskünstlers, der alles riskiert, während er seinem Lebenstraum hinterherjagt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Julia Haungs

Viel Tischtennis-Talent, aber kein Geld

„Marty Supreme“ beginnt wie ein Sportlerfilm: ein junger, ambitionierter Tischtennis-Spieler will das Unmögliche schaffen und 1952 als erster US-Amerikaner Weltmeister werden. Das Talent dazu hat Marty Mauser, allein die Mittel fehlen.

„Marty Supreme“ von Josh Safdie
Schuhverkäufer Marty (Timothée Chalamet) hat nur ein Ziel im Leben: Weltmeister im Tischtennis zu werden und somit in den Olymp der gefeierten Athleten aufzusteigen, zu denen er sich selbst ohnehin schon lange zählt. © Tobis Film

Statt rund um die Uhr zu trainieren, muss er sich im New Yorker Schuhladen seines Onkels das Geld für den Flug zum nächsten großen Turnier in London verdienen. Gegen alle Widerstände schafft Marty es nach London, unterliegt im Finale allerdings dem Japaner Koto Endo. Bei der kurz darauf anstehenden Weltmeisterschaft hofft Marty auf die Revanche.

Porträt des US-Schauspielers Timothée Chalamet in „Marty Supreme“: Der Junge mit Chuzpe

In „Marty Supreme“ zeigt Timothée Chalamet sein volles schauspielerisches Repertoire. Wird ihm die Rolle des jungen Manns, der unbedingt gewinnen muss, den Oscar einbringen?

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Der Sportlerfilm sprengt schnell alle Grenzen

So weit, so Sportlerfilm. Doch die Sporterzählung sprengt schnell alle Grenzen, schließlich heißt der Regisseur Josh Safdie. Zusammen mit seinem Bruder Benny hat er verrückte, hochtourige Filme wie „Good Time“ oder „Der schwarze Diamant“ gedreht. „Marty Supreme“ ist seine erste große Solo-Arbeit.

Und auch hier lässt Safdie die Sache völlig aus dem Ruder laufen, treibt Marty auf seiner ständigen Suche nach Geld zu immer waghalsigeren Aktionen und lässt ihn von einer Verfolgungsjagd in die nächste taumeln. 

„Marty Supreme“ von Josh Safdie
Um an einem Turnier in London teilnehmen zu können, setzt der junge Schuhverkäufer Marty (Timothée Chalamet) alles auf eine Karte. © Tobis Film

Timothée Chalamet ist umwerfend

Timothée Chalamet ist umwerfend als Marty: ein pickliger Dussel mit Brille und Schnurrbart, rastlos angetrieben von seinem Ehrgeiz und einem überbordenden Selbstbewusstsein.

Er ist ein Trickster, der das eigene Blatt oft überreizt. Allerdings erquatscht er sich mit seiner Chuzpe auch einiges, was eigentlich völlig außer Reichweite liegt: ein Zimmer im Ritz genauso wie eine Affäre mit einer ehemaligen Stummfilmdiva, mit trockenem Humor gespielt von Gwyneth Paltrow.

„Marty Supreme“ von Josh Safdie
Timothée Chalamet (Marty Mauser) erquatscht sich einiges, auch die Gunst von Stummfilmstar Kay Stone (Gwyneth Paltrow). © Tobis Film

Hommage an die frühe Ping-Pong-Subkultur

Neben seiner schrägen Überdrehtheit ist der Film zugleich eine Hommage an die frühen Tage des Tischtennis in den USA, als Ping Pong weniger als richtige Sportart galt denn als Subkultur. Safdie, selbst ein großer Tischtennis-Fan, taucht ein in die schummrigen Hinterhofzimmer, in denen sich schräge Typen die Bälle um die Ohren schlagen.

„Marty Supreme“ von Josh Safdie
Der hochbegabte aber mittellose Tischtennisspieler Marty Mauser führt sich auf wie ein Popstar: Im März könnte Timothée Chalamet für diese Rolle seinen ersten Oscar erhalten. © Tobis Film

Chalamet trainierte sieben Jahre für die Tischtennis-Szenen

Hier ist alles historisch korrekt: vom Schlägerbelag bis zu Tempo und Stil der Ballwechsel, die der Film in langen, teils ungeschnittenen Einstellungen zeigt. Sieben Jahre hat Chalamet nach eigener Aussage für diese Szenen trainiert. Das zahlt sich aus.

Ebenso echt wie die Tischtennis-Szenen fühlen sich die Charaktere an. Das liegt an der exzellenten Besetzung, aber auch daran, dass in diesem Film ausschließlich interessante Gesichter zu sehen sind, die schwitzen oder schlechte Haut haben, also in keiner Weise den glattgezogenen Schönheitsnormen Hollywoods entsprechen. Dadurch bekommt der Film etwas geradezu Haptisches.

150 Minuten auf High Speed im Kino machen glücklich

Tischtennis sei wie Schach bei 100 km/h, so eine Sportweisheit. Das trifft auch auf „Marty Supreme“ zu. Er schaltet 150 Minuten lang auf High Speed, während die Handlung ständig Spin in unerwartete Richtungen bekommt. Am Ende dieser Tour de Force geht man ziemlich geschafft, aber glücklich aus dem Kino.

Trailer „Marty Supreme“, ab 26.2. im KIno

MARTY SUPREME | Finaler Trailer | Ab 26. Februar im Kino!

Blood & Sinners: Warum Ryan Cooglers Südstaaten-Vampir-Musical ein Appell für Freiheit ist

Blood & Sinners ist eine Mischung, die Filmkritikerin Anna Wollner bisher noch nicht gesehen hat. Und gerade deshalb ist der Film für sie absolut empfehlenswert.

Oscar für beste Hauptdarstellerin Jessie Buckley „Hamnet“ von Chloé Zhao – Die Trauer von Shakespeares Familie um ihr totes Kind

1596 starb William Shakespeares elfjähriger Sohn Hamnet. Regisseurin Chloé Zhao („Nomadland“) erzählt in „Hamnet“ eine hochemotionale Geschichte über die Trauer der Eltern.

SWR Kultur am Samstagnachmittag SWR Kultur

Ein Film, entstanden aus Bildern im Kopf: "One Battle After Another" mit Leonardo DiCaprio

Der Regisseur Paul Thomas Anderson sagt, er habe gar keine Geschichte, sondern nur Bilder im Kopf gehabt. Daraus ist "One Battle After Another" entstanden. Kann das funktionieren?

Drei Oscars für Guillermo del Toros Verfilmung Frankenstein in der Filmgeschichte: Vater, Monster, Kind

Guillermo del Toros „Frankenstein“ erzählt wieder von einem empfindsamem Monster und zeigt: Mary Shelleys Kreatur spiegelte stets gestörte Familien- und Geschlechterrollen.

Mäuserich statt Muskelmann „Sexy Rodent Men“ erobern TikTok: Der Sommer der scharfen Nagetier-Männer

Josh O’Connor, Timothée Chalamet, Jeremy Allen White: Sie sind im Netz zu „heißen Nagetier-Männern“ ernannt worden – erfrischend unperfekte Gegenentwürfe zum dominanten Männlichkeitsbild sozusagen. Doch nicht alle wollen sich den Mäuse-Vergleich gefallen lassen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Julia Haungs
Julia Haungs, Autorin  und Redakteurin, SWR Kultur